MV Agusta F3 800: Drei Zylinder im Sportlertrimm
MV Agusta F3 800: Drei Zylinder im Sportlertrimm Bilder

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Lange Zeit konnten sich die Briten von Triumph auf ihren Dreizylinder als Alleinstellungsmerkmal verlassen, doch seit vergangenem Jahr bietet ihnen der Edelhersteller MV Agusta Paroli: Zunächst boten die Italiener ihr Dreizylinderkonzept in einem 675-ccm-Pack im Supersportler F3 und dem unverkleideten Landstraßenfeger Brutale an.

Jetzt legen sie mit der voll verkleideten F3 800 und einem aufgewerteten Motor in einem supersportlichen Chassis nach. Dabei orientierten sich die Entwickler ganz offensichtlich an der kleineren Schwester F3 675, die weiterhin im Angebot ist: Die rassige Verkleidung verströmt die gleiche kompromisslose Sportlichkeit, rechtsseitig lugt der charakteristische Triple-Schalldämpfer heraus, und auch das Fahrwerk aus Stahlrohr und [foto id=“479638″ size=“small“ position=“left“]Leichtmetallguss stammt wie die formschöne Einarmschwinge aus der 675er.

Beim Aufsitzen ergibt sich ein typisch sportives Ambiente auf dem niedrigen Fahrersitz: Der kurze Tank und der tiefe Lenker geben die sportliche Körperhaltung vor. Aber selbst bei 1,87 Meter Körperlänge fällt das nicht unbequem aus. Für den großen Fortschritt ist der neue Motor zuständig – dabei fällt der Leistungszuwachs deutlicher aus, als der durch den längeren Hub erzielte Hubraumzuwachs von 123 Kubikzentimeter nahelegt: 109 kW/148 PS sind satte 15 kW/20 PS mehr als bei der 675er F3. Noch beeindruckender ist der Zuwachs bei niedrigen Drehzahlen – rund 22 kW/30 PS mehr zwischen 8 000/min und 10 000/min sorgen für einen bärenstarken Antritt und satten Durchzug. Wie bei allen MV-Dreizylinder-Motoren rotiert die Kurbelwelle entgegen der Raddrehrichtung. Als erstem MV-Triple ist der F3 800 eine „Rutschkupplung“ vergönnt, welche die Bremskraft des Motors im Schiebebetrieb nur noch bedingt an das Hinterrad weiterleitet. Einspritz- und Auspuffanlage sind unverändert, aber das Motormanagement hat der Hersteller angepasst.[foto id=“479639″ size=“small“ position=“right“]

Nach dem Starten entweicht den drei Orgelpfeifen hinter dem rechten Stiefel des Fahrers das typische Dreizylinder-Brabbeln. Bei niedriger Geschwindigkeit spricht der Dreizylinder sauber auf Gasgriffbefehle an, im „Normal“-Modus – der mittlere Fahrmodus zwischen „Sport“ und „Rain“, dazu gibt es noch einen „Custom“-Modus – gibt sich die MV sehr folgsam. Selbst Fahrten im ersten Gang oder Abschnitte im hohen Gang bei niedriger Drehzahl, die einen gemütlichen Sonntagmorgenritt simulieren, meistert die MV problemlos, besser gesagt: ohne jene Verzögerung und schlechte Dosierbarkeit, die an der F3 675 noch so störte. Die Motorcharakteristik ist alles andere als spitz, die MV setzt bei voll geöffneten Drosselklappen aus fast jeder Drehzahl zum Sprung an. Allerdings verlangt die leichtgängige, elektronische „Ride-by-wire“-Drosselklappensteuerung nach einem sensiblen rechten Handgelenk. Das Motorenupdate bringt also nicht nur mehr Leistung, sondern auch bessere Manieren.

Doch es herrscht nicht rundum eitel Sonnenschein

Das Drehzahlband oben am kompakten Digitalinstrument ist zu klein, um es vernünftig ablesen zu können. Schwerwiegender noch ist der Gangwechsel, oder besser: der serienmäßige Schaltautomat, der das Hochschalten aus dem dritten Gang nicht immer flüssig ermöglicht. Optimierungspotenzial offenbart auch die jüngst überarbeitete Traktionskontrolle, die gut funktionierte, bisweilen jedoch überraschend hart eingriff. [foto id=“479640″ size=“small“ position=“left“]So ist die vom linken Lenkerende anzuwählende „Stufe Zwei“ die empfehlenswerteste.

Eine straffere Grundabstimmung der Federelemente bei der MV Agusta F3 800 war wegen der bissigen Brembo Monoblock-Radialbremszangen nötig. Knackig, gut gedämpft und präzise fährt die MV damit, die eingeschlagene Linie hält sie souverän und stabil. Einzig das Lenkerschlagen beim Herausbeschleunigen aus den Kurven stört den guten Eindruck, hier könnte ein Lenkungsdämpfer Abhilfe schaffen. In der Bremszone gibt’s nichts zu meckern: Die stabile Gabel ist den mächtig zubeißenden Bremsen gewachsen. Angesichts der tollen Bremswirkung ist es zumindest unverständlich, dass die Ausrüstung der F3 mit ABS erst fürs nächste Jahr vorgesehen ist.

In vielerlei Hinsicht wird die 800er ihre Vorteile auf der Straße ausspielen können, wo ihre Durchzugsfreude und die exakte Gasannahme das Leben leicht machen. Die große F3 ist richtig harmonisch geworden – eine kompakte, aggressive, mit scharfem Handling und typischem Dreizylinder-Charakter gesegnete Maschine, an der noch ein paar Ecken rundgefeilt werden müssen. Mit 13 990 Euro bietet sie zurzeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis eines MV-Sportmotorrades.

Datenblatt: MV Agusta F3 800:

Motor: Straßenmotorrad mit flüssigkeitsgekühltem Reihen-Dreizylinder-Viertakt-Motor, vier Ventile je Zylinder, DOHC, Hubraum 798 ccm, Bohrung x Hub: 79,0 mm x 54,3 mm, maximale Leistung: 109 kW/148 PS bei 13 000/min, max. Drehmoment: 88 Nm bei 10 600/min, elektronische Kraftstoffeinspritzung, geregelter Katalysator, vier Power-Modi, Traktionskontrolle, Sechsganggetriebe
Fahrwerk: Gitterrohr-Leichtmetallguss-Brückenrahmen, Upside-Down-Telegabel, Aluminium-Einarmschwinge mit angelenktem Zentralfederbein, Scheibenbremsen: zwei vorn, eine hinten
Maße und Gewichte: Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, Sitzhöhe: 805 mm, Tankinhalt: 16,5 Liter, Leergewicht: 190 kg, zul. Gesamtgewicht: 370 kg
Preis: 13 990 Euro

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