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Fahrbericht Chrysler 300C Touring: Man muss ihn mögen

Das ist auch gut so, denn vom optischen Einheitsbrei fährt genug auf unseren Straßen herum. Europa und den Rest der Welt soll der extrovertierte Exot 300C Touring erobern und dabei im Jagdgebiet anderer Exoten wie Volvo V70 Kombi, Saab 9-5 Kombi und Jaguar X-Type Estate wildern.
Chrysler 300C Touring. Foto: Auto-Reporter/Chrysler
"Noble Proportionen, gepaart mit ausdrucksstarkem Design und elegantem Innenraum" verspricht Chrysler beim 300C Touring, und dabei haben die Amerikaner den Begriff "bullig" vergessen. Mit seinem alles dominierenden Kühlergrill sieht er aus wie ein waschechtes amerikanisches Auto, lang, breit und überaus präsent steht er da auf Reifen der Dimension 225/60 R 18. Auf eine Länge von 5,02 Metern, eine Breite von 1,88 und eine Höhe von 1,56 Meter verteilen sich stolze 1782 Kilogramm Gewicht, das in Verbindung mit dem Allradantrieb sogar auf fast zwei Tonnen ansteigt. Soviel durchgestylte Masse will adäquat in Bewegung gebracht werden. Und zu diesem Zweck hat der europäische Kunde die Wahl zwischen drei höchst potenten und nach Euro-4 eingeordneten Aggregaten.
Der "Basismotor" mit 3,5 Litern Hubraum, sechs Zylindern und 188 kW/253 PS bei 6400/min befördert den 300C Touring in 9,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und weiter bis auf maximal 219 km/h. Dabei bescheidet er sich mit 11,3 Litern Superbenzin pro 100 Kilometer im kombinierten Modus. In der Allradvariante mit fester Drehmomentverteilung von 62 Prozent vorne und 38 Prozent hinten sind es 0,6 Liter mehr. Aufgrund des hohen Eigengewichtes wirkt der 300C Touring 3.5 allerdings ein wenig behäbig und taugt eher für das gemütliche Reisen als für die flotte Fahrt.
Neuester Motor im Angebot ist der 3.0-Liter-CRD (netter Gag: die Amis haben Common-Rail-Diesel zu "Chrysler Runs on Diesel" umgedichtet), der mit variabler Turbolader-Geometrie 218 PS (160 kW) leistet und ein imponierendes Drehmoment von 510 Nm schon ab 2000/min entwickelt. Das schlägt sich beachtlichen Fahrleistungen nieder. In 7,6 (Touring 7,9) Sekunden erledigt er den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h und erreicht 230 (Touring 227) km/h Höchstgeschwindigkeit. Serienmäßig bringt der Motor seine Kraft über eine Fünfgang-Automatik (auch von Mercedes) an die Hinterräder. Besonders für den Touring ist der CRD die ideale Motorisierung.
Richtig Spaß macht der 300C aber mit dem 5,7-Liter-V8 HEMI Aggregat, serienmäßiger Fünfgangautomatik und manueller Schaltgasse. Das legendäre Motordesign mit halbkugelförmigen Brennräumen, das in den 50er Jahren die Chrysler "Letter-Series"-Fahrzeuge angetrieben hat, wurde neu entwickelt und als modernes Hochleistungs-Triebwerk wieder geboren: Der 5,7-Liter-HEMI klingt nicht nur gut, er leistet auch 250 kW/340 PS bei 5000/min und wuchtet respektable 525 Nm Drehmoment bei 4000/min an die Kurbelwelle. Nach 6,4 Sekunden liegt bereits Tempo 100 km/h an, bei 250 km/h regelt die Elektronik jeden weiteren Vortrieb ab.
Das Fahren in diesem langen, aber wohltuend anderen amerikanischen Langschiff mit seinem europäisch abgestimmten 18-Zoll-Fahrwerk ist ein entspanntes Erlebnis: unkompliziertes Kurvenverhalten, stabiler Geradeauslauf und ein wuchtiger Antritt, wann immer der Fahrer den Befehl dazu gibt. Die Automatik reagiert spontan, die Lenkung ist eine Spur zu leichtgängig, das Platzangebot gewaltig.
