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BMW 118d: Eine Frage des Charakters

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Der 118d ist der Basis-Diesel für den 1er BMW. Seine unbescheidene Aufgabe: sparen, aber nicht am Fahrspaß. Ein Praxistest mit dem Golf-Konkurrenten aus Bayern.

Unterschiede gefunden

Fragen Sie einen BMW-Fan, was er an den Autos der Weiss-Blauen so schätzt, bekommen Sie „Fahrspaß“ und „Dynamik“ zu hören. Meist wird auch vom seidigen „Reihensechser-Benziner“ geschwärmt. Letzteren hat der 118d nicht unter der Haube, sondern einen Vierzylinder-Turbodiesel. Und den auch nicht mit 1,8 Liter Hubraum, wie das Typenschild vorgaukelt, sondern mit zwei Litern. Genau genommen ist der 118d ein abgespeckter 120d. Statt 163 PS gibt es 122 PS – und eine Preisersparnis von 2.800 Euro. Mit 22.900 Euro hat der kleine Diesel aber weder Klimaanlage noch Radio oder Rußpartikelfilter an Bord. Daher sollten bei der Bestellung noch einige Tausender für die üblichen Extras einkalkuliert werden. Dafür gibt es aber auch ein Fahrzeug, das im Kompaktsegment seinen eigenen Weg geht.

Anders sein

Der 1er demonstriert auf den ersten Blick seine Sonderstellung: Scharfe Kanten und pralle Flächen, die sich provokant nach innen oder außen wölben. Weder Golf noch Astra oder gar ein Toyota Corolla bieten ein solch gewagtes Formenspiel. Geschmacksache, was hier nicht diskutiert werden soll. Eher schon das iDrive-Bediensystem, das alle 1er mit aufklappbarem Navigationssystem an Bord haben. Nachdem es seit der Premiere im 7er mehrfach entschlackt wurde, kann man inzwischen damit leben. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass jeder Blick auf ein Display vom Verkehrsgeschehen ablenkt. Immerhin sind inzwischen die wichtigsten Funktionen wie Lautstärke des Radios oder die Temperaturregelung ganz klassisch über die guten alten Drehregler oder Knöpfe zu erreichen. Friede der Technik. Im Laufe des zweiwöchigen Tests wich die anfängliche Skepsis allmählich aufrichtiger Anerkennung. Bis auf die Platzierung der Hebel von Blinker und Tempomat, bei der Fehlbedienung durch Verwechslung vorprogrammiert ist, macht der Alltag im 118d richtig Spaß.

Groß und klein

Die Inneneinrichtung präsentiert sich auf den ersten Blick sportlich-edel. Bei näherer Betrachtung werden aber besonders die Kunststoffe der silbernen Zierblenden dem Premium-Anspruch nicht ganz gerecht. Nettes Detail: Gestartet wird per Knopfdruck, nachdem zuvor der bartlose Schlüssel rechts neben dem Lenkrad in einen Schlitz geschoben wurde. Eine Zwischenlösung zum optional verfügbaren Keyless-Go. Damit kann das Fahrzeug geöffnet und gestartet werden, während das Schlüssel-Funkmodul in der Jackentasche bleibt. Im Praxistest fühlten sich zierliche 1,60-Meter-Frauen und 1,90-Meter-Männer gleichermaßen hinter dem griffigen Multifunktionslenkrad wohl – solange der Blick nach vorne gerichtet ist. Beim rückwärts Einparken ist das Sichtfeld durch die breiten Dachsäulen und das kleine Fenster nämlich arg eingeschränkt. Einfacher geht das mit der akustischen Einparkhilfe (Option).

Typisch BMW

Die Antriebskraft wird zu den Hinterrädern geleitet. Motor und Getriebe sind nicht wie bei der Frontantriebskonkurrenz quer vor der Vorderachse sondern längs dahinter eingebaut. Für eine ausgeglichene Gewichtsverteilung wanderte auch die Batterie ins Heck. Das BMW-typische Fahrzeuglayout nutzt der Dynamik, schadet aber dem Raumangebot. Dennoch kreierten die Bayern einen Arbeitsplatz, der wie ein Maßanzug passt. Tatsächlich finden vier Personen bequem Platz. Nummer fünf darf mit, sollte sich das auf dem Mittelplatz der Rückbank aber nur auf kurzen Strecken antun. Denn der Kardantunnel des Heckantriebs benötigt recht viel Platz. Ins Heck passen 330 Liter Gepäck. Durch Umklappen der Rückenlehne entsteht eine fast ebene Ladefläche, allerdings muss das Gepäck über eine hohe Ladekante gewuchtet werden.

Sportliche Momente

Die Stärken des Fahrzeugkonzepts sind auf der Straße mit jedem Meter erfahrbar. An den antriebslosen Vorderrädern zerren nämlich keine Drehmomentattacken. Die Reifen können sich auf die Übertragung der Seitenführungskräfte beschränken. In der Praxis ergibt das ein leichtfüßiges Kurvenverhalten mit wenig Seitenneigung. Jedoch übertreibt es das straffe Fahrwerk bei langsamer Fahrt mit dem Bodenkontakt. Tiefe Schlaglöcher und kurze Bodenwellen werden trocken zu den Passagieren weiter gereicht. Dagegen sind auch die bequemen Sitze machtlos.

Fahren und sparen

Auf trockenem Asphalt bringt der Testwagen seine 122 PS (90 kW) locker auf die Straße. Schließlich wurde das Fahrwerk für deutlich stärkere Motoren konzipiert. Im Winter hilft die Traktionskontrolle und das elektronische Stabilitätsprogramm DSC die fehlenden Kilos auf der Antriebsachse auszugleichen. In 10 Sekunden geht es von null auf Tempo 100. Doch die Sechsgangschaltung des Testwagens erreichte nicht ganz die leichtgängige Perfektion, mit der die Bayern sonst Gangwechsel absolvieren. Auf der Autobahn wird die prestigeträchtige 200-km/h-Marke mit etwas Anlauf gemeistert. An Autobahnsteigungen sorgen 280 Nm Drehmoment für den dieseltypischen Biss. Allerdings fällt der Zwischenspurt nicht so brachial aus wie bei manchem Wettbewerber. Fahr- und Windgeräusche bleiben dafür dezent, der Diesel verwöhnt mit angenehmer Laufruhe. Auch an der Tankstelle glänzt der Bayer: Fünf Liter sind kein Problem, mehr als zehn werden es eigentlich nie. Im Alltag sind Werte zwischen sechs und sieben Liter üblich.

Fazit

Auch der kleinste Diesel der 1er-Reihe polarisiert. Der 118d stellt Fahrdynamik über alle anderen Eigenschaften. Dadurch wirkt er nicht so ausgewogen wie ein Golf. Man könnte es auch Charakter nennen. Gerade dafür lieben ihn seine Fans.

www.mototype.de, Holger Schilp

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