Kommentar: Die Holländer sind doch klüger
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Die holländische Umweltministerin Jacqueline Cramer servierte ihren Mitbürgern jetzt eine Einsicht, die wir von ihren Kollegen in unseren Bundesländern und im Bund nicht erwarten können: Der Aufwand von innerstädtischen Fahrverbotszonen steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum geringen Effekt bei der Verbesserung der Luftqualität. Den Amsterdamern bleibt die Feinstaubzone deswegen erspart, wenigstens bis 2013. Dann soll alles noch einmal überprüft werden.

In Amsterdam wollten die Holländer eigentlich sogar rigoroser vorgehen als die deutschen Behörden. Alle Benziner ohne geregelten Katalysator und alle vor 1997 gebauten Diesel-Personenwagen sollten ausgesperrt werden. Bei den Nutzfahrzeugen hätte es fast alle vor 2005 gebauten Modelle getroffen. Doch das renommierte Öko-Forschungsinsitut „Nederlandse Organisatie voor Toegepast Natuurwetenschappelijk Onderzoek (TNO)“ fand heraus, dass der Straßenverkehr ohnehin nur zu fünf Prozent zur Feinstaubbelastung in der Innenstadt beiträgt, und Ministerin Cramer ließ den Plan in der Schublade verschwinden.

Auch mit seiner zweiten Schlussfolgerung sieht sich das TNO in guter Gesellschaft, zum Beispiel mit dem Verwaltungsgericht Hannover, das der Umweltzone in Deutschland Wirkungslosigkeit beim Feinstaub bestätigte, dafür aber auf Stickoxid hinwies. Neue Dieselfahrzeuge emittieren zwar weniger Staub, dafür aber mehr Stickoxid. Diesen Aspekt haben weder die Kommunen, noch die Länder, noch der Bund bisher im Blick.

Deutsche Fachleute bis hin zu Beamten des Umweltbundesamts haben von Anbeginn der Feinstaub-Plaketten-Diskussion darauf hingewiesen, dass der Personenwagen beim Feinstaub nicht die Hauptquelle darstellt. Doch trotz der Wirkungslosigkeit sperren immer mehr Städte ihre Zentren. In Baden-Württemberg, wo bisher 15 der insgesamt 34 deutschen Umweltzonen eingerichtet worden sind, spricht die Umweltministerin Tanja Göhner auch nur von einer „verhalten positiven Zwischenbilanz“. Und dennoch wird es auch dort weitergehen mit der Enteignung der Besitzer von älteren Fahrzeugen.

Professor Ferdinand Dudenhöfer, der Leiter des „Center Automotive Research“ der Universität Duisburg-Essen, beziffert den Wertverlust eines Autos, das nicht die grüne Plakette erhalten kann, auf rund 1700 Euro. In der Summe kostet die Umweltplakette also die Fahrzeughalter von Autos mit einem schlechterem Abgasverhalten als Euro 4 rund zwölf Milliarden Euro.

Besonders betroffen sind dabei nicht die Reichen, die sich ein neues Auto leisten können, sondern Normalbürger. Denn das Durchschnittsalter eines Autos in Deutschland liegt oberhalb acht Jahren. Autos dieses Alters bekommen in der Regel gerade noch die gelbe Plakette, werden also bald ausgesperrt. Getroffen werden so auch viele Handwerksbetriebe und Transportunternehmen.

Ihnen allen und der Politik versuchen die Verfechter der Umweltzonen den Zwang zur Plakette als Konjunkturpaket für die Automobilindustrie schmackhaft zu machen. Das wird deren Manager freuen. Für die Konjunktur wäre es sicher aber auch nicht schlecht gewesen, die zwölf Milliarden Euro als Kaufkraft im Markt zu lassen und nicht auch noch weitere Steuermittel für die Einrichtung der Zonen sinnlos zu verschleudern. Dudenhöfer beziffert den Betrag, den die Plaketten und der Schilderwald den Steuerzahler kostet, auf rund 100 Millionen Euro.

Niederländer stehen in dem Ruf, gute Kaufleute und Pragmatiker zu sein. Das haben sie mit der Entscheidung, Amsterdam die Umweltzone zu ersparen, wieder bewiesen. Holländer sind eben manchmal doch klüger.

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