Motorrad: BMW HP4 – Renntechnik für die Straße
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Mit der Straßenrenn-Maschine HP4 auf Basis der S 1000 RR setzt BMW die exklusive „High Performance“-Modellreihe fort. Zahlreiche Hightech-Merkmale wie das erste aktive Fahrwerk im Motorradbereich kennzeichnen das 15 500 Euro teure Kraftpaket.

Seit seiner Präsentation vor drei Jahren hat sich das BMW Superbike S 1000 RR schon 26 000 Mal verkauft. Sie liegt auch im Motorsport in vielen nationalen und internationalen Meisterschaften vorn. Nun präsentieren die Bayern als Weiterentwicklung die rennsportlich orientierte HP4, die vor elektronischen Fahrhilfen nur so strotzt. Serienmäßig gibt es wie bei der RR das sportlich abgestimmte „Race-ABS“, Traktionskontrolle, Schaltautomat und verschiedene Fahrmodi. Hinzu kommt als Weltneuheit für Serienmotorräder ein halbaktives Fahrwerk, das BMW „Dynamic Damping Control (DDC)“ nennt. Sensoren ermitteln die Parameter Geschwindigkeit, Schräglage, Drosselklappenstellung und Federbeinlänge, ein Rechner steuert in Millisekunden über Regelventile Federung und Dämpfung je nach Fahrsituation. So wird die HP4 zum Beispiel beim Bremsen und Wiederaufrichten mit härterer Dämpfung noch stabiler und reagiert in Schräglage weicher auf Fahrbahnstöße. Auf der Rennstrecke verleiht DDC dem HP4-Piloten ein gehöriges Maß Sicherheit und Vertrauen.

Die Grundeinstellungen des DDC sind mit den vier über eine Taste am Lenker wählbaren Fahrmodi für nasse Fahrbahn („Rain“), Straße („Sport“), Rennstrecke mit Supersportreifen („Race“) sowie Rennstrecke mit Slicks („Slick“) verknüpft, genau so wie die Abstimmungen des Race-ABS, der dynamischen Traktionskontrolle DTC und der Motorcharakteristik. Im Slick-Modus lässt sich über Tasten die gesamte Dämpfungscharakteristik in 14 Stufen anpassen.

Nur leicht modifiziert zeigt sich der Vierzylindermotor mit 193 PS und 112 Newtonmeter wie bei der S 1000 RR. Die Änderungen betreffen eine fülligere Leistungsabgabe im mittleren Drehzahlbereich, zudem gibt die HP4 – anders als die RR in allen vier Fahr-Modi die volle Leistung von 142 kW/193 PS bei 13 000/min frei – bei gleichem Ansprechverhalten, aber unterschiedlicher Leistungsentfaltung. Mit Titanventilen, variablen Ansauglängen und elektronisch gesteuertem Drive-by-wire-System läuft der flüssigkeitsgekühlte Kraftprotz zu seiner Bestform auf und schiebt mit guter Dosierbarkeit und spontanem Ansprechverhalten an, als gäb’s kein Morgen. Beim Überfahren schneller Kuppen wird das Vorderrad leicht, und der Fahrer schätzt den einstellbaren Lenkungsdämpfer, der unterhalb der Gabelbrücke angebracht, die Front beruhigt.

Als adäquaten Widerpart hat BMW parallel das Race-ABS der HP4 mit Monoblock-Bremszangen von Brembo sowie neunfach schwimmend gelagerten Bremsscheiben vorn weiter entwickelt. Im „Slick“-Modus bieten verfeinerte Regelimpulse, die aus den Erfahrungen beim Einsatz in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft IDM stammen, versierten Fahrern eine höhere maximal mögliche Verzögerung bei separatem Bremsen vorn und hinten. In den anderen Modi agieren die Bremsen kombiniert. Auch die dynamische Traktionskontrolle DTC wurde für den supersportlichen Einsatz in der HP4 optimiert. So kann die DTC nun im „Slick“-Modus während der Fahrt durch Knopfdruck eingestellt werden.

Zu guter Letzt hat BMW der HP4 eine Launch Control spendiert, die den Start optimieren hilft: Im „Slick“-Modus beim maximalen Beschleunigen aus dem Stand begrenzt die Launch Control das Motordrehmoment, so dass das maximal vom Hinterrad übertragbare Drehmoment bei gerade lastfreiem Vorderrad bereitgestellt wird. Dadurch muss sich der Fahrer weniger auf die Gasdosierung konzentrieren, denn er steuert die Beschleunigung nur über die Kupplung. Zusätzlich wird bei aktivierter Launch Control das Motordrehmoment reduziert, sobald das Vorderrad abhebt.

Wie bei der Weiterentwicklung von Supersportlern üblich, stand auch eine Gewichtsreduzierung an – leichte Schmiederäder, ein leichterer Kettenradträger, eine Titan-Auspuffanlage und leichtere Batterie sparen gegenüber der RR mit Race-ABS 7,5 Kilo ein und drücken das Gewicht der HP4 auf fahrfertige 199 kg – kein Vierzylinder-Supersportler ist leichter. Das kommt dem Handling zu Gute, denn die HP4 biegt sehr leichtfüßig in die Ecken ein – obwohl nun ein breiter Hinterreifen im Format 200/55 ZR 17 zum Einsatz kommt. Exklusiv sind bei der HP4 nicht nur die auf der oberen Gabelbrücke eingravierten Seriennummern, sondern auch der Preis von knapp 21 000 Euro.

Teststeno BMW HP4 – Sportmotorrad

Motor: Flüssigkeitsgekühlter Reihen-Vierzylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, Hubraum 999 cm3, Bohrung x Hub 80,0 x 49,7 mm, max. Leistung 142 kW (193 PS) bei 13 000 U/min, max. Drehmoment 112 Nm bei 9.750 U/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, Sechsganggetriebe
Fahrwerk: Leichtmetall-Brückenrahmen, Upside-Down-Teleskopgabel, Leichtmetall-Zweiarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein, zwei Scheibenbremsen vorn, eine hinten, ABS, DTC, DDC
Maße und Gewichte: Reifen vorn 120/70 ZR 17, hinten 200/55 ZR 17, Sitzhöhe 820 mm, Tankinhalt 17,5 Liter, Leergewicht 199 kg, zul. Gesamtgewicht 390 kg
Preis: knapp 21 000 Euro

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