Vulkan trophy 2010: Die Formel 1 der Bauern
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Sie kennen Traktoren nur als Verkehrshindernis auf der Landstraße? Renn-Trecker schaffen locker Tempo 100. Bei der Vulkan Trophy liefern sich die Acker-Boliden eine spektakuläre 24-stündige Materialschlacht.

Mit lautem Dieselgebrüll setzt der Steyr-Traktor zum Überholen an. Der Auspuff pustet schwarze Qualmwolken gen Himmel, die mannshohen Reifen lassen Staub und Schotter aufspritzen. Der Fahrer hupt, doch der langsamere Trecker vor ihm will nicht Platz machen. Also schiebt sich der Steyr an ihm vorbei, die linken Reifen des Traktors pflügen durch das Feld am Straßenrand, beide Fahrzeuge sind in dichte Staubwolken gehüllt. Gerade noch rechtzeitig vor der nächsten Kurve gelingt das Manöver, und der Steyr jagt mit beeindruckender Schräglage weiter über die Strecke.

Porsche gegen Renault, Ford gegen John Deere, Steyr gegen Deutz: Wenn es um packende Überholmanöver geht, kann dem 24-Stunden Rennen von Altenschlirf kaum ein anderes Event das Wasser reichen. Die Positionen ändern sich ständig, das Rennen bleibt bis zum Ende spannend. 42 Oldtimer-Traktoren treten auf der 4,5 Kilometer langen Strecke gegeneinander an und holpern über Schotterpisten, Wiesen und Asphaltstraßen. Die Belastung für Mensch und Maschine ist in diesem Sommer extrem: Zu 30 Grad im Schatten kommt die Motorhitze. Die Fahrer schlucken massenhaft Staub, trotz der Schwingsitze gehen die Schläge der holprigen Strecke mächtig in die Knochen. Die Piloten schwitzen unter ihren Helmen. Mit einem Strohhalm schlürfen sie Wasser aus Plastikflaschen. Die Fahrer sind schon nach zwei Stunden ausgelaugt und werden von ihren Teampartnern abgelöst.

Das Tempolimit im Rennen liegt bei 70 Km/h – schon das zeigt, was für eine Power manche Fahrzeuge unter der Haube haben. Gestartet wird in verschiedenen Klassen, manche Trecker tuckern mit gemütlichen 20 Km/h dahin und sind bis auf den obligatorischen Überrollbügel völlig unverbastelt. In anderen Klassen darf gemäß dem Reglement getunt werden.

Und das lassen sich die Rennteams nicht zweimal sagen. „Der hat 10 PS mehr durch eine geänderte Einspritzung, die Übersetzung haben wir auf 7:1 umgestellt“, erklärt Andreas Greb und zeigt stolz den grünen Deutz 4005 des Schmieds Racing Team aus dem osthessischen Grebenhain. „Ein halbes Jahr lang haben wir Tag und Nacht gearbeitet“, erzählt Andreas. Jetzt schafft der 45 Jahre alte Trecker bis zu 90 Km/h. „Bei diesem Tempo fährt sich der Deutz viel angenehmer als mit 20“, meint der Rennpilot. Die Tüftelei hat sich gelohnt: Am Ende des 24-Stunden-Marathons belegt der Deutz mit 176 Runden den dritten Platz der Gesamtwertung.

Manche Teams übertreiben es allerdings mit dem Tuning. „Beim Qualifying haben wir einen Traktor mit 104 Km/h gemessen“, berichtet Renn-Organisator Christian Baumann. Wer beim Rennen gegen das Tempolimit von 70 Km/h verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen, denn es wird sporadisch geblitzt. Wer das erste Mal erwischt wird, verbringt fünf Minuten in der Boxengasse, beim zweiten Mal sind es zehn und beim dritten eine Viertelstunde.

Trotz aller Vorschriften steht der Spaß im Vordergrund, deshalb wird auch nicht immer jedes Regelwerk sklavisch genau befolgt. „Wir schauen uns ja nicht jedes Ritzel an, das da im Getriebegehäuse steckt“, sagt Christian Baumann. Er geht davon aus, dass „etwa 95 Prozent“ aller Traktoren regelkonform unterwegs sind. „Die restlichen fünf Prozent würden vielleicht Bernie Ecclestone interessieren, aber wir sehen das etwas lockerer“, sagt Baumann. Jeder Trecker muss allerdings vor dem Rennen vom TÜV abgenommen werden. In diesem Jahr hatte ein Fahrzeug Probleme mit den Bremsen und durfte nicht an den Start gehen.

Für die Piloten war das bitter, denn sie stecken ihr ganzes Herzblut in die Trecker. Viele Teilnehmer sind Landwirte oder zumindest beruflich in der Landwirtschaft beschäftigt. Es ist quasi die Formel 1 der Bauern, es ist „ihr“ Sport, und darauf sind sie stolz. So wie die Frauen und Männer vom Rennstall Lomb. Sie gehen mit einem Steyr 650 Baujahr 1975 und mit einem Porsche Standard von 1960 an den Start. „Den Porsche haben wir durch Zufall gefunden, er lag zehn Jahre lang in Einzelteilen in einer Hecke“, erzählt Christian Lomb.

Nach 24 Stunden Schwerstarbeit am Steuer rutschten die Piloten erleichtert von den Sitzen. Ganz ohne Zwischenfälle ging es auch in diesem Jahr nicht ab, darunter war ein spektakulärer Crash: Ein Traktor überschlug sich zweimal und kam von der Strecke ab. Der Fahrer wurde ins Krankenhaus gebracht, er soll sich Rippenbrüche zugezogen haben.

Gesamtsieger der Trophy wurde das Steyr-Racing Team Hauer Ferdi aus Österreich mit einem Trecker von 1973 und 196 Runden. Der Sieg ist für viele Piloten allerdings Nebensache. „Es geht nicht um Preisgelder, sondern um den Spaß an der Sache. Eigentlich sind alle Teams eine große Familie“, sagt Christian Lomb. Und so wird seine ganze Verwandtschaft wohl auch vor der nächsten Vulkan Trophy monatelang bis zum frühen Morgen schrauben und tüfteln, um die rasenden Landmaschinen rennfertig zu machen.

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Gast auto.de

Dezember 26, 2010 um 10:18 pm Uhr

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