Deutschland ist schön: Das Ruhrgebiet – neue Kultur nach Schicht im Schacht
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Ein Hauch von Urlaub im Süden: Strand am Baldeneysee. Bilder

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Wasserstraße: Das Ruhrgebiet ist auch von Kanälen durchzogen. Bilder

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Idyll: Der Baldeneysee liegt im Süden der Ruhrmetropole Essen. Bilder

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Weltkultur: Förderturm der Zeche Zollverein in Essen. Bilder

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Essen – Eine Region im Wandel: Längst ist das traditionsreiche Ruhrgebiet dabei, sich ein neues Image zu geben, und zwar weg vom ausschließlich industriell geprägten und hin zu einer vielfältigen, genauso kulturell wie landschaftlich reizvollen Region, die neben dem ungarischen Pécs und dem türkischen Istanbul im Jahr 2010 sogar als Kulturhauptstadt Europas firmierte.

Mit symbolischem Charakter

Essen, Zeche Zollverein. Das Datum hat durchaus symbolischen Charakter: Am 23. Dezember 1986 war Schicht im Schacht. Nach 135 Jahren fuhren die Bergleute letztmals dort ein. Einst, so steht es in einer „Tour de Ruhr“-Beschreibung, hatten sie es mit 12 000 Tonnen geförderter Kohle pro Tag zum größten Brennstofflieferanten im Revier gebracht. Doch Aufwand und Ertrag schienen trotz staatlicher Subventionen in ein immer größeres Missverhältnis zu geraten.

Kunst statt Kohle

Der Kohleabbau sollte weichen, die „schönste Zeche der Welt“, seit 2001 Weltkulturerbe, aber bleiben. Experten nennen die architektonisch im Bauhaus-Stil neuer Sachlichkeit gehaltene Anlage, heute eine Kunst- und Kulturstätte, einen industriellen Vorzeigebau. Die von Künstlern und Kreativen als Atelier genutzten Hallen sind denkmalgerecht saniert. Im Kesselhaus von Schacht XII ist ein Designmuseum untergebracht. Aus einem anderen Schacht ist ein Forum für Choreographie und Tanz geworden. Nicht weit davon entfernt, in einem monumentalen Kubus-Bau, hat eine Abteilung der Folkwang-Universität der Künste ihren Sitz.

Kein Feuer mehr im Hochofen

Wir verlassen Essen Richtung Osten. Erste Station Duisburg-Meiderich. [foto id=“504926″ size=“small“ position=“left“]Stopp im Landschaftspark Nord. 37 Millionen Tonnen Roheisen sind, so lesen wir, in 84 Jahren im dortigen Hüttenwerk einst produziert worden. „Damit“, so vergleicht es unser Führer, „hätten über 5000 Eiffeltürme gebaut werden können.“ Mit der Überkapazität auf dem europäischen Stahlmarkt ging demnach 1985 auch im letzten Hochofen das Feuer aus. Die Folge: Eine etwa 400 Fußballfelder große Industriebrache entstand.

Vom Klettern bis zum Tauchen

Seit 1994 sind in den Erzlagerbunkern des ehemaligen Thyssen-Werks nunmehr alpine Klettergärten angelegt, in einer Gießhalle verläuft ein Hochseilparcours, ein Hochofen dient als Aussichtsturm, im teilweise gefluteten Gasometer soll sich Europas größtes künstliches Tauchsportzentrum befinden. Alles zusammen den Angaben zufolge ein Angebot für mittlerweile jährlich über eine halbe Million Besucher.

Erfolgreiche Emscher-Renaturierung

Bevor sie in den Rhein mündet, fließt die Emscher über 80 Kilometer an Dortmund, Recklinghausen, Herne, Gelsenkirchen, Essen, Bottrop, Oberhausen und Duisburg vorbei. Früher eher ein Abwasserkanal für industrielle Betriebe, sind die Städte inzwischen erfolgreich um die Renaturierung des über einen 34 Kilometer langen Landschaftsstreifen mit dem Rhein-Herne-Kanal verbundenen Flüsschens bemüht. Auf dem „Emscher-Insel“ genannten Streifen war mit der „Emscherkunst 2010“ vor vier Jahren das größte Kulturhauptstadt-Kunstprojekt zu sehen.

