Lancia

Fahrbericht: Lancia Flavia – Ein Schiff wird kommen
Fahrbericht: Lancia Flavia – Ein Schiff wird kommen Bilder

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Jürgen Winkler – »Lancia wird nicht sterben«. Dieses Mantra wiederholt Lancias Mutterkonzern Fiat unermüdlich. Das Gerücht, Fiat wolle Lancia beerdigen, ist trotzdem nicht auszurotten. Fährt man den Lancia Flavia, weiß man, warum

Lancia war seiner Konkurrenz immer einen Schritt voraus: erstes italienisches Auto mit Vorderradantrieb und Scheibenbremsen in der Serienproduktion, erstes europäisches Auto mit Anlasser, elektrischer Anlage und beleuchteten Instrumenten, erstes Auto weltweit mit selbsttragender Karosserie und Einzelradaufhängung vorn mit hydraulischen Stoßdämpfern.

Gleiches Auto, anderes Logo

Nicht nur deshalb besitzt Lancia einen legendären Ruf. Auch der Flavia[foto id=“453975″ size=“small“ position=“left“] könnte eine feine Sache sein – wäre er ein Lancia. Doch was Fiat unter der Traditionsmarke verkauft, wurde nicht als Lancia konzipiert. Seit 2009 ist Fiat Mehrheitsgesellschafter bei Chrysler. Um Geld zu sparen, legte man die Marken Lancia und Chrysler zusammen. Der Lancia Flavia ist nichts anderes als ein Chrysler 200 – mit einem Lancia-Logo auf dem Kühlergrill.

Die Umetikettierung des Chrysler 200 wäre nachvollziehbar, wenn Lancia davon profitieren würde. Doch der Chrysler 200/Lancia Flavia bricht mit den Traditionen des italienischen Automobilherstellers. Was die Liebhaber der Marke Lancia an ihren Autos schätzten, suchen sie beim Flavia vergebens. Er ist ein lupenreiner Chrysler.

Gemütlich wie in einer Sänfte

Das ist an sich kein Grund, den Flavia zu verdammen. Betrachtet man ihn ohne Kenntnis der Historie, ist er auf den ersten Blick ein typisches amerikanisches Dickschiff: groß, breit, wuchtig. Gebaut für amerikanische Highways und Garagentore. Ein Cruiser, kein Sprinter.

Gemütlich schiebt er sich über die Autobahn.[foto id=“453976″ size=“small“ position=“right“] Die rechte Spur ist seine Welt, dort liegt er bei 120 km/h behaglich auf der Straße, wie ein rollendes Wasserbett, auf dem man sanft über die Bodenwellen schaukelt.

Doch das Auto wirkt wie aus der Zeit gefallen, nicht nur seiner Größe wegen. Für amerikanische Straßen und Benzinpreise mag er angemessen sein; in Europa ist er ein Rücksprung in eine vergangene Epoche. Man erinnert sich unwillkürlich an den Film »La Dolce Vita«, in dem sich Marcello Mastroianni in einem Lancia Flaminia Convertible durch Rom treiben ließ. Lange her.

Der Wind pfeift ums Dach

Dabei fährt sich der 1,8 Tonnen schwere Flavia sehr angenehm – solange man es nicht eilig hat. Im gemächlichen Tempo fühlt man sich auf den breiten Ledersitzen im geräumigen Cockpit richtig wohl. Dann ist der Motorlärm erträglich, der bei höheren Geschwindigkeiten rasant zunimmt. Auch der Benzinverbrauch ermuntert nicht zu schneller Fahrt. Zwölf Liter sollte man auf 100 Kilometer kalkulieren; bei normalen Steigungen überspringt man diese Marke locker – sogar im Flachland zwischen Leipzig und Berlin.[foto id=“453977″ size=“small“ position=“left“] Man wird mit dem Flavia auch deshalb nicht rasen, weil der Wind ab 130 km/h so laut ums Stoffverdeck tost, dass man den Fuß erschrocken vom Gas nimmt.

Unzeitgemäße Resteverwertung

Auch das Überholen will gut überlegt sein. Ein langer Anlauf ist selbst bei Lkw vonnöten, die gewiss nicht die schnellsten Verkehrsteilnehmer sind. Der Grund liegt in der Motorisierung. Fiat verkauft den Lancia Flavia in Europa nur mit einem 2.4-Liter Vierzylinder, ohne Direkteinspritzung oder Aufladung. Der 170-PS-Motor ist ein Restbestand aus der verblichenen DaimlerChrysler-Ära. In den USA darf sich der Chrysler 200 von einem 3.6-Liter V6-Motor mit 283 PS antreiben lassen. Warum das in Europa nicht erwünscht ist, weiß nur Fiat.

