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Fahrbericht Mazda RX8: Sportsgeist ohne Wankelmut

Bisher fielen die Japaner eher durch gut ausgestattete Fahrzeuge zu vernünftigen Preisen auf. Nur einen Ausreißer gönnt sich Mazda bereits in der vierten Auflage: Der RX8 ist das einzige Serienfahrzeug, das von einem Kreiskolbenmotor angetrieben wird.
Der Mazda RX8. Foto: Auto-Reporter
Das Wankel-Aggregat hat bei Mazda eine lange Tradition: Seit 1961 schöpften diverse Modelle Kraft aus Null Zylindern. Leider waren die Motoren bei Technik-Begeisterten zwar sehr beliebt, konnten sich wegen ihrer übermäßigen Trinkgewohnheiten aber bei der breiten Autofahrermasse nie durchsetzen. Der Neue geizt auch nicht gerade beim Verbrauch, auf einen Bordcomputer wurde scheinbar bewusst verzichtet, damit dem Fahrer nicht ständig angezeigt wird, wie viel Kraftstoff durch die Leitungen fließt.
Obwohl die Motoren klein und leicht sind, setzt Mazda als einziger Hersteller auf den innovativen Antrieb. So wiegt das RX8-Aggregat fast 50 Prozent weniger als ein vergleichbarer Ottomotor. Doch auch Mazda wird vorerst nur den RX8 von einem Wankel-Motor befeuern lassen. Ob der auf der Plattform des RX8 gebaute MX5-Nachfolger (kommt 2004) ebenfalls einen Kreiskolbenantrieb bekommen wird, ist noch unklar.
Die Ford-Tochter aus Fernost hat in der Mittelklasse mit dem erfolgreichen Modell 6 seit vergangenem Jahr ein heißes Eisen im Feuer – jetzt soll ein echter Blickfang im Sportwagensegment als Imageträger für neue Käufer sorgen. Der RX8 hat alle Attribute, die ein Sportwagen haben sollte und verwöhnt zudem mit einem herausragenden Preis-Leistungs-Verhältnis. Ab 26 300 Euro ist er zu haben. Dafür bekommt der Kunde bereits 192 muntere Pferde und ein außergewöhnlich gestaltetes Fahrzeug dazu. Wer noch mal knapp 6000 Euro drauflegt und die Top-Variante "Revolution" bestellt, bekommt nicht nur 39 PS mehr, sondern eine Komplettausstattung mit Klimaautomatik, Ledersitzen, Xenon-Scheinwerfern und einem hervorragenden Audio-System. Ein echter Kampfpreis, ein ähnlich ausgestatteter Golf GTI ist nicht wesentlich billiger.
Der Kreiskolbenantrieb sorgt für ein einmaliges Fahrgefühl. Er klingt ein wenig wie eine Flugzeugturbine und dreht willig bis zu 9000 Umdrehungen pro Minute nach oben. Dementsprechend sind auch die Beschleunigungswerte: Die stärkere Version treibt den Sportler in 6,2 Sekunden auf Tempo 100, erst bei 235 km/h ist Schluss. Das singende Antriebsgeräusch verführt zum Ausdrehen des Motors, was den Benzinverbrauch natürlich nach oben treibt. 11,4 Liter Super gibt Mazda als Drittelverbrauch an, im Alltagsbetrieb fließen aber zwei Liter mehr auf 100 Kilometern durch die Leitungen. Auch der schwächere Motor verfügt über ausreichende Leistungsreserven und verbraucht einen halben Liter weniger.
Elegante Design-Lösungen wie die nach hinten aufklappenden Hecktüren oder Kopfstützen und Nebelschlussleuchte in Form der Wankel-Drehscheibe zeigen, dass die Zeiten langweiliger Exoten aus dem Land des Lächelns vorbei sind. Die Mazda-Ingenieure haben ein ebenso schönes wie zweckorientiertes Auto auf die breiten Reifen gestellt. Wobei die Fondpassagiere durch die Türkonstruktion zwar einen einfachen Einstieg genießen, aber mit wenig Platz auskommen müssen. Personen über 1,70 Meter Größe sollten nur kurze Strecken zugemutet werden.
Vorne hingegen nimmt der Fahrer auf hervorragenden Sportsitzen Platz, durch diverse Verstellmöglichkeiten findet jeder eine angenehme Sitzposition, das Lederlenkrad und der kurze Schaltknüppel liegen gut in der Hand. Die Bedienung ist einfach, die hübsch gezeichneten Instrumente lassen sich tadellos ablesen. Die Verarbeitung ist ordentlich, teilweise wirken die Kunststoffe jedoch etwas billig. Hier sollte Mazda nachbessern.
Um die fehlende B-Säule zu kompensieren, haben die Japaner eine durchgehende Mittelkonsole aus Leichtmetall in den RX8 gebaut. Das sieht nicht nur flott aus, sondern verleiht der Karosserie zusätzlich eine höhere Verwindungssteifigkeit. Durch die ausgeglichene Gewichtsverteilung liegt der Wankel-Sportler sehr gut auf der Straße und bietet hohe Sicherheitsreserven. Im Notfall greift das serienmäßige DSC (Dynamische Stabilitäts Kontrolle) ein und verhindert ein Ausbrechen des Fahrzeuges in Kurven. Eine echte Freude ist das Sechsgang-Getriebe (Serie in der stärkeren Version), das sich leicht schalten lässt und gut zum Charakter des Motors passt. So lässt sich der RX8 in der Stadt geräuscharm und schaltfaul bewegen – dreht aber bei Bedarf höher als herkömmiche Ottomotoren. Seit Oktober liefert Mazda den RX8.
Von Stephan Bähnisch
22. Januar 2004. Quelle: Auto-Reporter

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