Erhabenes Gefühl

Fahrbericht Cadillac Escalade
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Wenn es um amerikanische Autos geht, ist der V8 meist nicht weit. Für die einen verkörpert sich die Autokultur der USA im Ford Mustang oder in der Corvette von Chevrolet, für die anderen in Pick-ups vom Schlage eines Ram Dodge oder in SUV-Modellen vom Format eines Cadillac Escalade. Letzterer darf hierzulande als imposantester Vertreter seiner Art gelten. Er ist beispielsweise länger und breiter als ein VW-Bus und pflegt den klassisch kantigen Auftritt.

Macht mächtig Eindruck

So sind die automatisch ausfahrenden und hinterleuchteten Trittbretter keineswegs reine Show, sondern eine willkommene Hilfe beim Ein- und Aussteigen. Gleiches gilt für den Haltegriff an der A-Säule auf der Beifahrerseite. Die üppigen Außenabmessungen schlagen sich dank des geradlinigen Designs durch entsprechend viel Platz im Innenraum wieder.

Der 6,2-Liter-Achtzylinder arbeitet angenehm leise und hält sich auch bei höheren Geschwindigkeiten akustisch vornehm zurück. So stehen etwa bei Tempo 140 erst 1900 Umdrehungen pro Minute an. Vernehmbarer sind da oft die Windgeräusche an der A-Säule, die dem wenig aerodynamischen Design des mächtigen SUV geschuldet sind.

Im Schiebebetrieb und bei sanftem Gasfuß in der Stadt läuft der Motor im V4-Modus. Es kann dennoch nicht schaden, im Stadt- und Landstraßenverkehr den Tacho im Blick zu behalten. Angesichts des massiven Karosseriekörpers und der großzügigen Innenraumdimensionen wird die objektive Geschwindigkeit subjektiv geringer eingeschätzt als sie ist.

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Mehr Biss bei den Bremsen gewünscht

Auch wenn dem Ungetüm an Auto sicherheitshalber bei 180 km/h die Tempofesseln angelegt werden, können die Bremsen nicht überzeugen. Sie dürften für das hohe Fahrzeuggewicht von über 2,7 Tonnen (!) durchaus etwas kraftvoller zupacken. Die Lenkung arbeitet erfreulich leichtgängig, wobei die breiten 22-Zoll-Reifen für ausreichendes Feedback sorgen. So manche Bodenschwelle in Tempo-30-Zonen lässt der Escalade dank seiner breiten Spur im wahrsten Sinne des Wortes links (und rechts) liegen.

Die Acht-Stufen-Automatik wechselt angenehm sanft die Übersetzungsverhältnisse und weist als Besonderheit einen Anhängermodus mit an den Zugbetrieb angepassten Schaltzeitpunkten auf. Die Einstellungen des Getriebes werden übrigens noch mit einem großen Stockhebel am Lenkrad vorgewählt – ganz so, wie man es schon vor Jahrzehnten in us-amerikanischen Autos vorfand. Das wirkt hier nicht antiquiert oder deplatziert, sondern absolut passend zum Gesamtkonzept.

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Der Escalade liebt und lebt den konservativen Auftritt

Den manuellen Modus hätte sich Cadillac da schenken können, auch wenn er ganz einfach und mit je einem Finger für Rauf- oder Runterschalten zu bedienen ist. Der Drehschalter für das Allradsystem wiederum findet sich ein wenig versteckt unter dem Lenkrad. Mit Untersetzung und Differenzialsperre hält sich der Cadillac Escalade die Option auf ambitioniertere Offroad-Fahrten durchaus offen und bietet hier mehr als die meisten anderen Vertreter der Gattung SUV. Doch letztendlich fühlt sich der mächtige Amerikaner auf dem Boulevard wohler als im Dreck.

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Komfortabler und souveräner Reise(be)gleiter

Er bietet viel Platz und allerlei Annehmlichkeiten vom großzügigen Kühlboxeinsatz in der Mittelkonsole und elektrisch verstellbaren Pedalen über Sitze mit Massagefunktion bis hin zu separat beheizbaren Lehnen. Auch auf den beiden und ebenfalls beheizbaren Einzelsitzen in Reihe zwei geht es äußerst kommod zu, die in den Kopfstützen der Vordersitze integrierten sieben Zoll großen Entertainment-Bildschirme sorgen für Kurzweil auf langen Strecken. Mitfahrer in Reihe drei teilen sich einen von der Decke herabhängenden Neun-Zoll-Bildschirm.

Dritte Reihe präferiert den Kurztrip

Trotz der üppigen Außenmaße gilt aber auch für den Escalade, dass die hinteren drei Plätze im Kofferraum eigentlich nur dazu taugen, um auch den Nachwuchs befreundeter Familien kurz einmal mit zur Schule oder zum Fußballspiel mitzunehmen. Das Gestühl klappt dabei ganz bequem elektrisch nach oben oder unten.

Reichweiten von 700 bis 800 Kilometern sprechen eigentlich eher für einen Diesel – oder für den mit 98 Litern recht großen Tank. Und für Verbräuche von zwölf bis 14 Litern pro 100 Kilometer. Der Normverbrauch von 13,1 Litern liegt in der Mitte – und dank merkloser Zylinderabschaltung keineswegs im Reich der Fantasie. Dafür tritt aber auch wohl kaum ein anderes SUV so souverän auf wie der Cadillac Escalade. Von seiner Warte aus schrumpfen selbst größere europäische Vertreter aus dem Wettbewerbsumfeld subjektiv fast schon zu Kompaktwagengröße zusammen. Der Preis für dieses erhabene Gefühl: 114 500 Euro.

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Daten Cadillac Escalade

Länge x Breite x Höhe (in m) 5,18 x 2,06 x 1,90
Radstand (m) 2,95
Motor V8-Benziner, 6162 ccm
Leistung 313 kW / 426 PS bei 5600 U/min
Max. Drehmoment 610 Nm bei 4100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h (abgeregelt)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h 6,7 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch 13,1 Liter
CO2-Emissionen 302 g/km (Euro 6)
Effizienzklasse E
Leergewicht / Zuladung 2751 kg / 560 kg
Kofferraumvolumen 431–2668 l
Max. Anhängelast 2575 kg
Wendekreis 11,9 m
Bereifung 285/45 R22
Preis 114 500 Euro

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