Kommentar zu R1234yf: Zum einen Eile, zum anderen Weile

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Dupont-Präsident Thierry F. J. Vanlancker drängt zur Eile. In seiner Stellungnahme zum Zwischenbericht des Kraftfahrt Bundesamts zur Risikobewertung des Kältemittels R1234yf für Klimaanlagen, das Vanlanckers Unternehmen produziert, fordert er „die Behörden in Deutschland und der Europäischen Union auf, die Debatte über die Sicherheit des Kältemittels HFO-1234yf zügig zu einem Abschluss zu bringen“.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Automobilindustrie in Wolfsburg, Stuttgart, Ingolstadt und München arbeitet mit Hochdruck an Kühlanlagen, die statt mit dem, von einigen Medien wegen seiner Entflammbarkeit als „Killergas“ bezeichneten amerikanischen Mittel mit dem weit harmloseren Kohlendioxid betrieben werden. Nachdem sich neben VW und Mercedes seit einigen Wochen in Europa auch Toyota der überwiegend deutschsprachigen Gilde der R1234yf-Verweigerer angeschlossen hatte, scheint das Absatzpotenzial des Mittels allmählich zu schrumpfen, das zunächst als Gelddruckmaschine für seine einzigen Produzenten Dupont und Honeywell galt. Experten schätzten den weltweiten Markt auf mehrere Milliarden US-Dollar.

Und noch etwas erstaunt den Leser des Vanlancker-Statements: Er führt das KBA in Flensburg als Kronzeugen für seinen Appell an: „Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte im Verlauf dieses Jahres Tests durchgeführt, um die Sicherheitsdebatte zu beenden.“ Weiter heißt es: „Am 7. August 2013 gab das KBA in einem vorläufigen Bericht bekannt, dass diese Tests keinen ausreichenden Beleg für ein ernstzunehmendes Risiko im Zusammenhang mit der Nutzung von HFO-1234yf zu Tage gefördert haben.“

Na ja, das entspricht nur der halben Wahrheit. In Wirklichkeit hatte das KBA geschrieben: „Um sicherzustellen, dass das betrachtete Testspektrum nicht zu eng gewählt war, hat sich das KBA zum Zwecke der Ergebnisabsicherung über das empirisch nachgewiesene Schadensbild hinaus für ergänzende Versuche entschieden, um abzuprüfen, ob etwa bei verschärften Versuchsbedingungen Gefahrfälle zu erwarten wären.“ Dennoch bleibt Vanlancker dabei: „DuPont hofft nun auf eine zeitnahe Fertigstellung des Berichts durch das KBA.“

Während Vanlancker den Eindruck erweckt, er rede mit dem KBA auf Augenhöhe, hatte sein Kollege Kenneth Gayer von Honeywell noch im August unmittelbar nach der Veröffentlichung des KBA-Zwischenberichts die Flensburger Behörde in Grund und Boden verdammt und ihr „ein Spiel mit gezinkten Karten“ vorgeworfen. Es dränge sich der Verdacht auf, dass die Tests „mit Blick auf ein erwartetes Resultat entwickelt, durchgeführt und im Verlauf der Testreihen solange angepasst wurden, bis das gewünschte Ergebnis endlich erzielt wurde“, schrieb der Honeywell-Manager. Auch er würde am liebsten dem KBA die Hammelbeine langziehen.

Für ihr R1234yf fordern beide Konzerne also mehr Tempo, für eine andere Angelegenheit würden sie wahrscheinlich lieber auf die Bremse treten. Die EU-Kommission hegt nämlich den Verdacht, dass bei der Entwicklung von R1234yf von Dupont und Honeywell nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Bereits am 16. Dezember 2011 leitete sie ein kartellrechtliches Verfahren gegen die Konzerne ein. Darin will sie deren Vereinbarung zur gemeinsamen Entwicklung des Kältemittels prüfen und der Frage nachgehen, inwieweit Honeywell für R-1234yf eine marktbeherrschende Stellung innehat und missbräuchlich ausnutzt Auch dabei wäre Eile nicht ganz unangebracht.

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