Land Rover

Test: Land Rover Defender 110 Station Wagon – Von altem Schrot und Korn

Dass es ihn überhaupt noch gibt, ist eine Laune der Automobilgeschichte. Schon mehrfach schienen die Tage des klassischen Land Rover gezählt – schließlich debütierte er in seiner ersten Evolutionsstufe schon 1948. Im Jahre 1990 wurde ihm vom Marketing die Modellbezeichnung Defender verpasst.

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Der Land Rover verschafft sich schon durch seine schiere Größe ein beeindruckendes Entrée. Der von uns getestete Stationswagen mit [foto id=“381370″ size=“small“ position=“right“]langem Radstand ist nicht nur ähnlich lang und breit wie moderne Geländewagen, er ist zudem mehr als zwei Meter hoch. So befindet sich der Fahrer auf Augenhöhe mit 7,5-Tonnern, während die Phalanx normaler SUV – von Personenwagen ganz zu schweigen – weit von oben herab betrachtet wird. Wer sich allerdings ein insgesamt großzügiges Raumgefühl erhofft, wird enttäuscht. Der Fahrer sitzt relativ dicht am Lenkrad, das konsequent auf einen Airbag verzichtet. Nochmals höher sitzt man im Fond.

Um die Übersichtlichkeit nach hinten ist es trotz des kastenförmigen Aufbaus schlecht bestellt, weil die D-Säulen unmäßig breit ausgefallen sind. Vor dem Zurücksetzen sollte man sich unbedingt vergewissern, ob etwa [foto id=“381371″ size=“small“ position=“left“]ein Kleinwagen oder Roller hinter dem Land Rover parkt. Durch die Heckscheibe wären sie praktisch nicht zu erkennen. Um das eigene Blech braucht man sich dabei allerdings weniger Gedanken zu machen als um die anderen Verkehrsteilnehmer: Die Karosserie des Land Rover ist ab Werk so wellig, dass es auf eine Delle mehr oder weniger kaum ankommt. Nach vorn ist die Sicht übrigens gut: Die Karosserieecken sind deutlich sichtbar – eine Wohltat.

Einen Hauch von Modernität bringt übrigens das 2007 nachgereichte Armaturenbrett in den Land Rover; Puristen werden keinen Gefallen an ihm finden. Der Gepäckraum könnte in Anbetracht der Fahrzeugdimensionen voluminöser sein, und der simple Umklappmechanismus der Rückbank sorgt leider dafür, dass viel Platz verschenkt wird.

Der offenbar nur mit großem Widerwillen und erheblicher Verzögerung dem Zeitgeschmack angenäherte Land Rover vermittelt noch heute das Flair eines Arbeitsgerätes für entbehrungsreiche Expeditionen. Tatsächlich verfügt der Brite über [foto id=“381372″ size=“small“ position=“right“]die Eigenschaft, selbst moderne Technik in der subjektiven Wahrnehmung um Jahrzehnte altern zu lassen. So etwa den aus dem Ford Transit stammenden Vierzylinder-Dieselmotor, der den Treibstoff – unabhängig vom Fahrstil fließen meist rund 11 l/100 km durch die Einspritzanlage – vorwiegend in Geräusch und Vibrationen umzuwandeln scheint. Der Vortrieb lässt indessen zu wünschen übrig, und bereits bei 130 km/h setzt ein Begrenzer dem bescheidenen Geschwindigkeitszuwachs ein unpräzise eingeregeltes Ende. Dabei gelingt es dem knochigen Getrag-MT82-Getriebe trotz des lärmenden Motors, sich mit schabenden Lagergeräuschen in den Vordergrund zu rücken. Zu allem Überfluss war der sechste Gang bei unserem Testwagen ungenügend synchronisiert.

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Auch das Fahrverhalten ist dazu geeignet, mit jeglicher Verklärung vergangener Automobilepochen gründlich aufzuräumen. Die unpräzise und trotz Servounterstützung relativ schwergängige Rollenfinger-Lenkung erfordert häufige Nachkorrekturen, das Fahrwerk mit zwei Starrachsen ist holprig und in unbeladenem Zustand relativ unkomfortabel abgestimmt. Größe zeigt der Land Rover beim Wendekreis – knapp 13 Meter sind ein ungewöhnlich hoher Wert. Dafür sind die Eigenschaften im Gelände hervorragend. Mit hoher Bodenfreiheit, permanentem Allradantrieb, Mittendifferentialsperre und Geländeuntersetzung lässt der Brite, wenn es darauf ankommt, die meisten modernen SUV weit hinter sich.

Zum Modelljahr 2012 wird der hochbetagte Geländewagen noch einmal überarbeitet. Dann weicht der von uns getestete 2,4-Liter-Motor einem direkt von ihm abgeleiteten 2,2-Liter-Aggregat, [foto id=“381374″ size=“small“ position=“right“]das nichts mit dem modernen 2,2-Liter-Turbodiesel aus den modernen Land Rover-Typen gemein hat. Abgeregelt wird dann erst bei 145 km/h. Ansonsten bleibt der Land Rover Defender ganz der alte – und das ist auch gut so. Denn bei aller Kritik haben wir in dieser Saison kaum so viel Vergnügen mit einem Testwagen gehabt wie bei der Bändigung dieses knorrigen Briten. Erschwinglich ist er überdies. Aber wer den Schritt in die frühe automobile Nachkriegszeit wagt, sollte wissen, worauf er sich einlässt – und den Land Rover ausgiebig probefahren.

Land Rover Defender 110 Station Wagon – Kurzcharakteristik:

Alternative zu: Mercedes G-Modell Professional – der ist zwar zivilisierter, aber doppelt so teuer
Sieht gut aus: überall – der Land Rover ist zeit- und klassenlos
Passt zu: absichtsvollen Kunden, die sehr genau wissen, worauf sie sich einlassen

Land Rover Defender 110 Station Wagon – Technische Daten:

Fünftüriger, fünfsitziger Geländewagen, permanenter Allradantrieb mit Geländereduzierung

Länge 4,64 m
Breite 1,79 m
Höhe 2,02 m
Radstand 2,79 m
Motor 2,4-Liter- (MJ 2012: 2,2-Liter-) Turbodiesel
Leistung 90 kW/122 PS bei 3.500 U/min
Drehmoment 360 Nm bei 2.000 U/min
0-100 km/h 17,0 s
Vmax 130 (145) km/h
Verbrauch 11,0 l/100 km
Emissionen 291 g CO2/km
Preis ab 31.200 Euro

 

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