Rundblick übers Revier

Wer sich eine Übersicht über die Region verschaffen will, kann dies in Bottrop gut vom 120 Meter hohen Tetraeder auf der Halde Beckstraße tun. Bei der zum Wahrzeichen gewordenen Stahlpyramide handelt es sich um einen frei begehbaren Aussichtsturm, der bei klarer Sicht einen 40 Kilometer reichenden Rundblick über Rhein-Ruhr bietet. Auf dem Südrücken der spiralförmig angelegten Bottroper Halde Haniel finden Kunst und Kirche gleichermaßen ihren Platz. Auf 126 Meter Höhe ist 1998 in Form einer Bergarena dort ein ungewöhnliches Amphitheater entstanden, in dem schon „Jedermann“, „Sommernachtstraum“, „Dreigroschenoper“, „Cabaret“ und „Aida“ vor surrealer Kulisse über die Bühne gingen. Papst Johannes Paul II. hat übrigens der Vorlage zufolge das Gipfelkreuz dort, das den Abschluss eines aus 15 Stationen bestehenden Kreuzweges bildet, persönlich geweiht.[foto id=“504927″ size=“small“ position=“right“]

Beispiel für den Wandel

Auch vom Dach des Gasometers in Oberhausen kann man den Blick weit schweifen lassen. Der riesige, 1927 gebaute, 1988 stillgelegte und danach ebenfalls zum Veranstaltungsort umfunktionierte Behälter hat als Europas größter Gasspeicher über sechs Jahrzehnte hinweg die umliegenden Industriebetriebe mit Gas versorgt. „Er steht ebenfalls“, so stellt es unser aktueller Ruhrgebiets-Führer fest, „exemplarisch für den Strukturwandel der gesamten Region.“

Stillleben statt Stillstand

Wir sind zurück Richtung Essen auf der „Schlagader des Ruhrgebiets“, der 60 Kilometer langen A40, unterwegs. Mit 140 000 Fahrzeugen pro Tag soll sie die Autobahn mit dem höchsten Verkehrsaufkommen Deutschlands sein – und entsprechend mit den meisten Staus. 2010 ist aus dem Stillstand dann in der Tat ein Stillleben geworden, als der Ruhrschnellweg wiederum im Rahmen des „Ruhr 2010“-Projekts für ein Begegnungsfest der Kulturen, der Generationen und der Nationen sechs Stunden lang gesperrt worden war. In Höhe Mühlheim biegen wir von der A40 ab, Ziel Baldeneysee. Mit über 2,6 Quadratkilometern gilt er als größter der sechs Ruhr-Stauseen, lohnend vor allem für Wassersportler.

Zeugnisse vergangener Jahrhunderte

Rundherum Zeugnisse vergangener Jahrhunderte. Die mittelalterliche Ruine Neu-Isenburg. Das noch gut erhaltene Schloss Baldeney. Die Villa Hügel, Familiensitz der Krupps. Nicht weit ein Förderturm, auch er längst denkmalgeschützt, diesmal der Zeche Carl Funke. Im Ruhrgebiet holt die industrielle Vergangenheit einen immer wieder ein. Selbst hier am See.

Info Ruhrgebiet

Der Fluss Ruhr hat der Region um Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Oberhausen und Mülheim sowie um die Kreise Ennepe-Ruhr, Recklinghausen, Unna und Wesel ihren Namen gegeben. Mit über fünf Millionen Einwohnern stellt das gut 4400 Quadratkilometer große, in der Vergangenheit vor allem von Industrie und Kohleabbau geprägte Ruhrgebiet laut Internetlexikon Wikipedia den größten Ballungsraum Deutschlands und den fünftgrößten in Europa dar. Als Metropolregion Rhein-Ruhr sind es sogar über zehn Millionen Einwohner und rund 7000 Quadratkilometer Fläche. 20 der 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands haben ihre Zentralen im Ruhrgebiet. Zu den bekanntesten zählen RWE, Thyssen-Krupp, Evonik, Klöckner, Aldi oder Hochtief in Essen. Mit 1000 Industriedenkmälern, 250 Festivals und Festen, 200 Museen, 120 Theatern, 100 Kulturzentren, 100 Konzertstätten und drei Musicalbühnen verfügt die Region über das dichteste Kulturnetzwerk Europas.

Service Auto

Das vor allem industriell und wirtschaftlich wichtige Ruhrgebiet ist auch autobahnmäßig von überall her gut angebunden. Je nachdem, wohin man will, muss man im Ruhrgebiet selbst nur aufpassen, dass man unter den vielen Autobahnen tatsächlich auch die richtige erwischt. Von Hamburg nach Essen sind es über die A1 über Bremen und Münster etwa 365 Kilometer, von Berlin über die A2 über Magdeburg, Hannover, Bielefeld und Dortmund rund 530, von Dresden über die A14, A38 und A4 über Leipzig, Göttingen und Dortmund knapp 450, von München über die A9 und die A3 über Nürnberg, Würzburg, Frankfurt/Main und Köln mehr als 630 und von Stuttgart über die A81, A5 und A3 über Heilbronn, Heidelberg, Darmstadt und Köln nahezu 430 Kilometer.

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