Zwei Stundenkilometer langsamer kann Leben retten
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Trotz schlechten Wetter Spaß am Fahrsicherheitstraining beim ADAC: Instruktorin Bettina Tiemann mit ihren Teilnehmerinnen. Bilder

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Trotz schlechten Wetter Spaß am Fahrsicherheitstraining beim ADAC: Wedeln im Nebel. Bilder

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Anfahren, bremsen, abbiegen, einparken oder anhalten sind für jeden Autofahrer alltägliche Situationen. Doch was passiert in brenzligen Situationen, wie verhält sich das eigene Auto bei einer Vollbremsung? Was geschieht, wenn das Lenkrad verrissen wird und als Folge das Heck plötzlich ausbricht? Fragen über Fragen, die neun Frauen an einem Sonntag beantwortet haben möchten – in Form von Theorie und Praxis bei einem Frauen-Intensiv-Training im Fahrsicherheits-Zentrum des ADAC.

Elisabeth, Karin, Melanie, Stefanie, Gesa, Vroni, Samantha, Miriam und Irina sind ganz normale Frauen in ganz normalen Berufen mit ganz normalen Autos. Sie legen pro Tag die unterschiedlichsten Strecken auf dem Weg zur Arbeit oder in ihrer Freizeit zurück, transportieren ihre Kinder zur Schule, fahren einkaufen und abends auch mal ins schicke Restaurant im Nachbarort. Sie fahren VW, Audi, Peugeot, Volvo oder Cadillac und haben eine Gemeinsamkeit: Sie alle haben aus ihrem Familienkreis einen Gutschein zum Fahrsicherheits-Training speziell für Frauen geschenkt bekommen. Alle Gutscheine lagen unterm Weihnachtsbaum und werden heute gegen den Kurs in Laatzen bei Hannover auf einem abgesperrten Gelände des ADAC eingetauscht – dem schlechten Wetter zum Trotz.

Bettina Tiemann, Instruktorin des ADAC-Teams für Motorräder und Autos, empfängt alle Frauen zum theoretischen Teil mit einer kleinen Vorstellungs- und Fragerunde.

Die Erwartungen der Damen sind fast identisch:

Sie möchten mehr Routine beim Autofahren, Tipps und Tricks vermittelt bekommen, wollen Ängste abbauen, und vor allem ihr Auto in Gefahrensituationen besser beherrschen. Nach einem kurzen und knackigen theoretischen Teil, in dem Bettina Tiemann den Teilnehmerinnen den Tagesablauf erklärt, geht es raus auf das Übungsgelände zur ersten Station – natürlich mit den eigenen Autos.

Hütchenspiel ist angesagt

Auf einer geraden Linie werden Pylonen aufgebaut, die es zu umfahren gilt. Einmal rechts dran vorbei, einmal links dran vorbei, dann wieder rechts und so weiter. „Die Mädels sollen mir erst mal zeigen, ob sie die Abmessungen ihres Fahrzeuges kennen und wie zurückhaltend, mutig beziehungsweise waghalsig sie im Straßenverkehr unterwegs sind. Denn wenn sie um die Pylonen wedeln, möchte ich kein Hütchen berührt oder vielleicht sogar umfallen sehen. Das kostet pro Hütchen einen Latte Macciatto“, lächelt die erfahrene Instruktorin und rennt sogleich los. Sie hat ihren ersten Latte Macciatto bereits in der Tasche.

Doch die Instruktorin wird an diesem kalten und regnerischen Sonntag keinen Koffeinschock bekommen. Ganze vier Pylonen fliegen durch die Gegend. „Das lohnt sich heute nicht“, schmunzelt sie. Über Funk fordert sie alle Teilnehmerinnen auf, zurück zum Container zu kommen, in dem sie Schutz gesucht hat, denn es ist noch kälter geworden und regnet dauerhaft. „Gute Voraussetzungen für unsere Übungen“, fährt Bettina Tiemann fort.

