Karrierebremse Jahreswagen: Mit Vollgas aufs Abstellgleis

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(adrivo.com) Voller Elan nehmen immer neue Talente ihr DTM-Debüt im Jahreswagen in Angriff – und gehen im Kampf um die Cockpits bei Abt-Audi und HWA-Mercedes leer aus.

Einen Karriereknick kennen die Neulinge meist nur vom Hörensagen. Erfolge in Nachwuchsklassen und Triumphe im Langstreckensport ebnen für sie den Weg zu einem weiteren Karrieresprung – dem Einstieg in die DTM. Ausgestattet mit einem Vorjahresfahrzeug wollen sie rasch auf sich aufmerksam machen, der Sprung ins aktuelle Fahrzeug scheint mehr als nur ein Traum zu sein. Doch immer wieder nehmen DTM-Debütanten voller Elan die Fahrt im Jahreswagen auf – und stellen zu oft fest, dass die Weichen nicht auf einen Aufstieg in den Neuwagen, sondern aufs Abstellgleis gestellt sind.

Schon der Blick auf die Neuwagenbesetzung bei HWA-Mercedes und Abt-Audi zeigte die mäßigen Aufstiegschancen der Jahreswagenpiloten auf: Mit Bruno Spengler und Timo Scheider sammelten nur zwei der acht Piloten, die 2007 im Neuwagen Platz nehmen durften, in der Vergangenheit Erfahrungen im Jahreswagen. Bernd Schneider, Mattias Ekström und Martin Tomczyk belegen seit jüngsten Tagen der neuen DTM ihre Cockpits bei HWA und Abt-Audi – und werden sie, außer auf eigenen Wunsch hin, auch künftig nicht räumen. Jamie Green, Mika Häkkinen und Tom Kristensen bestritten gleich ihre erste Saison in einem aktuellen Fahrzeug: Ihr Ruf aus anderen Serien war ihnen vorausgeeilt. Hoffnungsträger aus Rahmen- und Nachwuchsserien mühten sich vergeblich um den Aufstieg:

„Sicherlich ist das Neuwagencockpit Ziel eines jeden Jahreswagenfahrers. Es gibt nun einmal nur ganz wenige aktuelle Autos und deswegen bin ich schon sehr froh, dass ich überhaupt mit dabei bin und vorne mitmischen kann“, hatte Stefan Mücke noch 2006 verkündet – bevor ihm für 2007 selbst das Cockpit im Team seines Vaters nicht mehr vergönnt war. Geschlagene fünf Jahre hatte Mücke im Vorjahres-Mercedes auf sich aufmerksam machen wollen, war 2004 zum erfolgreichsten Jahreswagenpiloten avanciert – doch die freien Cockpits im Mercedes-Neuwagen erhielten 2005 Green und Häkkinen.

Bei Audi wollten derweil auch Frank Stippler und Pierre Kaffer die Hoffnung auf ihre große Chance nicht aufgeben. „Ich kämpfe immer dafür; es kann länger dauern oder auch ganz schnell gehen, das weiß man nie. Wenn ich zurückdenke an Christijan Albers: Uwe Alzen war draußen, Christijan drin – das geht manchmal sehr, sehr schnell“, nannte Audi-Pilot Kaffer im Herbst seiner zweijährigen DTM-Karriere eines der wenigen positiven Beispiele, die sich bei Mercedes in der Vergangenheit häufiger als bei Audi fanden. „Deshalb sollte man nie aufhören zu kämpfen“, sprach sich Kaffer auch mit Blick auf Gary Paffett und Bruno Spengler Mut zu – und landete 2007 im Porsche Carrera Cup. Christian Abt wurde 2005 in den Audi-Jahreswagen abgeschoben. Trotz lange überzeugender Leistungen verpasste er die Weiche zurück auf die Neuwagenschiene – und kam der Fahrt aufs Abstellgleis nach drei Saisons im Jahreswagen mit dem Rücktritt zuvor.

Betrachteten Mücke und Kaffer ihre DTM-Einsätze im Jahreswagen durchaus auch unter dem olympischen Motto, so sorgten die oft bescheidenen Aussichten im Vorjahresauto bei den beiden Rosberg-Piloten Lucas Luhr und Mike Rockenfeller schon 2007 zeitweise für Frust. „Wenn du es gewohnt bist, Rennen zu gewinnen und immer um den Sieg zu kämpfen, und dich dann oft im Mittelfeld wiederfindest, ist das eine harte Erfahrung“, haderte Rockenfeller mit der oft schwankenden Performance der Jahreswagen und ihrer Teams. Während Luhr nach einer erfolglosen Saison 2007 bereits für das kommende Jahr an einen Wechsel zurück in den Langstreckensport denkt, so steht Rockenfellers Engagement für 2008 zwar außer Frage.

Doch die Aussichten auf einen Aufstieg in den Neuwagen sind bescheiden: Selbst wenn es ein verwaistes Neuwagencockpit gäbe, dürfte sich über dieses aller Voraussicht nach Alexandre Prémat freuen. Der Franzose wäre nach Timo Scheider erst der zweite Pilot in der Audi-Geschichte, der vom Jahres- in den Neuwagen aufstiege. Auch Daniel La Rosa und Alexandros Margaritis, in der abgelaufen Saison bereits das zweite bzw. dritte Jahr im Vorjahresfahrzeug unterwegs, steht für 2008 wohl das gleiche Schicksal wie Rockenfeller bevor. „Alexandros Margaritis und Daniel La Rosa werden sich bei allem Respekt vor ihren Leistungen hinter Paul Di Resta anstellen müssen“, glaubt DTM-Experte Manuel Reuter mit Blick auf die Cockpitvergabe bei HWA – wird das britische Trio aus Di Resta, Green und Paffett doch den Kampf um die freien Cockpits in der 2008er-C-Klasse unter sich ausmachen.

Droht Rockenfeller, La Rosa und Margaritis, der mit insgesamt elf Punkteplatzierungen 2005 und 2006 zum konstantesten Jahreswagenpiloten avancierte, früher oder später das Schicksal Stefan Mückes? Mit dem Einsatz von mehr als vier Neuwagen, seit langem immer wieder diskutiert oder verworfen, könnte das Risiko minimiert werden. Denn zu oft bestätigte sich in den vergangenen Jahren bereits Mike Rockenfellers Beobachtung: „Das Schwierige in der DTM ist, daran nicht zu scheitern. Es sind schon viele Fahrer in die DTM eingestiegen, die sehr, sehr gut waren, aber am Ende unter ihrem Wert geschlagen wurden.“

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