Die DTM-Damen: Im Schatten der Quote
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(adrivo.com) Seit ihren Einstieg 2006 mühten sich Vanina Ickx und Susie Stoddart redlich, das Image der Quotenfrauen abzustreifen. Sie erzielten nur Teilerfolge.

Ellen Lohr darf beruhigt sein: Noch immer ist die heutige Rallye-Pilotin die letzte Frau, die in DTM und ITC einen Punkterang belegte. Von einem DTM-Sieg, wie Lohr ihn 1992 zum Leidwesen ihres völlig perplexen Markenkollegen Keke Rosberg errang, sind ihre beiden Nachfolgerinnen ohnehin weit entfernt. In ihren seit 2006 20 DTM-Rennen sind Vanina Ickx und Susie Stoddart nicht aus dem Schatten der Rheinländerin herausgetreten. Und während sich Audi und Ickx vor einigen Wochen im beidseitigen Einvernehmen getrennt haben, stehen die Chancen Stoddarts trotz bester Aussichten auf ein weiteres DTM-Jahr schlecht, ihre einstigen Ziele noch zu verwirklichen: „Ich möchte nach Ellen Lohr die nächste Frau werden, die ein DTM-Rennen gewinnt!“

Audi gegen Mercedes, Frentzen gegen Häkkinen, Ickx gegen Stoddart: In ihrer ersten Saison mit nur zwei Herstellern wartete die DTM 2006 mit allerlei Marketing-Anstrengungen auf. Das Image als Quotenfrauen hatten die beiden Pilotinnen inne, bevor sie überhaupt ein DTM-Rennen bestritten hatten. „Man muss sich den Respekt im Motorsport noch härter erarbeiten als Männer“, blickt Ickx auf ihre bisherige Rennkarriere zurück, deren Fortsetzung ungewiss ist. Auch Stoddart berichtet von geschlechtsspezifischen Hürden: „Der Motorsport ist für Frauen sehr hart – manchmal fühlt man sich alleine. Wenn man als Mädchen Interesse am Motorsport hat, aber keine Frauen kennt, die Motorsport betreiben, ist das kein Ansporn.“

So sah Stoddart ihr DTM-Engagement bei Mercedes von Beginn an nicht nur als Chance für sich selbst. „Je mehr Frauen sich in hochklassigen Serien engagieren, desto mehr Mädchen kommen auch in die Nachwuchsklassen“, will die Schottin auch dem weiblichem Nachwuchs Mut machen. Ein Mut, der bei Ickx, die erst während ihres Biologiestudiums erste Rennen bestritt, erst spät aufgekommen war. „Ich war als kleines Mädchen sehr schüchtern und ängstlich. Deshalb finde ich es ganz schön mutig von mir, hier zu sein!“, gestand Vanina Ickx beim Saisonauftakt 2006. Zwar tauschten sich Vanina und Vater Jacky Ickx, seines Zeichens sechsfacher Le-Mans-Sieger regelmäßig über das Tagesgeschehen in der DTM aus.

Als besondere Motivation sah die Belgierin die Erfolge ihres Vaters allerdings nicht: „Dass ich ein Mädchen bin, ändert unsere Beziehung ein wenig. Ich bin nicht der Junge, der seinen Vater übertreffen will. Diesen Konkurrenzkampf gibt es zwischen uns nicht. Der Vater wird immer mein Held sein.“ Und tatsächlich erreichte Vanina Ickx trotz bemerkenswerter Ausdauer in ihren 20 DTM-Rennen kaum den Heldenstatus ihres Vaters: Ohne ausreichende Testfahrten tat sich Ickx 2006 bei ihren ersten Rennen im Audi-Gebrauchtwagen schwer; bedeutende Steigerungen blieben aus. Für 2007 hatte sie sich den Neuanfang vorgenommen – und stieß auf einen eher zickigen 2005er-Audi, der ihre Position am Ende der Zeitenlisten zementierte.

Der Durchbruch war für die sympathische Belgierin nie in Sichtweite gewesen, am Ende schien sie mental zunehmend angeschlagen. „Immerhin sich Susie entschuldigt und gesagt, es sei eindeutig ihr Fehler gewesen. Das war sehr fair von ihr, denn das täte wohl kein anderer Fahrer. Sie hat mehr Stärke als alle ihre Kollegen“, brach Ickx nach dem Norisring-Sonntag eine Lanze für Stoddart, nachdem sie zunächst von der Schottin, später von Mathias Lauda unverschuldet in Kollisionen verwickelt worden war. Obwohl Ickx und Stoddart vorgaben, füreinander nur Konkurrenten wie jeder andere zu sein, schienen sie zunehmend eine Schicksalsgemeinschaft zu bilden – stagnierte doch auch Stoddart in ihren Leistungen.

Mit Platz zehn beim Saisonauftakt hatte Susie Stoddart 2006 von Beginn an auf sich aufmerksam gemacht. Zwar bereitete ihr das Qualifying fortan gelegentlich Probleme. Doch mit konstant guten Leistungen hoffte sie darauf, 2007 in einen Jahreswagen aufsteigen zu können – und wurde enttäuscht. „Gerhard Ungar sagte mir, auch ein 2005er-Fahrzeug sei gut – doch ich dachte mir: Nein, es ist doch wieder ein zwei Jahre altes Auto… Doch nach dem ersten Test mit meinem 2005er-Auto war ich sehr glücklich“, glaubte Stoddart im unkomplizierter zu fahrenden 2005er-Mercedes an einen weiteren Aufwärtstrend. Und noch immer lautete das Ziel: „Mein Ziel ist es, für HWA zu fahren.“

Doch hatte Stoddart 2006 noch Mathias Lauda im zweiten Mercedes-Gebrauchtwagen die Stirn bieten können, so wurde die Britin in der abgelaufenen Saison nicht nur von Paul Di Resta im baugleichen Benz in den Schatten gestellt. Auch die eigenen Steigerungen blieben meist aus: Das stetige Ziel, endlich die ersten Punkte einzufahren, blieb illusorisch – zu häufig bereitete Stoddart auch in dieser Saison das Zeitfahren Probleme. Mit soliden Leistungen überzeugte Stoddart, ohne zu begeistern. „Frauen sind attraktiv für den Motorsport, und das ist auch der Grund, warum Susie Stoddart und ich in der DTM sind“, räumte Vanina Ickx zum Ende ihrer Karriere offen ein. Ob Ickx‘ Nachfolgerin und Susie Stoddart das Image der DTM-Damen künftig aufpolieren können?

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