Vor 45 Jahren: Start der Mondrover-Entwicklung – 38 Millionen Dollar für 90 Kilometer
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Das Mondauto wird verladen Bilder

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Auf Tour mit dem Mondauto Bilder

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Das Mondauto neben dem Landemodul Bilder

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Luftgefüllte Reifen kommen für den Mond nicht in Frage Bilder

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Der Geschwindigkeitsrekord liegt bei 18,9 km/h Bilder

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Parkraum gibt es auf dem Mond im Übermaß Bilder

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Ein Streifen Klebeband behob den bislang einzigen Unfallschaden auf dem Mond Bilder

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Astronaut John Young mit dem Apollo-16-Auto Bilder

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Das Auto der Apollo-17-Mission Bilder

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Vor 45 Jahren, exakt am 20. Juli 1969, lockte eines der größten Abenteuer der Menschheitsgeschichte rund 600 Millionen Menschen rund um den Globus vor ihre damals überwiegend Schwarzweißbilder übertragenden Fernsehempfänger. Der amerikanische Astronaut Neil Armstrong betrat als erster Mensch die Oberfläche eines außerirdischen Himmelskörpers. Die Landung auf dem Mond war im wahrsten Sinn des Wortes nur ein erster Schritt. Während Armstrong mit seinem Kollegen Buzz Aldrin den Erdtrabanten erkundete, hatte die Entwicklung für das ungewöhnlichste und teuerste Auto aller Zeiten gerade begonnen. Ab Apollo 15 sollten die Männer im Mond bequem per Auto forschen dürfen.

Das Automobil ist das das einzige Fahrzeug mit vier Rädern, das schon Menschen auf mehr als einem Himmelskörper transportiert hat. Der Name dieses Mobils wurde nüchtern und sachlich gewählt: „Lunar Roving Vehicle“. Kurz LRV. Das wohl ungewöhnlichste Auto aller Zeiten führte kein offizielles Herstelleremblem und entstand in nur 17 Monaten Entwicklungszeit. Zehn Tage vor dem historischen Abenteuer der Astronauten Armstrong und Aldrin, am 11. Juli 1969, hatten bei General Motors die Entwicklungsarbeiten für das LRV begonnen. Auftraggeber war der Luft- und Raumfahrtgigant Boeing. Das Fahrzeug sollte am 1. April 1971 zur Verfügung stehen und 19 Millionen Dollar kosten. Dank der Fertigung der drei Exemplare des „Lunar Roving Vehicle“ durfte sich der amerikanische Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing letztendlich sogar in die lange Liste der Autobauer einreihen.

Den Zeitrahmen konnten die Entwickler einhalten. Die Kosten fuhren davon. Als das LVR das Laufen gelernt hatte, hatten sich die Kosten auf 38 Millionen Dollar verdoppelt. Über ein Auto für den Mond hatte sich der deutsche Raketenforscher und „Vater der Mondrakete Staturn V“, Wernher von Braun, bereits 1954 erste Gedanken gemacht. Er postulierte für eine sechswöchige Mondmission ein zehn Tonnen schweres Vehikel. Ein vollkommen falscher Ansatz, denn der Energieaufwand, der erforderlich war, Material von der Erde zum Mond zu befördern, diktierte eine radikale Leichtbaulösung. Letztlich musste das Fahrzeug am Einsatzort ja auch nur ein Sechstel der Erdschwerkraft überwurden werden.

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Die GM-Techniker entwickelten ein 3,10 Meter langes Fahrzeug mit 2,30 Meter Radstand. Die gesamte Konstruktion aus Leichtmetall wog lediglich 210 Kilo. Die Zuladung auf dem Mond betrug 490 Kilo. Auch die war messerscharf kalkuliert, denn alleine 353 Kilo entfielen auf die beiden Astronauten mit ihren Lebenserhaltungssystemen, 45,4 Kilo auf die Kommunikationsausstattung, 54,5 Kilo auf die wissenschaftliche Nutzlast. Für Gesteinsproben blieben 27,2 Kilo.

