BMW F 800 ST: Sportlich touren
BMW F 800 ST: Sportlich touren Bilder

Copyright: auto.de

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BMW bietet mit der F 800 ST einen Sporttourer der Mittelklasse, der sich preislich im oberen Teil des Segments bewegt. Ob das gerechtfertigt ist, wird unser Test zeigen. auto.de hat sich eine Vertreterin aus Bayern kommen lassen.

Die F 800 ST ist ein Tourensportler. Schon der Name verrät ihre Absichten: ST steht für Sport und Tour. Sie will den Spagat zwischen Landstraßenhatz und Lofotenreise schaffen. Der erste Eindruck bestärkt den Glauben daran, dass dieses Anliegen gelingen kann. Die Anordnung der Instrumente ist ein Mix aus analogen und digitalen Komponenten und liefert neben den Basisinformationen noch nützliche Features, die vor allem auf Reisen erfreuen: Tankuhr, Gang-, oder Temperaturananzeige sind gern gesehene Helferlein auf großer Fahrt. Eine Übersicht über den Luftdruck in Vorder- und Hinterreifen vermittelt zusätzlich ein sicheres Gefühl.

Von allem reichlich

Die Sitzposition ist der sportlichen Erscheinung zum Trotz sehr aufrecht. Lange Strecken sind in Kombination mit dem guten Windschutz kein Problem. Zum Rundumpaket allerdings fehlt eine einstellbare Scheibe, die der Fahrsituation und der Größe des Piloten angepasst werden kann. Die Lenkerstummel haben ebenfalls touristischen Anspruch, sind angenehm hoch positioniert und befördern die bequeme Sitzposition auf dem bajuwarischen Mittelklassebike. Ab Werk spendiert BMW auch der ST eine Griffheizung. Das zweistufige System funktioniert einwandfrei.

Etwas enttäuschend ist die Performance der Vollverkleidung. Im Gegensatz zu Ihrem Schwestermodell, der F [foto id=“363430″ size=“small“ position=“right“]800 S (S wie Sport), verfügt die ST lediglich über zwei zusätzliche Verkleidungsseitenteile am Motorblock – bietet allerdings nicht das erwartete Plus an Wetterschutz. Im Testbetrieb waren nasse Füße bei Regenausfahrten die Folge. Ärgerlich. Dieses Prädikat trifft leider auch für die Schaltbox zu, obwohl BMW diese nach heftiger Kritik zur Markteinführung 2006 gründlich überarbeitet und verbessert hatte. Die Suche nach dem Leerlauf allerdings kann manchmal nervenaufreibend lang dauern kann.

Ist die Fuhre erst einmal in Bewegung, bereitet sie viel Freude. Der höhere Lenker als bei der S-Schwester kommt dem Handling zugute. Willig und präzise lässt sich die BMW in die Kurven dirigieren. Die Lenkimpulse werden direkt umgesetzt. Positiv fällt auch das Fahrwerk im Fahrbetrieb auf. Die BMW bleibt präzise auf Kurs und folgt stoisch der Direktive der Fahrers. Schlechte Fahrbahnbeläge steckt das einfach zu justierende Federbein weg, die Telegabel zeigt sich ebenfalls unbeeindruckt von den Unebenheiten der Straße.

Der erste Eindruck der Bremsanlage vermittelt sportliche Ambitionen, kann ihn allerdings nur teilweise einlösen. Die großen vorderen Scheiben (320 Millimeter) sehen massiv aus, jedoch stört echte Sportfans die schlechte Dosierbarkeit der Anlage aus dem Hause Brembo. Bei intensiver Beanspruchung geht außerdem der Druckpunkt auf Wanderschaft.

Spurtstark und sparsam

Der Paralleltwin aus Österreich kann in der Mittelklasse-Bayerin voll überzeugen. Weniger als vier Sekunden braucht die ST für den Spurt auf 100 km/h und erst jenseits der 200 km/h hat der Vortrieb ein Ende. 85 PS leistet das Aggregat und hat wenig Mühe mit dem lediglich 200-Kilogramm-Motorrad. 86 Nm Drehmoment sorgen in Verbindung mit dem wartungsarmen Zahnriemenantrieb – das Inspektionsintervall liegt bei 10.000 Kilometern – für ausreichend Kraft in jeder Lebenslage.

Beim Thema Sicherheit ist BMW seit jeher Vorreiter. Schön: Kaum eine F 800 ST auf dem Markt wird ohne ABS ausgeliefert. Nicht schön: Die Stotterbremse steht auf der Zubehörliste und kostet 710 Euro extra. Hier bietet sich Herdentrieb an, denn es gibt keinen Grund, das sinnvolle Feature nicht zu ordern. Blind lässt sich so in jeder Fahrsituation der Anker werfen, der Assistent funktioniert stets einwandfrei und bringt die Fuhre sicher zum Stehen. Eine Traktionskontrolle ist nicht verfügbar, bei 85 PS Leistung auch nicht nötig. Ein Extralob konnte sich die Bajuwarin im Kapitel Verbrauch sichern: Selbst bei hohen Autobahngeschwindigkeiten ließ sich der [foto id=“363431″ size=“small“ position=“left“]Durchschnittsverbrauch kaum über fünf Liter Sprit pro 100 Kilometer treiben. Im Mix konsumierte die F 800 ST im Testbetrieb 4,5 Liter.

Teuer, aber hochwertig

Leider nicht serienmäßig an Bord, aber eine sinnvolle Ausstattungsoption ist das Touringpaket für 500 Euro Aufpreis. Dann sind neben Bordcomputer und Heizgriffen auch das Koffersystem samt Halterung verbaut. Positiv fiel die Gepäckabteilung auf: Sie bietet flexiblen Stauraum und ist leicht bedienbar. Alles in allem kam die Testmaschine auf einen Gesamtpreis von 11.575 Euro. Neben den vorher genannten Optionen sind in diesem Preis noch die Sonderausstattungen Reifendruckkontrolle und Metalliclackierung enthalten.

Fazit

Auch für deutlich weniger als 10.000 Euro kann man in der Liga der sportlichen Mittelklassebikes fündig werden. Dann stammt die Maschine aus Nippon und ist etwa eine Yamaha Fazer8 (ab 8850 Euro) oder eine Honda CBF 600 (ab 7340 Euro). Doch die Qualität von BMW ist gewohnt auf hohem Niveau. Zudem ist der weiß-blaue Sporttourer eine Maschine mit hohem Werterhalt. Insgesamt ist an allen Ecken des Fahrzeugs die Erfahrung von BMW im Bau von hochwertigen Reisemaschinen zu spüren. Auch der Antrieb der 800 ST konnte überzeugen: spritzig, sparsam und bei Bedarf sportlich.

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