Klassiker und Umbau: Eine problematische Beziehung
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Zum einen ist es Frevel, seinen Alten durch Umbauten in die Gegenwart zu holen, zum anderen ist es aber auch rein pragmatisch wichtig, dass er bleibt, was er ist: ein Oldtimer. Dennoch sind Umbauten, die den Erhalt des Originalzustands garantieren bis hin zu zeitgenössischem Tuning durchaus legitim. Findet all die Schrauberei innerhalb eines streng festgelegten Rahmens statt, läuft der Halter eines Oldtimers zudem nicht Gefahr, die Gültigkeit seines H-Kennzeichens aufs Spiel zusetzen.

Oldtimer sind wie Folklore: Sie wirken in der Gegenwart oft verstaubt und sind unpraktisch, üben jedoch eine ganz eigene Faszination aus – gerade weil sie einen unangepassten Anachronismus darstellen. Fans schwärmen vom puristischen Fahrgefühl ohne Netz und doppelten Boden. Kein Airbag, kein Bremsassistent, keine Klimaanlage. Einfach Autofahren. Umbauten und Modifizierungen hingegen sind in der Szene nicht gerne gesehen: „Wenn man keine Lust auf kleine Macken und selber Schrauben hat, warum kaufen die Leute dann nicht einfach gleich moderne Autos,“ fragt sich Hans-Jörg Götzl, stellvertretender Chefredakteur der Fachzeitschrift Motor Klassik.

Die Oldtimer-Fans sind sich weitgehend einig, dass der Erhalt des Originalzustands erstrebenswert sei. Das hat natürlich auch seine Grenzen. So ist zeitgenössisches Tuning nicht nur legal, sondern auch legitim. „So bleibt auch das H-Kennzeichen erhalten. Bei modernen Modifizierungen erlischt dies nämlich,“ betont Oldtimer-Experte Götzl. Der überwiegende Anteil klassischer Fahrzeuge ist in Deutschland mit einer historischen Zulassung versehen, dem sogenannten H-Kennzeichen. Es hat einen niedrigen Steuerbeitrag zur Folge und gewährt zudem Einfahrt in die Umweltzonen. Oldtimer sind von der Plakettenpflicht befreit.

Originalitätszwang bei Exoten

Noch kritischer werden in der Szene Umbauten bei Fahrzeugen betrachtet, die ohnehin schon selten sind. „Die Frage ist ganz einfach die: Gibt es noch so viele Exemplare, dass es egal ist, wie viele umgebaut werden“, sagt  Frank B. Meyer vom Fachblatt Auto Bild Klassik. Die Schwaben von Mechatronik widmen sich bei ihren Umbauten meist der Mercedes Pagode, von denen noch relativ viele Exemplare unterwegs sind. Schwieriger werde die Sache dann bei Exoten und Raritäten. „Mit Oldies betreibt man Denkmalpflege,“ bringt es Hans-Jörg Götzl auf den Punkt.

Manchmal haben Oldtimer-Lenker gar keine andere Wahl, als auf Teile zurückzugreifen, die nicht original sind. Bestimmte Komponenten exotischer Klassiker oder von Vorkriegsfahrzeugen sind heutzutage schlicht nicht mehr zu bekommen – auch nicht auf dem Gebrauchtmarkt.

Außerdem leidet so manches mobile Schätzchen unter massiven technischen Unzulänglichkeiten ab Werk. Fahrzeugbau war eben nicht immer der Maxime des klinischen Perfektionismus der Gegenwart unterworfen. Früher hatten Automobile schon Ecken und Kanten, die man einfach nur lieben oder hassen konnte. Hans-Jörg Götzl: „Wenn man eine zeitgenössische Schwachstelle behebt, dann ist das doch wunderbar.“

Fragwürdige Verbesserung der Umweltbilanz

Ein gerne benutztes Argument für die Umrüstung von Klassikern auf moderne Motoren sind die niedrigeren Emissionswerte, die damit einhergehen. Doch Experten sehen dies kritisch. Meyer: „Oldtimer haben eine extrem geringe Jahreslaufleistung von 2000 bis 5000 Kilometern und sind zudem die absolute Ausnahme auf deutschen Straßen. Ihr Schadstoffausstoß fällt nicht wirklich ins Gewicht“. Meyer weiter: „Egal, was die Zukunft bringt: Fahrzeuge, die jetzt ein H-Kennzeichen haben, werden auf jeden Fall Bestandsschutz genießen und auch weiter in die Umweltzonen einfahren dürfen.“ Zum Thema Umweltzonen ergänzt sein Kollege Götzl: „Feinstaubpartikel werden nur von modernen Dieselfahrzeugen ausgestoßen. Oldtimer verfügen allerdings fast immer über Benzinaggregate, können diese also gar nicht emittieren. Aufwand, Effekt und Nutzen eines Umbaus stehen also in keinem Verhältnis.“

Neue Technik in alten Karossen, das polarisiert in Oldtimerkreisen. Die meisten Protagonisten lehnen die Umbauten ab, einige Pragmatiker stehen der Sache offen gegenüber. Im Falle der schwäbischen Perfektionisten von Mechatronik sind sich auch Experten uneinig. „Unstrittig ist, dass die hervorragende Arbeit leisten,“ urteilt Auto Bild Klassik-Mann Meyer. Sein Stuttgarter Kollege Götzl jedoch wirft ein: „Technisch sind die Lösungen von Mechatronik über jeden Zweifel erhaben. Aber eine Pagode hat eigentlich keine schwerwiegenden Probleme. Das ist einfach ein Mercedes. Und der ist schon ab Werk sehr gut gemacht.“

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DISKUTIEREN SIE ÜBER DEN ARTIKEL

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Herbert Daubner

Dezember 12, 2012 um 2:19 pm Uhr

Find ich cool! Vorzüge eines modernen Autos in der Verpackung eines Klassikers? Würd ich nehmen 😉 Was meinst du denn selbst dazu?

Gast auto.de

Dezember 9, 2012 um 2:05 pm Uhr

Was hingegen, hält die Gemeinde hier von Umbauten eines modernen Autos in einen "optischen" Oldtimer? Z.B. Einen Suzuki in einen TinLizzy zu verwandeln? Hab so ein Projekzt am Tisch …

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