Das Chassis des LRV war faltbar und passte in einen Behälter von 90 x 150 x 170 Zentimeter Kantenlänge unter der Mondlandefähre. 20 Minuten waren erforderlich, bis die beiden Astronauten den „Mond Rover“ mit ihren klobigen Handschuhen montiert hatten. Dabei mussten sie das Vehikel mit Seilzügen aus seinem Transportbehältnis bugsieren. Die Entfaltung des LRV erfolgte selbstständig durch integrierte Federn. Das Fahrzeug verfügte über einen echten Allradantrieb. Jedes Rad war mit einem Elektromotor ausgestattet, der 0,19 Kilowatt bei 10.000 U/min leistete. Die Kraftübertragung besorgte ein Getriebe mit einer Übersetzung von 80 : 1. Die notwendige Energie lieferten zwei 36V/121 Ah-Silberoxid-Zink-Batterien. Daraus errechnete sich eine Höchstgeschwindigkeit von ursprünglich 13 km/h und eine Reichweichte von 92,2 Kilometern. Die Lenkung erfolgte elektrisch auf beide Achsen. Die beiden dafür verantwortlichen Elektromotoren leisteten lediglich 0,072 kW.

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Ohne die speziellen Räder mit 81 Zentimeter Durchmesser hätte das LRV jedoch nicht funktioniert. Der ungarische Physiker Ferenc Pavlics entwickelte eine reifenlose Konstruktion aus 0,84 Millimeter dünnen, verzinkten Stahldrähten für eine tragfähige Struktur. Die Lauffläche bestand aus dünnen Titanelementen. Die Federung übernahm eine Felge mit einem 65 Zentimeter durchmessenden, federnden Rahmen.

Pionierarbeit hatten die Entwickler nicht zuletzt bei der Navigation geleistet. Das LRV verfügte über ein Navigationssystem, dessen Computersteuerung mit Hilfe eines Kreiselinstruments und eines Kilometerzählers die aktuelle Position zum Landemodul berechnete. An der Front trug das Fahrzeug die Kommunikationsausrüstung mit zwei Kameras. Werkzeuge und Geräte für die Erkundung der Mondoberfläche fanden in einem kleinen „Gepäckraum“ in Gestalt eines Korbs im Heck Platz. Der charakteristische kleine Schirm der S-Band-Richtantenne erforderte bei jedem Halt eine manuelle Ausrichtung auf die Erde. Während der Fahrt ließen sich nur Sprechfunk und Daten übertragen.

Die Reichweite von 92,2 Kilometer sollte in der Praxis nie überprüft werden. Bei ihren Einsätzen legten die drei Fahrzeuge lediglich 27,9, 26,7 und 35,9 Kilometer zurück. Während der Mission Apollo 15 feierte das LRV am 30. Juli 1971 seine Premiere. Am Steuer wechselten sich die Astronauten David Scott und James Irvin ab. Bei Apollo 16 durften John Young und Charles Duke ab 20. April 1972 das Fahrzeug nach der Mondlandung steuern.

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Während der letzten Mond-Mission im Rahmen von Apollo 17, mit dem längsten Aufenthalt auf dem Erdtrabanten vom 11. bis zum 14. Dezember 1972, kam es zum bislang einzigen Autounfall außerhalb der Erde. Der Schaden, ein abgerissener Kotflügel, hielt sich jedoch in Grenzen und ließ sich von den beiden Astronauten Eugene Cernan und Harrison Schmitt mit Klebeband beheben. Eine Tat, die bis heute als die einzige Autoreparatur außerhalb der Erde in die Geschichte eingegangen ist. Der Astronaut Eugene Cernan hält übrigens den (inoffiziellen) Automobil-Geschwindigkeitsrekord auf dem Mond. Mit dem dritten Rover schaffte er 18,9 km/h. Das waren immerhin 0,3 km/h mehr als die Durchschnittsgeschwindigkeit des Siegers beim ersten Autorennen der Welt, am 22. Juni 1894, von Paris nach Rouen.

Derzeit ist noch nicht absehbar, wann Mr. Cernan seinen Rekord verlieren wird. Der Termin für die nächste bemannte Mondmission steht noch in den Sternen. Und damit ebenso der für einen weiteren automobilen Ausflug auf dem Erdtrabanten.

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