Mobilität

Im Trend: Wir nehmen die Straßenbahn
Erlebt eine Renaissance: Viele Städte setzen wieder stärker auf die Straßenbahn. Bilder

Copyright: Stadler Pankow

Der Sprachunterricht des damaligen Militärsenders AFN in Deutschland ist unvergessen. Täglich wurden den GIs der „Phrase of the Day“ in endlosen Wiederholungen vermittelt, um ihnen die deutsche Sprache näherzubringen.

Dieser Satz des Tages lautet dereinst: „Wir nehmen die Straßenbahn“, ausgesprochen mit deutlich amerikanischen Akzent. Das ist nicht weiter bemerkenswert, wären da nicht die „Big Three“, die drei großen Automobilhersteller der Vereinigten Staaten, die sich allesamt im Norden des Landes, in der direkt an der kanadischen Grenze gelegenen Millionenstadt Detroit niedergelassen hatten. Und in den Fünfzigern den AFN-Satz frei interpretiert vorweggenommen hatten.

In einem später aufgedeckten Komplott beschlossen die Giganten Chrysler, Ford und General Motors, im ganzen Land die Straßenbahnen durch Einflussnahme und Lobbyisten abzuschaffen. Zumindest in ihrer Heimatstadt gelang ihnen das auch, sie nahmen den Detroitern ihre Straßenbahn und ließen die Schienen aus dem Asphalt reißen. Der Grund ist offenkundig: Die Bürger sollten Auto fahren und nicht die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Rund ein halbes Jahrhundert später erst erweist sich der ganze Umfang des Frevels: Die Straßenbahn erlebt eine Renaissance.

Sie liegt als umweltverträgliches Verkehrsmittel wieder im Trend. Überall bauen europäische Städte ihre vorhandenen Netze aus, setzen neue Fahrzeuge ein und erweitern das Angebot. In einer neuen Ausgabe seiner Fachzeitschrift „Informationen zur Raumentwicklung“ widmet sich das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) deshalb der Bedeutung von Straßenbahnen für eine nachhaltige städtische Mobilität und für die Stadtentwicklung.Die Autoren beleuchten darin, wie Städte neue Wohngebiete in das Verkehrsnetz integrieren, wie sich die Bürger in den Planungsprozess einbinden lassen und die Straßenbahn gezielt als Instrument der Stadtentwicklung eingesetzt werden kann.

Den Städten, die an der Straßenbahn festhielten, bieten sich heute beste Voraussetzungen, um das Leitbild der Europäischen Stadt erfolgreich umzusetzen“, sagt BBSR-Experte Mathias Metzmacher. „Die Tram hat ein enormes Leistungspotenzial, wenn sie im Umweltverbund und in der Stadtentwicklung gezielt eingesetzt und gestärkt wird. Damit können auch die erfreulichen Fahrgastzuwächse im Umweltverbund mit vertretbaren Kosten auf das richtige Gleis gesetzt werden.“Universitäts-Professor Dr.-Ing. Klaus J. Beckmann, der das Heft zusammen mit BBSR-Referatsleiter Metzmacher konzipiert hat, betont: „Die Stadt- und Straßenbahnen sind zentrale Bestandteile der postfossilen Mobilität in Städten und tragen damit zur Umsetzung des Elektroverkehrs bei – werden allerdings bisher häufig nicht entsprechend gewürdigt.“ Der Verkehrs- und Stadtplanungs-Experte ergänzt: „Viele Beispiele in Deutschland wie auch im Ausland zeigen die Potenziale für die Gestaltung öffentlicher Räume, die mit Bau und Umbau von Stadt- und Straßenbahnen verbundenen sind.

„Das Heft nimmt seine Leser mit auf eine kleine Reise in die aktuelle und zukünftige städtische Mobilität mit einem seit über 100 Jahren bewährten Verkehrsmittel. Die Autoren blicken auf Potenziale und Herausforderungen, nennen Zahlen, Konzepte sowie Strategien und erweitern den Blick auf die Straßenbahn mit zahlreichen Fallbeispielen aus dem In- und Ausland. Das Heft „Straßenbahnen und Stadtentwicklung“ ist im Steiner Verlag erschienen und kostet 19 Euro zuzüglich Versandkosten. Es kann über die Web-Adresse service@steiner-verlag.de bestellt werden.

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