5. Fit to Drive-Kongress für Verkehrssicherheit – Europäische Einheit nicht in Sicht
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Zunächst die gute Nachricht: In den letzten 10 Jahren ist europaweit die Zahl der Verkehrstoten um über 40 Prozent zurückgegangen. Nicht zuletzt dank verschärfter Gesetzgebung in den einzelnen EU-Ländern und verbesserten allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen. Allerdings starben auf den Straßen der EU 2009 immer noch rund 35.000 Menschen, 1,7 Millionen wurden verletzt. Die volkswirtschaftlichen Kosten werden auf rund 200 Milliarden Euro geschätzt.

Da mutet das im kürzlich erschienenen aktuellen „Weißbuch Verkehr“ der EU-Kommission definierte Ziel sehr ambitioniert an: Bis 2050 soll es auf Europas Straßen keinen einzigen Toten mehr zu beklagen geben. Vor dem Hintergrund dieser „Vision Zero“ diskutierten jetzt beim 5. Fit to Drive-Kongress Verkehrsforscher, -psychologen und -mediziner zusammen mit EU-Experten auf Einladung des Verbandes der TÜV (VdTÜV) über Herausforderungen wie Prävention, Verkehrserziehung, Gesetzgebung, Strafpunkte-Systeme oder Risikomanagement.

Das Motto der europäischen Expertenrunde, die sich heuer in Den Haag versammelte – „Gemeinsame Probleme, europäische Lösungen“ –  war zugleich auch eine Bestandsbeschreibung. Denn auch in seinen nationalen Verkehrssystemen ist Europa ein vielstimmiger Chor. Es gibt Mitgliedsstaaten wie die Niederlande, Schweden oder Deutschland, die Vorreiter sind wenn es darum geht, Rahmenrichtlinien für Sicherheit im Straßenverkehr zu etablieren und EU-Neulinge wie die osteuropäischen Länder oder Schlusslicht Malta, die noch viele Hausaufgaben vor sich haben. Das schwedische Parlament verabschiedete beispielsweise schon 1997 einen Maßnahmenkatalog für eine Zukunft ohne Unfälle mit fatalen Folgen. Dazu gehörte neben Geschwindigkeitsbegrenzungen an neuralgischen Verkehrspunkten schon damals die obligatorische Risikoaufklärung bereits im Fahrunterricht.

Wie wichtig die frühe Förderung für den  Lernprozess ist, wenn man später ein umsichtiger, verantwortungsvoller Verkehrsteilnehmer werden soll, erläutert Lisa Dorn von der englischen Universität Cranfield. Ausgehend von psychologischen Studien und der Unfallforschung hat die Wissenschaftlerin für Fahrneulinge ein Lernprogramm entwickelt, das buchstäblich den Horizont erweitert und ihnen beibringt, Gefahrensituationen rechtzeitig zu erkennen. Anfänger haben zunächst stressbedingt ein eingeschränktes Gesichtsfeld und konzentrieren sich eher nach vorne als auch mal zur Seite oder nach hinten. Die Simulation, die inzwischen an vielen englischen Schulen angeboten wird, bietet neben schnellem Feedback die Möglichkeit, gefahrlos aus Fehlern klug zu werden.

Doch die einzelnen europäischen Staaten haben immer weniger Fahranfänger, dafür aber immer mehr Senioren am Steuer, Spiegelbild einer alternden Gesellschaft mit ihren speziellen Problemen und Bedürfnissen. Fit to Drive, das Motto des TÜV-Forums, umfasst auch die Fitness der älteren Verkehrsteilnehmer. Der österreichische Verkehrsforscher Karl Risser untersucht, wie Sicherheit durch Faktoren wie Alter, Geschlecht, Wohnort und Gesundheit beeinflusst wird. Statt eines altersbedingten Entzugs der Fahrbefähigung wie er vielerorts diskutiert wird, plädiert er für eine genaue, vorurteilsfreie Analyse der Lebenssituation, um seniorengerecht agieren zu können. Oft biete zum Beispiel auf dem Land nur das Auto die Möglichkeit, soziale Kontakte weiter zu pflegen oder zum Arzttermin in die nächste Stadt fahren zu können. Passive und aktive Sicherheit in den Fahrzeugen, wie die neuen Fahrerassistenzsysteme, zeigten, wie auch sie als gefährdete aber zugleich umsichtigste Gruppe sicher am Straßenverkehr teilnehmen könnten.

Der riesige europäische Komplex Verkehrssicherheit ist mitten in einem Fitness- und Stresstest, der von den Institutionen der EU ebenso angeschoben wird wie von Behörden, Verbänden und der Forschung. Die Strategien, auch das lehrt der Kongress, sind so unterschiedlich wie die einzelnen Gesellschaften Europas. Allein die europaweite Vereinheitlichung eines Aspekts kann Jahre in Anspruch nehmen. Einen Beleg für diese Sisyphusarbeit lieferte Kerstin Runda vom österreichischen Kuratorium für Verkehrssicherheit mit ihrem Zwischenbericht zum Stand des EU-Projekts Bestpoint. Mit diesem Programm sollen irgendwann die Strafpunkte-Systeme der Mitgliedsstaaten standardisiert werden. Eine Umsetzung ist jedoch noch in weiter Ferne.

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