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Dacia Logan: Die nackte Wahrheit
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Ein neues Familienauto zu Preisen ab 7.200 Euro. Das kann doch nichts sein, oder doch? Widersprüchliches war bisweilen über die Qualitäten der rumänischen Limousine zu lesen. Ein Test auf dem Fahrsicherheitsgelände des ADAC sollte nun Klarheit bringen.

Ehrliche Haut

Das Testareal liegt in Grevenbroich, in direkter Nachbarschaft zum Braukohletagebau Garzweiler. Ehrliche Kumpel sind dort gefragt. Typen die zupacken können, die keine große Show veranstalten. Solche, wie der Dacia Logan einer ist. Die Basisversion ist Autofahren pur: Kein Chromschmuck, keine seitlichen Schutzleisten, keine elektrischen Fensterheber und keine aerodynamischen Radabdeckungen. Natürlich auch keine Servolenkung. Die Basisversion Logan verzichtet selbst auf einen Namenszusatz. Dafür bietet der rumänische Konzernbruder des Renault Clio viel Platz für eine ganze Familie.

Verzicht ist Programm

Dass man es auch übertreiben kann, zeigt der Verzicht auf die Höhenverstellung der Sicherheitsgurte. Der Gurt liegt selbst bei 1,80 Meter Körpergröße zu hoch am Hals. Das ändert sich mit der Ausstattungsvariante Ambiance (ab 7.650 Euro). Im Ausstattungspaket sind auch Kleinigkeiten wie ein Makeup-Spiegel, lackierte Stoßfänger sowie getönte Scheiben und eine Zentralverriegelung enthalten. Servolenkung, beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, Bordcomputer und ein höhenverstellbarer Fahrersitz sind bei Ausstattungslinie Lauréate (ab 8.300 Euro) serienmäßig. Ein laufruhiger Dieselmotor ist in Verbindung mit der mittleren Ausstattungslinie ab 9.650 Euro verfügbar. Damit ist der Logan der günstigste Diesel auf dem deutschen Markt.

Im Logan unterwegs

Jetzt will ich es wissen: Zeit zum Test, das Basismodell soll es sein. Unter der Haube ein 1,4-Liter Vierzylinder mit 75 PS (55 kW), der wie viele andere Komponenten von der Konzernmutter Renault stammt. Wo sonst das Radio steckt, gähnt ein dunkelgrauer Schacht. Statt einer Klimaanlage sorgen an diesem heißen Frühsommertag heruntergekurbelte Fenster für etwas Abkühlung. Frische Luft vertreibt den penetranten Neuwagengeruch des Logan. Muss schon eine Ewigkeit her sein, dass ich ein neues Auto ohne Servolenkung bewegen durfte. Aber es geht noch. Und zwar überraschend gut. Um den Logan auszuparken, muss man kein Super-Athlet sein. Beim ersten Schaltvorgang registriere ich ein exakt geführtes Fünfganggetriebe. Der mit gut einer Tonne recht leichte Viertürer nimmt unspektakulär an Fahrt auf. Das Datenblatt nennt 13,0 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 und 162 km/h Spitze. Der Durchschnittsverbrauch soll bei 6,9 Liter Super liegen.

Robust gebaut

Mit seinen langen Federwegen bügelt der Logan die Schäden der hiesigen Straßen locker weg. Da ist er in Osteuropa sicherlich anderes gewohnt. Dort wird er für sein robustes Wesen von der Kundschaft geliebt, hier dagegen misstrauisch beäugt. Das Los des Gastarbeiters. Trotz offensichtlich einfacher Materialien scheint der Testwagen solide verarbeitet zu sein. Selbst auf Kopfsteinpflaster keine Klappergeräusche. Man sitzt überraschend hoch, fast wie in einem Van. Das empor gereckte Dach und die steil stehenden Scheiben sorgen für ein luftiges Raumgefühl. Die Sitze sind bequem, an Beinfreiheit herrscht auch im Fond kein Mangel. Im kantigen Heck verbirgt sich ein riesiger Kofferraum. Der lässt sich zwar mangels umklappbarer Rückbanklehne nicht erweitern, dafür besitzt er mit 510 Liter Fassungsvermögen Oberklasseformat.

