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Oldtimer im Test: Ford 26M Coupe – Luxus für den kleinen Mann

Oldtimer im Test: Ford 26M Coupe - Luxus für den kleinen Mann Bilder

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Echtholz-Paneele, Automatikgetriebe und Servolenkung waren vor rund 45 Jahren ein Luxus, von dem die Hausfrau mit NSU Prinz oder Käfer vor der Tür nicht zu denken wagte Bilder

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Im Stand blubbert der betagte Vergaser unmotiviert vor sich hin Bilder

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Das Lenkrad, groß und dürr, hat viel Spiel und bewegt sich synthetisch-undefiniert mit hoher Unterstützung der Servopumpe Bilder

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 Ein wenig ist die Noblesse noch nachzuempfinden, wenn man in den mit 4,72 Metern Länge selbst für heutige Verhältnisse ausladenden Zweitürer steigt Bilder

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Im Stand blubbert der betagte Vergaser unmotiviert vor sich hin Bilder

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Das Ford 26M Coupé war einst das Flaggschiff der Marke Bilder

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Während heute die neudeutsch Premium genannten Hersteller die obere Mittelklasse unter sich aufteilen, was dieses Marktsegment vor vierzig Jahren noch anderen Marken offen. Auch Ford hatte lange Zeit eine obere Mittelklasse, die in Tests häufig gegen die edleren und teureren Produkte aus Stuttgart und München antreten musste. Technischer Anspruch und Klientel waren unterschiedlich. Das galt auch für das Ende der 1960er-Jahre installierte 26M Coupé. Im direkten vergleich gegen einen n Mercedes 250 C fiel das Kölner Coupé ab, doch für sich genommen war und ist es ein erlesenes Stück Automobil.

Das gilt erst Recht aus der Oldtimer-Perspektive,[foto id=“493944″ size=“small“ position=“right“] denn das einstige Spitzenmodell ist rar geworden. Ein großes Coupé von Ford mit 2,6 Liter-Sechszylinder – wer sich dem Thema mit der aktuellen Ford-Palette im Blick nähert, mag staunen, wie die Brot- und Buttermarke damals gestrickt war. Echtholz-Paneele, Automatikgetriebe und Servolenkung waren vor rund 45 Jahren ein Luxus, von dem die Hausfrau mit NSU Prinz oder Käfer vor der Tür nicht zu denken wagte. Ein wenig ist die Noblesse noch nachzuempfinden, wenn man in den mit 4,72 Metern Länge selbst für heutige Verhältnisse ausladenden Zweitürer steigt.

Interieur

Das Lenkrad, groß und dürr, hat viel Spiel und bewegt sich synthetisch-undefiniert mit hoher Unterstützung der Servopumpe. Auf diese Weise erhält das mächtige heckgetriebene Coupé eine gewisse Leichtigkeit. Ein Schnäppchen war der Top-Ford damals übrigens nicht und mit 13.745 Mark im Jahr 1970 auf Augenhöhe mit einem Mercedes Strichacht, wenngleich man mit dem Stern eher eine etwas magerer ausstaffierte Vierzylinder-Limousine statt einem edlem Coupé pilotiert hätte. Sechs Zylinder unter der Haube waren Bedingung, um in der automobilen Oberschicht wahrgenommen zu werden und ein Plus an Antriebskomfort zu erhaschen.

[foto id=“493945″ size=“small“ position=“left“]Im Stand blubbert der betagte Vergaser unmotiviert vor sich hin: Der Winter ist eben doch nasskalt-ungemütlich, das missfällt dem mit Startautomatik ausgerüsteten Einfach-Triebwerk. Es droht damit, den Dienst zu quittieren. Ein kurzer Gasstoß bringt es jedoch auf Linie, schnell Stufe D einlegen und Abfahrt. Unter Last und mit etwas Drehzahl gewinnt der Zwosechser mit seinen schmalen 92 kW/125 PS deutlich an Kultur und pumpt 201 Nm Spitzendrehmoment geschmeidig in den Wandler. Bei drei Fahrstufen ist es mit der Effizienz nicht weit her, und auch der Punch hält sich in Grenzen. Dennoch ist der 26M keineswegs ein Verkehrshindernis und erreicht zügig Landstraßentempo.