Bevor die nächste Übung gefahren wird, muss die richtige Sitzeinstellung im Auto gefunden werden. Irina und Samantha sitzen eher locker-lässig in ihren Fahrzeugen, andere etwas ängstlich und der Rest ziemlich normal. Doch was ist eigentlich normal? Die Instruktorin erklärt, worauf es ankommt, um das Auto in Gefahrensituationen voll unter Kontrolle zu haben und muss leider feststellen, dass alle eine verkehrte Sitzeinstellung gewählt haben. Doch auch das ist völlig normal…

Sitze unter professioneller Anleitung richtig eingestellt und auf geht’s zur nächsten Übung:

Vollbremsung. Hier wird das sichere und effektive Bremsen vermittelt und nicht nur Melanie und Karin steigen sofort zu Beginn der Übung voll in die Eisen. Nach ein paar Übungen jedes einzelnen mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten geht es wieder ab in den Container zum Erfahrungsaustausch, und schnell stellen alle Frauen fest, dass zwei Stundenkilometer weniger an Geschwindigkeit im Notfall Leben retten kann.

Selbst bei richtiger Bremstechnik bleibt für den Bremsweg die Geschwindigkeit entscheidend. Hierzu gibt es auch gleich wieder eine Erklärung der Instruktorin: „Eindrucksvoll ist die Tatsache, dass der reine Bremsweg bei 70 km/h doppelt so lang ist wie bei 50 km/h. Auf griffiger Fahrbahn sind das circa 24 statt zwölf Meter. Das bedeutet: Steigt die [foto id=“349531″ size=“small“ position=“left“]Geschwindigkeit, verlängert sich der Bremsweg im Quadrat. Die Verdoppelung der Geschwindigkeit ergibt also den vierfachen Bremsweg.

Und der wichtigste Faktor ist hier noch nicht einmal einbezogen: die Reaktionszeit.“ Auch das dürfen die Damen dann sogleich von der Theorie in die Praxis umsetzen. Als Hindernisse tauchen bei der nächsten Gefahrenbremsung plötzlich Wasserfontänen vor den Autos auf, die es zu umfahren gilt. Bei jedem weiteren Durchgang der Teilnehmerinnen sind Erfolge zu verzeichnen und nicht nur Stefanie findet geschickt die Lücke zum Durchfahren der einzelnen Wasserfontänen. Im Notfall hieße das: Menschenleben gerettet!

Wie man das Auto abfängt, wenn das eigene Fahrzeugheck überholen will, lernen alle beim Einsatz der Hydraulikplatte. Auf einer speziellen Gleitfläche, die Glatteis widerspiegelt, gibt es beim Überfahren dieser Platte einen Schlag an die Hinterachse. Das Auto bricht unweigerlich aus. Nun heißt es, richtig gegenlenken und das Auto in der Spur halten. Wie hilfreich hierbei modernste Technik sein kann, erfahren all die, die ESP in ihrem Fahrzeug haben, was bei neueren Fahrzeugen überwiegend der Fall ist. „Diese elektronische Fahrdynamikhilfe erkennt ohne Reaktionszeit den instabilen Fahrzustand und stabilisiert durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder das Fahrzeug“, gibt es dann auch gleich wieder die dazu passende von Bettina Tiemann. Ebenso passiert es bei der nächsten Übung auf der Kreisbahn, wo einige Damen an die Grenzen ihrer Fliehkraft-Tauglichkeit geraten.

Am Ende eines Neun-Stunden-Fahrsicherheits-Trainings stand für alle Beteiligten fest:

Die Erwartungen wurden vollends erfüllt. Stefanie hat die Bremsen ihres Autos erst mal richtig kennen gelernt, Elisabeth hat Respekt vor einer Vollbremsung bekommen und Vroni und Gesa würden das Training mit Sicherheit in regelmäßigen Abständen wiederholen. Und alle hatten einen ganzen Tag lang trotz Dauerregens und Kälte viel Spaß und sind nun in der Lage, Gefahren besser zu erkennen, vor allem zu vermeiden, aber auch zu bewältigen. So gereift, werden sie alle sicher besser verstehen, dass Experten immer wieder für jeden Autofahrer eine „Zwangs-Teilnahme“ an einem Fahrsicherheits-Training fordern.

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