Rückruf-Rekord in den USA – Beängstigender Trend
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Die Rückrufe der Autohersteller erreichen in diesem Jahr auf dem US-Markt ein nie da gewesenes Ausmaß: Nach Berechnungen des Center of Automotive Management (CAM) wurden in den Staaten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 37,2 Millionen Pkw zurückgerufen, im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 11,1 Millionen.

Bereits zur Halbzeit markiert 2014 damit das größte Rückrufvolumen aller Zeiten. Gemessen an ihren Neuzulassungen verzeichnen die großen Hersteller in den USA eine Rückrufquote von 455 Prozent (Vorjahreszeitraum: 142%). Das bedeutet: Es mussten rund viereinhalb Mal mehr Fahrzeuge in die Werkstätten zurückbeordert werden als im gleichen Zeitraum im US-Markt verkauft wurden.

Den wesentlichen Anteil an diesem Negativrekord hat allerdings ein Autobauer, General Motors mit einer Rückrufquote von 1.668 Prozent. Unter anderem wegen defekter Zündschlösser mussten Millionen Autos vergangener Baujahre in die Werkstatt, das Problem wird mit mehreren, teils tödlichen Verkehrsunfällen in den USA in Verbindung gebracht. Mit 24,3 Millionen zurückgerufenen Modellen (Stand Ende Juni) zeigt GM nach Meinung der Experten ein so noch nie verzeichnetes Qualitätsdefizit. Weitere Rückrufe, die noch gar nicht in die Halbjahresstudie einflossen, sind mittlerweile angekündigt. Die zweithöchste Rückrufquote weist mit 379 Prozent Toyota auf (Vorjahr 208%). Das Unternehmen musste 4,4 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordern. Die entdeckten Mängel an den Fahrzeugen betrafen fast in der Hälfte der Fälle (47,8%) elektronische Komponenten. Mit großem Abstand folgen Probleme mit Insassenschutzeinrichtungen wie Airbags (15,9%) und Mängeln an der Bremsanlage (11,6%).

Fünf Hauptfaktoren für die wachsenden Qualitätsprobleme machte das CAM aus. So hat die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge – mit Sicherheitssystemen, motortechnischen Optimierungen und neuen Komfortausstattungen – nach Meinung der Experten Einfluss auf die Fehleranfälligkeit. Außerdem seien in den vergangenen Jahren Entwicklungs- und Produktzyklen aufgrund des hohen Wettbewerbs deutlich verkürzt worden.

Da aufgrund von Kosten-, Zeit- und Innovationsvorteilen immer mehr Aufgaben auf die Zulieferer übertragen werden, sieht die Analyse zudem den Bedarf an einem unternehmerübergreifenden, globalen Qualitätsmanagement sowie die Gefahr, dass der Kostendruck auf die Produktqualität durchschlägt. Als letzten Punkt benennen die Wissenschaftler die Gleichteile- beziehungsweise Baukastenstrategie, durch die die Gefahr besonders großer und damit kostenintensiver Rückrufaktionen entsteht.

Ein Fazit der Wissenschaftler: Der Eigendynamik von Absatzerfolgen und immer höheren Zielen müssten starke Qualitätsmanagementsysteme entgegen gesetzt werden. Starke Persönlichkeiten, die dafür Verantwortung übernehmen und sich im Zweifel gegen kurzfristige Vertriebsziele durchsetzen, seien erforderlich. Bei aufgetretenen Qualitätsmängeln müsse darüber hinaus schnell gehandelt werden, bevor bedingt durch die Gleichteilestrategie die Auslieferungen Millionenhöhen erreichen.

Nach dem Massen-Rückruf von GM, bei dem mit Kostenbelastungen in Milliardenhöhe gerechnet wird, sehen die CAM-Experten allerdings bereits einen „nie dagewesenen Domino-Effekt“ bei den übrigen Autoherstellern. Fast alle hätten eine Prüfung möglicher Qualitätsprobleme bei ähnlichen Fahrzeugkomponenten, aber auch anderen Funktionsgruppen vorgenommen.D

Die Auswertungen der CAM-Wissenschaftler beziehen zwar nur auf die USA als Referenzmarkt, der nach Expertenmeinung aufgrund seiner Absatzgröße, der relativ scharfen Sicherheitsrichtlinien und vor allem des hohen Klagerisikos aber ein aussagekräftiger Indikator für die Produktqualität der Automobilkonzerne ist. Obwohl für andere Märkte wie Westeuropa noch kein Datenmaterial vorliegt kann man aber davon ausgehen, dass auch auf diesen Märkten verstärkt Rückrufe zu beobachten sein werden. Wenn vielleicht auch nicht im gleichen Ausmaß: Denn die in den USA für zwei Drittel aller Rückrufe verantwortlichen GM-Modelle, sind in Europa nur äußerst selten anzutreffen.

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