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TÜV Rheinland will sich erneuern
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Nach stürmischen Zeiten will sich der TÜV Rheinland krisenfest machen. Einbrüche im Südamerika-Geschäft und Kratzer am Image haben den großen Tanker aus Köln in Bewegung versetzt. Jetzt kündigt der Vorstand leichte Kurskorrekturen an.

Dazu stellt der Prüf-Dienstleister unter anderem 150.000 Euro für Zukunfts-Investitionen bereit. Auch bei der Zertifizierung soll sich manches ändern. Vor allem soll es für die Kunden schwieriger werden, ein Zertifikat zu erlangen. Der Ruf, ein unabhängiger Prüf-Dienstleister zu sein, genieße oberste Priorität, sagt Vorstandsvorsitzender Dr.-Ing. Michael Fübi. Es sei weniger schlimm, nach einem verheerenden Prüfergebnis eventuell einen Kunden zu verlieren als die Neutralität. Hierbei stehe der Profit nicht an erster Stelle. Nachgebessert worden sei unter anderem bereits bei der Genauigkeit einiger Prüfsiegel. Bei der Hauptuntersuchung (HU) von Kraftfahrzeugen ändert sich zwar aktuell erst mal nichts, doch in anderen Bereichen, etwa bei Haushaltsgeräten steht nun drauf, was konkret geprüft wurde, heißt es. Bei einer Kaffeekapsel lautet das Urteil dann beispielsweise „Funktionalität geprüft“. So erkenne der Verbraucher, dass etwa die Qualität des Kaffees nicht geprüft wurde.

Änderungen im Kfz-Bereich

Dass sich aber auch im Kfz-Bereich noch einiges ändern muss, räumt Fübi auf Nachfrage des mid ein. Die rasende Entwicklung bei elektronischen Assistenzsystemen ruft aber an erster Stelle nicht den TÜV Rheinland auf den Plan, sondern zunächst die Politik, die neue Rahmenbedingungen schaffen muss. Ein Problem sind dabei elektronische Updates bei der Fahrwerkssteuerung. "Nach einem Update ist das Fahrzeug nicht mehr das, das geprüft wurde", stellt Fübi klar. In solchen Bereichen will sich der TÜV Rheinland künftig mehr engagieren: "Wir werden als unabhängiger Dritter eine Rolle spielen." Die Erkenntnis: Man kann nur profitieren, wenn zugehört, miteinander diskutiert und voneinander gelernt werde. Das gilt laut Fübi innerhalb des Unternehmens genauso wie im Umgang mit den Kunden, der Politik und der Gesellschaft insgesamt: "In einem technik- und wissensgetriebenen Konzern wie TÜV Rheinland ist das meiner Meinung nach sogar die Basis der Zukunftsfähigkeit." Das Umfeld sei heute geprägt durch eine mediale Realität, in der die Leistung und auch die Marke kritisch hinterfragt würden: "Das ist auch gut so, denn wir wollen kein Denkmal sein, sondern ein aktiver Teil der Gesellschaft." Nun hat das Geschäftsjahr 2015 dem Unternehmen einen leichten Dämpfer versetzt: Insbesondere Einbrüche in Brasilien verhagelten der AG die Rendite. Die Volkswirtschaft Brasiliens, wo TÜV Rheinland traditionell sehr stark in Industrie- und Infrastruktur-Projekten engagiert ist, schrumpfte 2015 um 3,8 Prozent - die härteste Rezession der vergangenen 100 Jahre. Von dem Verfall der Rohölpreise und des Erzmarktes ist TÜV Rheinland mit 1.850 Beschäftigten dort unmittelbar betroffen. So sank der Umsatz in Brasilien um 40 Prozent. Ohne diesen singulären Markteinbruch wären Umsatz und Ergebnis des TÜV Rheinland 2015 laut Unternehmensangaben deutlich höher ausgefallen. Doch gibt es auch Lichtblicke. "Hervorragend ist die Entwicklung in der Golfregion", sagt Vorstandsmitglied Vincent Furnari, Wir haben zwei neue Gesellschaften am Golf in Katar und Oman gegründet." Stark ist dort das Geschäft bei Qualitäts-Audits, der Industrieprüfung sowie bei Verkehrs- und Infrastrukturprojekten. In der Region Indien, Mittlerer Osten und Afrika konnte das Geschäft insgesamt um mehr als 46 Prozent gesteigert werden. "China hat sich ebenfalls wieder sehr positiv entwickelt mit einem Plus von mehr als zwölf Prozent." Auch Nordamerika mit zehn Prozent Zuwachs und der asiatisch-pazifische Raum mit ebenfalls plus zehn Prozent sind dynamische Regionen. Aber: "Verhaltener lief das Geschäft in Europa; kritisch ist die Entwicklung in Russland und Ungarn und das Geschäft in der Ukraine ruht derzeit", heißt es. Obwohl der Industrie-Service von der Schwäche des brasilianischen Marktes besonders betroffen ist, konnte der TÜV Rheinland in diesem traditionellen Kerngeschäft um 1,3 Prozent auf 543 Millionen Euro Umsatz zulegen. Zweitgrößter Geschäftsbereich - zugleich der internationalste - ist die Produktprüfung, in der man den Umsatz um 20 Prozent auf 485 Millionen Euro steigern konnte. Großes Potenzial hat die Prüfung elektrischer Produkte. Hier werde die Vielfalt der Produkte, der technischen Anwendungen, der Vernetzung und der Kommunikationsfähigkeit dramatisch steigen und neue Prüfanforderungen mit sich bringen.
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Insgesamt blickt der TÜV Rheinland optimistisch in die Zukunft

Bis 2020 sollen rund 500 Millionen Euro in die verschiedenen Aktionsbereiche investiert werden und eine Rendite von neun Prozent erzielen. IT-Sicherheit, Industrie 4.0 und intelligente Verkehrssysteme sind drei Themen, die weiter an Bedeutung gewinnen sollen, ebenso das Systemmanagement und die Logistik in der Industrie. Die Vernetzung von Systemen, Anlagen und Produkten bis hin in den Alltag der Verbraucher gilt als sehr großes Wachstumsfeld. Dabei geht es um die Verlässlichkeit der Systeme ebenso wie um die Sicherheit. Schon 2015 konnte die TÜV Rheinland AG das Geschäft trotz aller Widrigkeiten so gesund erhalten, dass weltweit rund 300 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wurden.

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