Eine Frage des Anspruchs

Nach einigen Kilometern schließen wir Freundschaft. Ich hetze den Logan nicht über Gebühr, dafür transportiert er mich stressfrei wohin ich will. Daran kann man sich gewöhnen. Ich fühle mich jedenfalls nicht so ärmlich, wie das Fahrerlebnis in der rumänischen Limousine mit spitzer Feder oft beschrieben wird. Wenn die siebensitzige(!) Kombiversion im kommenden Jahr zu ähnlich günstigen Preisen wie die Limousine auf den deutschen Markt kommt, wird manch einer seine Meinung ändern. Da bin ich mir sicher. Denn dann ist mit dem kantigen Stufenheck das größte Designproblem beseitigt.

Sicher gemacht

Bei ersten Fahrdynamiktests wurde dem Logan vom ADAC noch ein kritisches Fahrverhalten attestiert. Inzwischen ist aber klar, dass dies an einer unglücklichen Versuchsdurchführung und abgefahrenen Reifen lag. Bei unseren Fahrversuchen schiebt sich der Logan zwar mit starker Seitenneigung aber gut kontrollierbar durch die Pylonengasse. Wie eine Vergleichsfahrt mit dem 1.6-Liter-Motor (87 PS/64 kW) zeigt, hängt das Fahrverhalten stark von der Bereifung ab. Mit Michelin Energy-Reifen auf den Felgen, reagiert der Logan auch in Extremsituationen unspektakulär. Überschüssige Geschwindigkeit wird lautstark quietschend abgebaut. Dabei schiebt der Fronttriebler kontrolliert zum Kurvenrand. Die alternative Ausrüstung mit Conti Ecocontact 3 reagiert im Grenzbereich weniger eindeutig. Der Logen wechselt beim Gaswegnehmen spontan zwischen Unter- und Übersteuern. Bevor es zu kritischen Situationen kommt, hilft der beherzte Tritt auf die Bremse. Die packt kräftig zu. Offiziell stoppt der Logan selbst mit warmen Bremsen nach 39,4 Metern aus Tempo 100. Da hat manches deutsches Modell schon schlechter ausgesehen.

Kleinster Nenner

Alle Logan verfügen über Frontairbags und ABS. Seiten- und Kopfairbags oder ein elektronisches Stabilitätsprogramm sind nicht verfügbar. Auch der Warnpiepser für nicht angelegte Gurte fehlt. Das sehen die Sicherheitsexperten gar nicht gern. So wundert es nicht, dass der Logan beim NCAP-Crashtest mit drei Sternen nur mittelmäßig abgeschnitten hat. Doch das ist sicherlich so einkalkuliert. Der Logan strebt nicht nach Spitzenleistung. Er ist der kleinste gemeinsame Nenner für alle, die mit geringen Kosten von A nach B kommen wollen. Wie gut das klappt, zeigt wiederum eine Analyse des ADAC. Inklusive Wertverlust und Unterhaltskosten muss der Besitzer eines Logan 1.4 Ambiance pro Kilometer 30,6 Cent aufwenden. Günstiger ist im Segment des Logan keiner. Der Erfolg des Logan – Produktionszahlen und Verkaufsziele werden ständig nach oben korrigiert – zeigt, dass die Idee der volksfreundlichen Massenmotorisierung seit dem Käfer nichts an Charme verloren hat. Inzwischen denkt sogar Toyota offen über ein Billigmodell nach dem Muster des Logan nach. Weitere werden folgen, da bin ich sicher.

Fazit: Wer sich vorurteilsfrei auf den Logan einlässt, bekommt ein einfaches Auto, das beim Fahren dennoch einen modernen Eindruck hinterlässt. Das Basismodell ist sozusagen die nackte automobile Wahrheit.

mototype.de, Holger Schilp

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