Hybrid-Pkw erfüllen nicht alle Erwartungen
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Die deutschen Autohersteller wollen den Marktanteil von Hybrid-Pkw und Elektrofahrzeuge steigern. Damit lassen sich drastische CO2-Flottenlimits leichter erfüllen. Doch die Elektrifizierung treibt den Preis der Autos in die Höhe und der Praxisverbrauch dürfte die Erwartungen vieler Kunden nicht erfüllen, wie der Vergleichstest des Toyota Yaris Hybrid mit dem VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI es zeigt. Der Polo hat noch weniger am Sprit genippt als sein elektrifizierter Gegenüber.

Späteinsteiger in die Technik der Antriebselektrifizierung könnten das teuer bezahlen müssen. Denn es drohen empfindliche Strafen, wenn Autohersteller den für sie obligatorischen Flottendurchschnitt von 130 Gramm CO2 je Kilometer überschreiten – das entspricht einem Verbrauch von 5,0 Liter Diesel oder 5,6 Liter Benzin je 100 Kilometer.

Hybrid-Pionier Toyota bleibt bei der CO2-Problematik gelassen. Der Hersteller startete vor 15 Jahren mit dem Benzin-Hybrid und stattet seitdem viele seiner Modelle mit der neuen Technik aus. Toyota verkaufte von 1997 bis Ende Juni 2013 global insgesamt über 5,4 Millionen Hybrid-Pkw, [foto id=“480470″ size=“small“ position=“left“]einschließlich Pkw der Marke Lexus. Letztes Jahr wählten weltweit 12,9 Prozent der fast 9,5 Millionen Pkw-Käufer von Toyota einen Hybridantrieb, von den fast 83 000 Kunden in Deutschland waren es über 18 Prozent.

Der Anteil des Hybridantriebs in Deutschland ist sehr gering. 2012 lag er laut Kraftfahrtbundesamtes bei knapp 0,7 Prozent der Pkw-Neuzulassungen, wobei 70 Prozent von den neu zugelassenen 21 438 Hybridautos Toyota-Modelle waren. Überraschenderweise rangiert in Deutschland der Kleinwagen Toyota Yaris Hybrid als Bestseller. Ein Pkw, für den laut Bosch kein Hybridantrieb notwendig wäre, weil bei Kleinwagen und Minis die CO2-Ziele allein durch die Effizienzsteigerung von Diesel- und Benzinmotoren zu erreichen sind.

Ein Grund mehr, den Yaris Hybrid – einziger Vollhybrid in seinem Segment – im Fahralltag auf Kraftstoffverbrauch und Betriebsverhalten zu checken. Als Pendant erhält er mit dem VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI den schärfsten Konkurrenten unter den „Spritsparern“. Der Test soll die Frage beantworten, ob sich ihre Anschaffung lohnt, und ob der Käufer in Fahrbetrieb und Komfort etwa mit Einbußen fahren muss.

Beim Preis punktet der Yaris Hybrid in der Ausstattungsvariante „Life“, weil Toyota ihn noch bis zum 30 September 2013 für 18 271 Euro statt 19 620 Euro anbietet. Der Polo mit dem geringsten Durst kostet in der Ausstattungslinie „Highline“ 18 750 Euro. Im EU-Normfahrzyklus auf dem Rollprüfstand schafft es der Hybrid, je 100 Kilometer [foto id=“480471″ size=“small“ position=“right“]mit 3,5 Liter Sprit auszukommen, dem Diesel reichen 3,7 Liter – was sich in der CO2-Emission je Kilometer mit 79 Gramm respektive 89 Gramm niederschlägt.

Zu berücksichtigen ist, dass es den Yaris in Kombination mit dem 1,5-Liter-Benziner mit 55 kW/75 PS und dem 45-kW-Elektromotor in der Basisausführung schon für 16 950 Euro gibt. Der vergleichbare, zur Yaris-Variante Life aufgerüstete und dann aber etwas komfortablere Polo Highline kommt auf 21 746 Euro. – Wen das scheut, der „Schotten-Polo“ startet in der Basisausführung „Comfortline“ mit 17 900 Euro -.

Im Verbrauch schiebt sich der Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI zwar nach vorn. Sein Dieselmotor mit 1,6 Liter Hubraum und 66 kW/90 PS hat einen durchschnittlichen Gesamtverbrauch von 4,7 Liter je 100 Kilometer – bei einem Viertel Autobahnanteil an den Fahrten -, minimal 4,1 Liter, maximal 5,3 Liter. Der entsprechende CO2-Ausstoß beträgt rund 125 g/km. Das kann der Yaris Hybrid mit 113 g CO2/km besser. Sein Mischantrieb mit einer Systemleistung von 74 kW/100 PS verbrauchte durchschnittlich im Test mit 4,8 Liter etwas mehr, aber weil die Dichte von Benzin über zehn Prozent geringer ist als die des Diesels, ist der CO2-Ausstoß je Liter auch geringer – minimal konsumierte der Yaris Hybrid 4,4 Liter, maximal 5,8 Liter.

