Autonomes Fahren – Die Traumwelt ist noch Jahre entfernt
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Moderne Sicherheitssysteme in Fahrzeugen sollen uns schützen. Sie kontrollieren Abstand, Geschwindigkeit, Übermüdung, die Ausleuchtung der Fahrbahn oder das In-der-Spur-bleiben. Ein nächster Schritt soll das autonome Auto sein. Pkw-Besitzer müssten lediglich einsteigen, das Fahrzeug würde sie selbstständig durch den Straßenverkehr fahren. Flugzeuge fliegen schließlich auch schon lange per Autopilot. Doch darf man der Technik vollständig vertrauen oder ist der Computer am Steuer ein Ungeheuer?

Die Realisierung scheint nah: Hände weg vom Steuer soll es ab 2020 bei Mercedes heißen, bis dahin wollen die Stuttgarter autonomes Fahren zur Serienreife bringen. Die neue S-Klasse fuhr in einem Feldversuch kürzlich selbstständig von Mannheim nach Pforzheim – auch durch die Stadt und ohne dass der Fahrer Lenkrad oder Pedale berührte. Auch der schwedische Autobauer Volvo arbeitet an einem solchen Pilotprojekt. Bekannter ist zudem das vom Internet-giganten Google initiierte Fahrzeug, das probeweise autonom über Straßen in den USA fährt

Die Experten des deutschen Verkehrssicherheitsrates DVR sehen die Entwicklung positiv. Sie versprechen sich eine höhere Verkehrssicherheit und weniger Unfälle. Laut ihrer Statistik gehen heutzutage mehr als 90 Prozent aller Unfälle auf menschliche Fehler zurück. Das kann der Technik nicht passieren, schließlich wird sie nicht von Emotionen beeinflusst, lässt sich nicht ablenken, wird nicht müde oder schätzt Geschwindigkeiten falsch ein. Nach Prognosen der DVR-Experten könnte sich außerdem das Stauaufkommen drastisch verringern und damit zusammenhängend auch der Spritverbrauch. Alle Verkehrsteilnehmer wären entlastet und die steigende Verkehrsdichte könnte durch vernetzte Fahrzeuge besser verarbeiten werden.

Doch bis es soweit ist, sind noch etliche Aufgaben zu bewältigen. Kann beispielsweise ein 20 Jahre alter Kleinwagen einer modernen Limousine verständlich machen, dass sein Besitzer ihn nur schnell in zweiter Reihe abgestellt hat, um Brötchen zu holen und er überholen kann? Was ist, wenn eine ältere Dame am Zebrastreifen das Fahrzeug durchwinkt, um beim Überqueren ihre Ruhe zu haben? Nicht mit allen Situationen wird die Technik zurechtkommen. Der Fahrer müsste teilweise eingreifen. Ob er jedoch rechtzeitig reagieren kann, bleibt fraglich.

Noch herrscht gewaltiger Entwicklungsbedarf beim autonomen Fahren, da sind sich die Experten einig. Auch Fragen des Datenschutzes und der Unfallhaftung sind noch nicht geklärt. „Wir müssen menschliche und technische Verhaltensanpassungen durchführen, mit neuen Fehlern zurechtkommen und die Systeme besser erforschen“, sagt Tobias Ruttke, Diplom-Psychologe der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Dabei soll zum Beispiel auch geklärt werden, was passiert, wenn System und Fahrer konträre Entscheidungen treffen.

Realistisch gesehen ist vollautomatisiertes Fahren in diesem Jahrzehnt noch kein Thema, fehlt es doch noch an klaren Definitionen und einer klaren Gesetzeslage. Erst dann kann die schrittweise Herangehensweise über Mischformen folgen, so die Einschätzung der Experten, bis es irgendwann vielleicht tatsächlich vollautomatisiertes Fahren geben wird und Begriffe wie Gas, Kupplung und Schulterblick nur noch älteren Autofahrern geläufig sind.

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