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Melkus: Die letzten Tage des DDR-Ferrari
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Der Sportwagenhersteller Melkus GmbH Dresden hat Insolvenz angemeldet. Melkus? Der Name hat zwischen Ostsee und Erzgebirge und auch östlich davon bei Älteren einen guten Klang, war doch Heinz Melkus zu DDR-Zeiten einer der wenigen privaten Unternehmen in der Automobilbranche.

Die Heinz Melkus KG baute in den 1970er und 80er Jahren den legendären Mittelmotorsportwagen Melkus RS 1000 auf der Basis des Wartburg 353 und zahlreicher Nebenaggregate aus der DDR-Autoindustrie. „RS“ stand für Rennsportwagen. Zwischen 1969 und 1980 baute Heinz Melkus 101 Exemplare des RS 1000, dessen 750 Kilo Leergewicht ein Dreizylinder-Zweitakter mit 51 kW/70 PS auf immerhin maximale 165 km/h beschleunigte. Form und Konzept trugen dem einzigen real existieren Sportwagen aus sozialistischer Fertigung den Spitnamen „DDR-Ferrari“ ein. Und das war stets als Kompliment gedacht.

Allein der Mut von Meister Melkus und seine unternehmerische Leistung können nur die Insider der ostdeutschen Planwirtschaft in allen Details würdigen. Das private Auto war in den Augen und Plänen der Staatsplaner eher Teufelswerk, denn ein förderwürdiges Produkt. Und Melkus baute gar noch Sportwagen! Parallel dazu war Melkus ein erfolgreicher aktiver Rennfahrer. Noch bevor die DDR im wiedervereinigten Deutschland aufging, wurde Melkus der erste BMW-Händler im neuen Osten der Bundesrepublik.

Der unternehmerische Geist und die motorsportlichen Ambitionen des Heinz Melkus übertrugen sich auf Söhne und Enkel. Der Gründung des Autohauses Melkus GmbH 1990 folgte 2006 die Gründung der Melkus Sportwagen KG, deren Umwandlung in eine GmbH 2009 erfolgte. Ziel war die Produktion eines neuen Sportwagens mit den Genen des RS 1000. Das Ergebnis kam 2009 unter dem Namen Melkus RS2000 zur Welt, ein „Auto von Liebhabern für Liebhaber“, wie sich die Dresdener selbst darstellten, die inzwischen in die ländliche Umgebung der Landeshauptstadt umgezogen waren.

Im Januar 2012 auf einer Präsentation von Melkus am Sachsenring und Gesprächen mit führenden Leuten der Firma wurde deutlich, wie stark das Auto bei den Besuchern ankam, aber auch wie unsicher die Geschäftsführung wirkte. Allein die Diskussion um das -subjektiv – nicht gelungene Logo und die Beweggründe gerade für dieses Logo ließen Befürchtungen großen Raum, dass die Dresdner zwar liebenswerte Menschen sind, deren Engagement aller Achtung wert ist, die aber offensichtlich die Regeln des aktuellen Marktes nicht kennen. Dazu zählt zum Beispiel, dass ein Logo eines weitgehend unbekannten Unternehmens nicht in erster Linie „richtig“ sein muss, nicht vollständig der Tradition und dem Ziel verpflichtend gestaltet werden kann, sondern vor allem vom Markt wahrgenommen werden muss. Das Melkus-Logo lag viel zu nahe bei Dacia.

Der RS2000 war ein ambitioniertes Autoprojekt Alu-Chassis, Flügeltüren, 975 Kilo Gewicht, 1,9-Liter-Turbo mit 199 kW/270 PS, von 0 auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden, zum Preis ab 115.000 Euro. Das Marketing der ungeübten Melkus-Mannen geriet zum Desaster. Nicht einmal im Mittleren Osten brach der Sportler zum Preis eines Mercedes 500 SL die Herzen der stolzesten Scheichs. Um einigermaßen über die Runden zu kommen, kalkulierten die Dresdener Autobauer eine Auflage von 25 Exemplaren des RS2000 pro Jahr. Seit 2009 entstanden tatsächlich nur 15 Exemplare.

Mit der Anmeldung der Insolvenz haben die Rand-Dresdner erst einmal die Reißleine gezogen. Mit kaum getrübtem Optimismus hoffen sie auf neue Investoren. Realistische Aussichten zeichnen sich nicht ab. Der Markt für hochpreisige Sportwagen reagiert sensibel. Knapp zwie Monate vor Melkus hatte es Kleinserien-Hersteller Artega mit dem Insolvenzantrag erwischt. Ostalgiker empfinden es als jammerschade, dass eine Firma, die zu DDR-Zeiten ein wenig Marktwirtschaft praktizierte, nun untergehen muss. Dieses Schicksal nur auf den bösen Markt und auf latentes „Ossi-Bashing“ zu schieben, ist jedoch falsch. Da sind schon ganz andere renommierte Sportwagenbauer an der ökonomischen Wirklichkeit gescheitert: Maserati, Lamborghini, TRV, MG, Austin, Iso, Facel, Duesenberg, …

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