Entwickler-Ostereier im Auto – Der Hai im Handschuhfach
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Das Z auf der Flanke des Z4 ist klar zu erkennen. Ob es auch eine 4 gibt, darüber streiten sich die Geister Bilder

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Der Fingerabdruch an der Fondtür des Renault Zoe ist aus dieser Distanz nur zu erahnen Bilder

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Wer genau hinschaut, erkennt im rechten Scheinwerfer des Ford GT eine 100. Die Nullen sind die Leuchten, die Eins findet sich li Bilder

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Den Hai im Handschuhfach dürften auch viele Corsa-Fahrer nicht kennen Bilder

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Wer Ostereier sucht, wird nicht nur im eigenen Garten fündig, sondern manchmal auch im eigenen Auto. Immer wieder gelingt es Designern und Entwicklern, versteckte Gags und Funktionen an den Controlling-Instanzen der Unternehmen vorbei zu schmuggeln. Zur eigenen diebischen Freude – und manchmal auch zur Freude des Kunden. Wir haben einige der unter Fachleuten „Easter Eggs“ genannten Überraschungen gesammelt.

Zu den bekanntesten versteckten Gags zählt der Hai im Handschuhfach des Opel Corsa, trotzdem wird der Meeresräuber wohl den meisten Fahrern des Kleinwagens bislang verborgen geblieben sein. Selbst bei unternehmensinternen Prüfungen der Vorserienmodelle – so die Legende – fiel der offenbar von einem zu Scherzen aufgelegten Innenraum-Designer eingeschmuggelte Fisch keinem der Verantwortlichen auf. Erst als der Vorstand zur Abnahmefahrt antrat, wurde der Gag enttarnt. Denn die Chefs hatten genau hingeschaut und den Hai an den Seitenflächen des aufgeklappten Handschuhfachs entdeckt – deutlich in den Kunststoff gepresst, komplett mit Schnauze, Kiemen und Rückenflosse. Eine Änderung wäre wohl mit etwas Aufwand noch möglich gewesen, offenbar hatte der vergleichsweise kostenneutrale Scherz aber den Geschmack des Vorstands getroffen.
 
Noch heute verlassen daher alle Corsa mit einem Hai an Bord das Band. Und mittlerweile auch andere Modelle der Marke mit dem Blitz, denn der Meeresjäger ist bei Opel längst zum Running-Gag geworden. Unter anderem findet er sich auch beim Zafira (unter einer Gummimatte in der Ablage) und im Adam (gleich fünf Mal, unter anderem an den Becherhaltern).
 
Den humorvollen Handschuhfach-Entwickler wird es freuen. Er hat sein Ziel erreicht, wie vor ihm auch viele seiner Vorbilder. Die Ursprünge der modernen „Easter Eggs“ oder Ostereier liegen in der Software-Entwicklung. Vor allem in den 80er-Jahren wurden etwa PC-Spiele wie am Fließband produziert – von öffentlich unbekannten Entwicklern. Ihre Namen tauchten weder auf der Verpackung noch im Vor- oder Nachspann auf, so dass sie begannen, eigene Spuren in das Spiel zu schmuggeln. Das waren häufig Namen, Fotos oder andere Verweise auf ihre Person. Sichtbar waren diese nur dann, wenn Spieler zufällig bestimmte Tastenkombinationen drückten oder ein verstecktes Rätsel lösten. Über die Zeit entwickelten sich mannigfache Varianten von mehr oder weniger verborgenen „Easter Eggs“. Aber auch schon lange vorher war das geheime Spurenlegen populär – man denke nur an die zahlreichen versteckten Selbstbildnisse, die etwa Michelangelo in seine Werke montiert haben soll.
 
Weniger um Insider-Witze oder individuelle Eitelkeiten dreht es sich allerdings beim Osterei des BMW M3. In der zwischen 2002 und 2007 gebauten Generation des Mittelklasse-Sportlers (E46) hatten die Techniker eine Renn-Start-Funktion versteckt, die trotz Automatik-Getriebes den Kavalierstart mit qualmenden Reifen ermöglicht – ein begehrtes Feature bei der Klientel derartig motorisierter Autos.
 
Wer den Schleuderschutz ESP deaktiviert, das Schaltprogramm 6 des sequentiellen Getriebes wählt und den Gangwahl-Hebel gedrückt hält, kann den Motor im Stand bis 5.000 Touren drehen lassen. Nimmt er dann die Hand vom Schaltknauf, macht der Wagen einen Sprung nach vorne und beschleunigt mit maximaler Kraft. Im Handbuch tauchte die Funktion zunächst nicht auf – mit gutem Grund, belastet sie das Getriebe doch stark. Dokumentierte die Bordelektronik zu viele derartige Starts, zog BMW bei nötigen Reparaturen offenbar auch schon mal die Fahrzeuggarantie ein. In den USA war die Funktion daher ab Werk gar nicht an Bord. Kunden mussten zum Händler und sich ein inoffizielles Software-Upgrade abholen. Heute sind zahlreiche Sportwagen auch ganz offiziell mit derartigen Race-Start- oder Quick-Launch-Funktionen ausgestattet.
 
Das weitaus größte Ostereier-Feld findet sich aber beim Design. Jüngstes Beispiel ist etwa das Elektroauto Renault Zoe. Wer sich die Griffe der Fondtüren genau anschaut, entdeckt ein Fingerabdruck-Muster – es stammt vom Daumen des Zoe-Designers Jean Sémériva. Noch leichter – nämlich schon von weitem – lässt sich der Design-Gag des BMW Z4 der ersten Generation entdecken. Bei Roadster und Coupé bilden die Kanten und Linien der seitlichen Karosseriepartie ein stilisiertes „Z“. Mit ausreichend Phantasie lässt sich sogar noch eine „4“ vor dem hinteren Radhaus entdecken.
 
Spaß am Eier-Verstecken haben offenbar auch die Designer von Ford. Beim Supersportwagen GT etwa bilden Elemente im Scheinwerfergehäuse die Ziffer „100“ – Hommage an die Premiere des Coupés, die 2003 zum 100. Firmenjubiläum erfolgte. GM-Tochter Jeep ist ebenfalls lustig drauf und versteckt an einigen Versionen des Geländewagens Wrangler die Zeichnung eines kleinen Offroaders in den schwarzen Umrahmungen der Heckscheibe. Und beim Sportwagen Corvette machten sich die Entwickler den Spaß, in einigen Versionen ein Bild des inoffiziellen Maskottchens „Jake“ zu verstecken. Beim ZR1 etwa findet sich der stilisierte Totenkopf auf der Motorabdeckung.
 
Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Und sie wird in den kommenden Jahren wohl noch länger werden. Denn die modernen Infotainment-Systeme mit ihren Apps und Online-Anschlüssen drängen für das Verstecken von Sonderfunktionen und kleinen Witzchen förmlich auf. Mit der Rückkehr der „Easter Eggs“ in die Auto-Software würde sich dann auch wieder ein Kreis schließen.

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