Wer nun den Verbrauch auf 20 Liter plus X taxiert wird angenehm enttäuscht. 12,5 Liter Superbenzin nimmt er im Messzyklus – dank MDS (Multi Displacement System). Das System der Zylinderabschaltung feiert im 300C seine Premiere. Über elektromagnetische Ventile werden dabei mittels Öldruck die Stößelstangen von der Nockenwelle entkoppelt, und so fährt der V8 im Teillastbereich zwischen 30 und 130 km/h nur auf vier statt acht Zylindern. Die Kolben laufen zwar mit, die Benzinzufuhr ist aber unterbrochen. Eine Kraftstoffersparnis von 20 Prozent im Vergleich zum reinen Achtzylinder haben die damit Techniker erreicht. Im Fahrbetrieb merkt der Fahrer nichts von der Ab- oder Zuschaltung der Zylinder, die sich innerhalb von 40 Millisekunden vollzieht.
Kombiniert mit dem optionalen Allradantrieb erweist sich der 300C Touring 5.7 HEMI als durchaus agiles Fahrzeug. Satt steht er auf seinen 18-Zoll-Rädern und lässt sich problemlos auch durch kurvenreiche Gefilde treiben, reagiert prompt auf jeden Lenkbefehl und bleibt stets gutmütig. Und wie ein echter Kombi taugt er auch zum echten Lastesel. 630 Liter fasst das Gepäckabteil bei stehenden Rücklehen. Klappt man diese vor, so passen 1.602 Liter Gepäck auf einer Länge von 2,07 Metern in den Kombi. Die Heckklappe ist sehr weit hinten angeschlagen, öffnet fast vertikal nach oben, so dass man beim Öffnen direkt hinter dem Wagen stehen und einladen kann. Der Laderaum ist höchst variabel. Der Laderaumboden lässt sich zusammenfalten, als Trennwand im Kofferraum einsetzen oder umdrehen. Auf der Rückseite ist er gummibeschichtet: Dreckige Stiefel oder der Hund nach dem Waldspaziergang sind dort gut und sauber untergebracht. Der samstägliche Großeinkauf lässt sich prima im serienmäßigen "Cargo Organiser" verstauen. Dabei klappt man einfach den hinteren Ladeboden hoch und erhält drei durch Gepäcknetze abgeteilte Fächer.
Auch in der zweiten Reihe lässt es sich bequem reisen. Rückt der Fahrer seinen Sitz ganz nach vorn, so steht im Fond ein voller Meter Fußraum zur Verfügung. Das ist mehr als die Business-Class zu bieten hat. Auf Business-Class-Niveau befindet sich auch die Serienausstattung. Xenonscheinwerfer, Infrarotsensor-gesteuerte Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektronische Einparkhilfe, elektrisch verstellbarer Fahrersitz, Soundsystem von Boston Acoustics, Tempomat, Lederlenkrad mit Bedienknöpfen für das Audio- und Navigationssystem sind serienmäßig an Bord. Für die Sicherheit sorgen ABS, ESP, abschaltbare Traktionskontrolle, Adaptive Airbags vorn sowie Sidebags und eine Niveauregulierung an der Hinterachse.
Die 300C-Preise beginnen 35 400 Euro für die Limousine 2.7 und enden bei 52 550 Euro für den Chrysler 300C Touring 5.7 HEMI AWD. Damit ist der ungewöhnliche und markante Chrysler ein echtes Schnäppchen in der Premiumklasse. Trotz der aggressiven Preisgestaltung ist der mutig designte Kombi derzeit noch ein extrovertierter Exot auf unseren Straßen. Doch das könnte sich ändern: Die Kampfpreise und vor allem auch der Dieselmotor sollten die Erfolgchancen des Amerikaners in Deutschland beflügeln: Mehr Auto fürs Geld bietet keiner in dieser Klasse. Aber – siehe oben – man muss den Ami mögen. (ar/RPB)
Von Rolf-Peter Bleeker
2. Dezember 2005. Quelle: Auto-Reporter

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