Downsizing, Diesel und Elektroantrieb in den USA – Amerika denkt um
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Wer an amerikanische Autos denkt, hat schnell einen Pick-up mit großvolumigem Motor vor seinem inneren Auge. Dass die Amis spätestens seit der Ära der Ponycars auf V6- und V8-Benziner stehen, ist hinlänglich bekannt. Dieses Vorurteil muss künftig möglicherweise korrigiert werden.

Denn die Amerikaner entdecken Antriebs-Versionen, die bei uns in good old Europe schon längst im Trend sind. Jüngster Anhaltspunkt für das Umdenken der US-Autofahrer ist die Wahl der ‘Zehn besten Motoren’ der Auto-Zeitschrift ‘Wards Auto World’. Dominierten in dem seit 20 Jahren erstellten Ranking bisher vor allem Benzinmotoren mit häufig drei Litern Hubraum und mehr, zeigt sich in der aktuellen Liste ein neues Bild: Die Fachjournalisten zeichneten mehrere große Dieselmotoren aus, außerdem kleinere Turbo-Benziner, der kleinste hatte gerade mal einen Liter Hubraum. Und zum ersten Mal ist in dem Ranking auch ein Elektromotor vertreten.

Amerika springt auf den Zug der effizienten Antriebstechniken auf. Davon ist auch Rolf Bulander überzeugt, Geschäftsführer des Automobilzulieferes Bosch und zuständig für Antriebstechnologien: ‘Wir erleben einen Wandel im American Way of Drive. Autos müssen nicht mehr nur groß, sondern auch sehr sparsam sein.’ Seine Firma profitiert von diesem Umdenken: In acht der zehn prämierten Motoren auf der ‘Wards’-Liste steckt Technik des Zulieferers – wie zum Beispiel das E-Aggregat aus dem Fiat 500e.

Ähnlich wie in Europa ist auch jenseits des Atlantiks die Emissionsgesetzgebung ein wesentlicher Treiber für mehr spritsparende Antriebe. Ab 2025 dürfen neue Pkw im Schnitt nur noch 4,3 Liter Benzin auf 100 Kilometern verbrauchen. Um den in Amerika so beliebten Benzinmotoren den Durst auszutreiben, werden effizientere Verbrennungsverfahren an Bedeutung gewinnen, glaubt man bei Bosch. Zum Beispiel Benzindirekteinspritzung statt der in den USA noch dominanten Saugrohreinspritzung. Technik statt Hubraum heißt diese Devise: Als Beispiel für einen Downsizing Turbo-Motor mit Direkteinspritzung taugt das 1.0-Liter-EcoBoost-Aggregat von Ford, das im genannten Ranking prämiert wurde.

Aber auch der Dieselmotor rückt bei der Suche nach einer möglichst effizienten Antriebsart in den Vordergrund. Er galt in den USA lange als träger und lauter Industriemotor, mittlerweile lernen Autofahrer den niedrigen Verbrauch und das starke Drehmoment des Selbstzünders zu schätzen. Nach Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ist der Absatz von Dieselfahrzeugen in den USA 2013 (Jan.-Okt.) um knapp 13 Prozent gestiegen, damit weist er eine deutlich höhere Wachstumsrate auf als der Gesamtmarkt.

Luft nach oben ist da: Der Marktanteil von Diesel-Neufahrzeugen liegt derzeit noch bei unter drei Prozent. Ein wichtiges Hindernis bei der Entscheidung für einen Selbstzünder bleibt der Kraftstoffpreis: Denn im Gegensatz zur Situation in Deutschland ist Dieselkraftstoff in den USA teurer als Benzin.

Vor allem die deutschen Hersteller haben Selbstzünder im Angebot, aber auch amerikanische Autobauer wie Jeep mit dem Cherokee, Chevrolet mit dem Cruze oder Dodge mit dem Ram 1500 haben nachgezogen, die letzteren waren ebenfalls in der aktuellen ‘Best Engines’-Liste zu finden. ‘Unser Marktanteil, der bei Diesel-Pkw über viele Jahre hinweg bei 100 Prozent lag, ist auf 98 Prozent gesunken – da nun auch Wettbewerber auf den Diesel-Zug aufgesprungen sind’, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann im Januar auf der Automesse in Detroit. ‘Es mag seltsam klingen, aber in diesem Fall freuen wir uns über jeden weiteren Wettbewerber.’

Zwei weitere Antriebsarten sind in den USA auf dem Vormarsch: Zum einen die Benzin-Hybride. Der Absatz von Pkw mit Benziner-Hybrid ist 2013 um 15 Prozent auf 470.000 Einheiten gestiegen, so die Zahlen des VDA. Damit liegt der Anteil am Pkw-Gesamtmarkt bei 6,2 Prozent. Auf niedrigem Niveau hat sich der Markt von Elektrofahrzeugen verdoppelt: von rund 52.500 auf knapp 96.000 Light Vehicles, also Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Insbesondere im Öko-Staat Kalifornien stehen die E-Autos gleichermaßen für Fahrspaß und grüne Vernunft.

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