Nicht so ungestüm

Nicht so ungestüm in die die Kurve bitte, das mag der Schöne Kölner mit den dünnen 175er-Pneus nicht. Sein blattgefedertes Fahrwerk wehrt sich auf störrische Art gegen zu viel Querbeschleunigung. Die markanten Doppelscheinwerfer hatten früher mal Überholprestige, heute lässt man dem Coupé freiwillig den Vortritt – aus Respekt vor dem Alter. Reisen kann man in dem stets mit getönten Scheiben und Schiebedach ausgelieferten Ford noch immer ganz gut, er nimmt Straßenunebenheiten durchaus sanft.

Man vermisst unter den großen, übersichtlichen Skalen den Drehzahlmesser, auch wenn der Ford gar nicht sportlich ist – immerhin soll es ja ein Luxuscoupé sein.[foto id=“493946″ size=“small“ position=“right“] Auch elektrische Fensterheber sucht man vergebens.  Ebenso üppige wie nachgiebige Polster spiegeln den Zeitgeist der frühen Siebziger perfekt wider und eignen sich nur bedingt für weite Fahrten ins lange Wochenende – das Komfortverständnis hat sich eben doch geändert, wenn auch nicht in allen Belangen zum Positiven: Hartes Gestampfe über aggressive Querfugen, wie es heutigen, manchmal pseudosportlichen Limousinen mit extremen Niederquerschnittsreifen allzu oft zu eigen ist, sind für den Ford-Oldie kein Thema.

Fazit

Dafür litt und leidet der Ford an rostigen Blechkleidern. Auch deshalb hat der schon als Neuwagen rare 26M kaum überlebt. Entsprechend leergefegt ist der Markt für Interessenten des Coupés mit der als unkaputtbar geltenden Sechszylinder-Maschine. Wer ein solches Exemplar sucht, muss Glück oder Beziehungen zur Ford-Szene haben – viel Auswahl gibt es nicht. Umso schöner, wenn das große Ford-Coupé mal in einer KFZ-Börse auftaucht und sich dann zeigt, dass der mächtige Zweitürer noch zu zivilen Kursen erwerbbar ist: Die Preise liegen noch im vierstelligen Bereich.

Ford 26M Coupé – Technische Daten

Zweitüriges Coupés
Länge/Breite/Höhe (m): 4,72/1,76/1,46
Radstand (m): 2,71
Motor: 2,6-l-Sechszylinder-Otto mit Vergaser
Leistung: 92 kW/125 PS
maximales Drehmoment: 201 Nm bei 3.000 U/min
Vmax: 180 km/h
0-100 km/h 11 s
Ehemaliger Neupreis (1970): 13.745 DM
Heutiger Marktpreis nach Classic Data:

Note 2: 8.900 Euro

Note 3: 5.000 Euro

Note 4: 1.900 Euro

Chronik

1967: Die Ford-Baureihe P7a wird vorgestellt

1968: Die P7-Motorisierung erreicht mit dem 2,3-Liter großen V6 ihren vorläufigen Höhepunkt

1968: Nach nur zehnmonatiger Bauzeit bekommt der P7 ein umfangreiches optisches Facelift (P7b)

1969: Der nachgereichte 26M wird Flaggschiff der Modellreihe

1971: Die Baureihe läuft nach über einer halben Million Exemplaren aus

Ersatzteilpreise

Auspuff-Endtopf: etwa 150 Euro

Bremsbeläge (Satz): etwa 25 Euro

Hinterachs-Blattfeder: etwa 230 Euro

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