Triumph Rocket III

Triumph Rocket III Touring: Ende einer Legende

Triumph Rocket III Touring: Ende einer Legende Bilder

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Wer den fettesten Tourer aller Zeiten kaufen will, muss sich beeilen. Triumph hat die Produktion der Rocket III Touring eingestellt. Zuvor fuhren wir noch den bulligen Dreizylinder. Immerhin treibt den britischen Tourer der größte Motorrad-Serienmotor weltweit an. Die Boss Hoss, die an solchen Stellen immer genannt wird, lassen wir mal außen vor. Denn bei der wurde schließlich ein Automotor in einen Motorradrahmen gezwängt.

Motor

Der Triumph-Dreizylinder mit gut eingeschenkten 2,3 Litern Hubraum jedoch ist ein reinrassiges Motorrad-Triebwerk, das nicht zuletzt aus Platzgründen längs eingebaut ist. Rechts ist die Auslass- und damit auch die Schokoladenseite des Motorrads. Ins Auge fallen eine voll verchromte Abgasanlage mit einem Krümmer, der das Auspuffgas über ein endlos erscheinendes Ofenrohr ins Freie entlässt. Der Sound allerdings ist bei weitem nicht so imposant wie die optische Erscheinung.
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Leistung

Gerade einmal 78 kW/106 PS bei 5 400 Touren mobilisiert die weitgehend in schwarz gehaltene Kraftquelle. Nicht gerade üppig für einen Motor, dessen Hubraum einem Mittelklassewagen zu Ehren gereichen würde. Im Schwestermodell Rocket Roadster produziert der Drilling – dort auf Fahrdynamik abgestimmt – immerhin 109 kW/148 PS. Beim Tourer legten die Briten stattdessen den Schwerpunkt auf harmonische Leistungsentfaltung, was angesichts des maximalen Drehmoments von 209 Nm bei 2 000/min auch mehr als gelungen ist.

Fahreindruck

 Der Motor entwickelt schon ab Leerlaufdrehzahl spürbar Schub, was schnell zu einer schaltfaulen, höchst entspannten Fahrweise führt. Das gilt auch für Überholvorgänge: Da zuckt die rechte Hand mal kurz und schon ist „die Rakete“ vorbei. Und wenn der Fahrer schnell den Anker werfen muss, ist auf die wirksame Bremsanlage mit ABS Verlass. Allerdings verlangt der große Hubraum nach Futter. Im Schnitt liefen auf unseren 1 100 Testkilometern 6,7 Liter Normalbenzin pro 100 Kilometer durch. In Kombination mit dem nicht abschließbaren 22,3-Liter-Tank ergibt sich eine Reichweite von knapp 350 Kilometern, wobei uns die Warnleuchte schon deutlich früher ans Spritfassen erinnerte. Dennoch sind entspannte Landstraßen- und Autobahn-Etappen von 250 bis 320 Kilometer für einen Tourer durchaus in Ordnung.

Nicht ganz leicht

Und genau dafür ist sie auch gemacht, nicht für wilde Beschleunigungsorgien und auch nicht für die flotte Kurvenhatz. Dazu ist die Schräglagenfreiheit zu klein und das Gewicht zu hoch. Immerhin bringt die Touring leer 395 Kilogramm auf die Waage, mit Gepäck und Sozius summiert sich das schnell auf über eine halbe Tonne. Das Gewicht und der große Wendekreis machen das Rangieren mit der Rocket nicht zum Zuckerschlecken. Das gilt allerdings für praktisch alle Motorräder dieser Gattung – denken wir nur an die Harley-Tourer.

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Britin mit US-Flair

Rollt die Maschine jedoch, ist das alles vergessen, schließlich rotieren Kurbel- und Kardanwelle in entgegengesetzte Richtungen, was die Chose spürbar stabilisiert. Dann taucht vor dem geistigen Auge immer wieder das Bild des einsamen Cowboys auf, der in den Sonnenuntergang reitet. Und das auch dann, wenn man gerade auf einer deutschen Straße dritter Ordnung unterwegs ist. Ja, die Britin könnte durchaus auch aus den USA stammen.

Fazit

Aber jetzt ist sie weg, gestrichen aus dem Triumph-Modellprogramm. Über die Gründe zu diskutieren ist müßig. Immerhin, so beschwichtigt Triumph-Pressesprecher Uli Bonsels, gebe es im Handel noch einige taufrische Exemplare. Außerdem biete das eigene Haus Alternativen. Stimmt, die Cruiser-Variante Rocket III Roadster wird weitergebaut und mit der Thunderbird LT hat Triumph auch weiterhin einen schweren Tourer nach amerikanischem Vorbild im Programm. Aber das ist eine andere Geschichte.

Bewertung

Plus: drehmomentstarker und einzigartiger Motor, hoher Fahrkomfort
Minus:  hoher Verbrauch, großer Wendekreis, nicht mehr lieferbar

Technische Daten Triumph Rocket III Touring

hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, KardanantriebÈ

Touren-Motorrad mit wassergekühltem Dreizylinder-Reihenmotor
Hubraum: 2 294 ccm
zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung, Einspritzung
Leistung: 78 kW/106 PS bei 6 000/min
max. Drehmoment: 203 Nm bei 2 500/min
hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kardanantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
Testverbrauch: 6,7 l/100 km (Super E10)
Fahrwerk: Brückenrohrahmen aus Stahl, Motor mittragend, Upside-Down-Gabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine mit einstellbarer Vorspannung
Bremse: vorn 320 mm-Doppelscheibenbremse, hinten: 316 mm-Scheibenbremse, ABS
Alu-Gussräder:  vorn: 3.50 x 16, hinten: 5.00 x 17
Reifen: vorn: 120/70 R 17, hinten: 190/55 ZR 17
Gewicht: 395 kg
Sitzhöhe: 0,73 m
Radstand: 1,71 m
Tankinhalt: 22,3 Liter
Grundpreis: 20 950 Euro

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