Im Vergleich mit fortschrittlichen Kleinwagen bringt den beiden Saubermännern die Knauserei mit dem Sprit wenig. Denn vergleichbare Konkurrenzmodelle im eigenen Haus und von Wettbewerbern kommen mit rund 5,2 Liter Diesel beziehungsweise 6,1 Liter Benzin je 100 Kilometer aus und sind preiswerter.

Auffälligkeiten im Betrieb gibt es beim Polo nicht. Ob im Stadtverkehr oder auf der Autobahn, er läuft und läuft und läuft. Sein Fünfgang-Schaltgetriebe lässt schaltfaules Fahren [foto id=“480472″ size=“small“ position=“left“]zu und trotz des lang übersetzten Getriebes resultieren gute Elastizitätswerte. Selbst beim Überholen macht der Polo noch Tempo, weil der 1,6-Liter-TDI Motor zwischen 1 500/min und 2 500/min das maximale Drehmoment von 230 Newtonmeter bereitstellt.

Der Yaris Hybrid überzeugt ebenso wie der Polo im Stadtbetrieb – mit Einschränkungen. Kein Tippschalter zum Richtungswechsel, Tempomat erst ab 40 km/h und wer zu schnell im Startvorgang ist, darf ihn wiederholen, weil der Hybridmanager seine Zeit braucht. Das Zusammenspiel der beiden Motoren ist exakt aufeinander abgestimmt, kein Ruckeln, keine störenden Geräusche, selbst an das stark verzögernde generatorische Bremsen passt sich der Fahrer schnell an.

Gewöhnungsbedürftig ist beim starken Tritt aufs Gaspedal das Heulen des Motors, wenn das stufenlose Getriebe den Benziner auf Touren bringt. Und da sind wir beim Manko das Yaris Hybrid. Anders als der Polo macht er weniger Spaß auf der Autobahn, weil dort der schlappe 1,5-Liter-Benziner mit seinen 55 kW/75 PS allein für den Vortrieb sorgt. Zu empfehlen sind 120 km/h für die Autobahnfahrt, darüber hinaus wird der Innenraumlärmpegel zur Tortur.

Bewertung

Plus:
Toyota Yaris Hybrid:
Laufruhiger, sparsamer Hybridantrieb mit gutem Alltagsverhalten
VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI:
Kultivierter und verbrauchsarmer Dieselmotor mit problemlosen Betrieb
Minus:
Toyota Yaris Hybrid:
Hoher Innenraumlärmpegel über 120 km/h, Tippschalter fehlt, Tempomat erst ab 40 km/h, keine Gurthöhenverstellung
VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI:
Das Navigationsgerät sitzt zu tief, Vorsicht an den Ecken der Kofferraumklappe – Stoßgefahr

Datenblatt: Toyota Yaris Hybrid Life

Viertüriger Kleinwagen
Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 3 905/ 1 695/ 1 510/ 2 510
Leergewicht: 1 235 kg
zulässiges Gesamtgewicht: 1 565 kg
Gepäckraum min/max: 286/710 Liter
Tankinhalt: 36 Liter
Preis: 18 271 Euro bis 30. September 2013
sonst 19 620 Euro
Vierzylinder-Reihenmotor,
Nickel-Metallhydrid-Batterie
Leistung: 55 kW/74 PS bei 4 800/min
max. Drehmoment: 111 Nm, bei 3 600 – 4 400/min
Elektromotor: 45 kW/60 PS
max. Drehmoment: 169 Nm
max. Systemleistung: 74 kW/100 PS
0 – 100 km/h: 11,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h
Normverbrauch insgesamt: 3,5 l/100km (Benzin)
CO2-Ausstoß: 79 g CO2/km, Euro 5
Effizienzklasse: A+

VW Polo BlueMotion Technology 1.6 TDI Highline

Viertüriger Kleinwagen
Länge/Breite/Höhe/Radstand in Millimetern: 3 970/ 1 682/ 1 485/ 2 470
Leergewicht: 1 165 kg
zulässiges Gesamtgewicht: 1 650 kg
Gepäckraum min/max: 280/952 Liter
Tankinhalt: 45 Liter
Preis: 18 750 Euro
Vierzylinder-Reihenmotor
Leistung: 66 kW/90 PS bei 4 200/min
max. Drehmoment: 230 Nm, bei 1 500 – 2 500/min
0 – 100 km/h: 11,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Normverbrauch insgesamt: 3,7 l/100km (Diesel)
CO2-Ausstoß: 96 g CO2/km, Euro 5
Effizienzklasse: A

 

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