Noch ärgerlicher ist das Sechsgang-Automatikgetriebe von Chrysler, das die Motorleistung nur schleppend weitergibt. Das Getriebe braucht eine gefühlte Ewigkeit, um den Wagen zu beschleunigen. Zwischen den Gängen legt es eine Gedenkpause ein, bevor sich die Automatik zum nächsten Gang quält.[foto id=“453978″ size=“small“ position=“right“] Da ist es fast konsequent, dass das elektrisch betriebene Stoffdach nur im Stand zu öffnen und schließen ist – wenn schon veraltete Technik, dann richtig.

Gute Basis, keine Optionen

Ebenfalls unerklärlich ist die Abwesenheit von Assistenzsystemen. Rückfahrkamera und Einparkhilfe wären beim voluminösen Flavia äußerst hilfreich, werden aber nicht angeboten. Um in verstopften Nebenstraßen einzuparken, braucht man scharfe Augen und einen Instinkt für die Maße des Fahrzeugs. Da hilft auch der Kampfpreis von 36.900 Euro nicht weiter. Fiat unterbietet damit die Preise aller Cabrios der oberen Mittelklasse, doch angesichts der schwachbrüstigen Motorisierung und der fehlenden Optionen auf Assistenzsysteme muss man ein großer Fan des Fahrens ohne Verdeck sein, um dieses Geld zum Händler zu tragen.

Immerhin liefert Lancia Tempomat, Soundsystem und Festplattennavi, letzteres mit einem horizontal schwenkbaren Display, hinter dem sich der Schacht für den CD-Player verbirgt.[foto id=“453979″ size=“small“ position=“left“] Das ist ein nützliches Gimmick, ebenso wie die horizontal drehbaren Kopfstützen, die das Cruisen mit schräg gestellter Rückenlehne wesentlich entspannter machen. Und die Lancia-Uhr ist natürlich zeitlos elegant.

Fazit:

Dieses Auto für diesen Preis mit zeitgemäßem Motor und Getriebe, reduziertem Verbrauch und einem Stahlklappdach – das wäre eine Überlegung wert, trotz der für deutsche Innenstädte überdimensionierten Außenmaße. Doch in der Firmenpolitik von Fiat/Chrysler scheint der Lancia Flavia irgendwie unter die Räder gekommen zu sein. Man wollte wohl ein Cabrio bauen und gleichzeitig die Lagerbestände aus früheren Zeiten reduzieren. Anders ist der Einsatz der veralteten Technik nicht zu erklären. Sollten sich zu wenig Käufer für den Flavia finden, können die Fiat-Controller das Kapitel Lancia mangels Nachfrage schließen. Das nennt man dann eine selbsterfüllende Prophezeiung.

+ angenehmes Fahrgefühl
+ geräumig auf allen Plätzen
veraltete Motor- und Getriebetechnik
keine Assistenzsysteme
hoher Verbrauch

 

Datenblatt Lancia Flavia  
   
Länge/Breite/Höhe (m) 4,95/1,84/1,48
Radstand (m) 2,77
Motor 2.4-Liter Reihenvierzylinder-Benzinmotor
   
Leistung  
Hubraum (cm³) 2.360
Leistung (kW/PS) 125/170
max. Drehmoment (Nm bei U/min) 220 bei 4.500
Höchstgeschwindigkeit (km/h) 195
Beschleunigung 0-100 km/h (s) 10,80
   
Verbrauch  
Test-Verbrauch (l/100 km) 12,0
Verbrauch laut Hersteller (l/100 km) 9,4
CO2-Ausstoß laut Hersteller (g/km) 221
Schadstoffklasse Euro 5
Energieeffizienzklasse E
   
Ausstattung (Basismodell) 4 Airbags, elektronische Stabilitäts- und Traktionskontrolle, Antiblockiersystem (ABS), Bremsassistent, Alarmanlage, Reifendruck-Kontrollsystem, 6,5 Zoll Infotainment-System mit Touchscreen, USB-Schnittstelle, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, HiFi-Sound-System (276 Watt)
   
Gewicht und Zuladung  
Leergewicht (kg) 1.856
zulässiges Gesamtgewicht (kg) 2.132
Kofferraumvolumen (l) 198-377
   
Preis (Euro)  
Basismodell 36.900,00
Testwagen 36.900,00
   
Bewertung  
Exterieur-Design 1,7
Interieur-Design 1,6
Multimedia 1,5
Navigation 1,5
Fahrbetrieb 1,7
Verbrauch 3,6
   
Kosten pro Jahr1 (Euro)  
Kraftstoffkosten2 2.970,00
Steuern 270,00
Wertverlust 5.535,00
Gesamtkosten pro Jahr 8.775,00
   
Testnote 1,9
   
1 Die Kosten pro Jahr setzen sich aus Kraftstoffkosten, Kfz-Steuer und errechnetem Wertverlust (15 Prozent p.a.) zusammen
2 Kraftstoffkosten bei 1,65 Euro/Liter Super und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern

 

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