Jaguar

Fahrbericht Jaguar XJ 3.0: Solide Basis

Er sah aus wie sein Vorgänger, die Revolution war mal wieder ausgeblieben. Doch die dritte XJ-Generation hat einiges an High-Tech untern Blech, die wichtigsten Neuheiten sind die aufwendig verarbeitete Aluminiumkarosserie und die Luftfederung. Damit ist der Brite leichter als die Konkurrenz und deshalb auch mit einem Dreiliter-Benziner mit 175 kW/ 238 PS durchaus nicht untermotorisiert.
Jaguar XJ. Foto: Auto-Reporter/Jaguar
Die Optik des edlen Briten ist weiter klar und definiert ihn sofort als Jaguar. Lange Überhänge sorgen für Eleganz. Das er dabei schlanker als die wuchtigeren deutschen Mitbewerber vorfährt, macht ihn allein als Designalternative interessant. Die elegante Linienführung sorgt für neidische Blicke anderer Verkehrsteilnehmer und macht Jaguar-Fahren nach wie zu etwas Besonderem.
1545 Kilo sind für ein 5,09 Meter langes Auto ein sehr guter Wert, eine S-Klasse oder ein 7er BMW bringen 400 bis 500 Kilo mehr auf die Waage. So fährt sich der XJ auch recht agil trotz des "kleinen" Motors. Die Luftfederung sorgt je nach Gangart für eine optimale Abstimmung. Sehr komfortabel bei langsamer Fahrt, deutlich straffer und sportlicher bei schneller Gangart, weil sich die Karosserie elektronisch gesteuert absenkt. Auch die Beladung spielt eine große Rolle, selbst mit vier Personen an Bord kommt die Federung nicht an ihre Grenzen. So macht die Kurvenhatz auch in einem großen Auto erstaunlich viel Spaß. Wer Gas gibt, muss allerdings die Zeche an der Tankstelle zahlen. Dann sind es schon mal 14 Liter Super, die durch den Ansaugtrakt rauschen, wer gemütlich fährt, kommt mit zehn Litern aus. Im Schnitt waren es 11,6 Liter, ein zufriedenstellender Wert.
Im Gegensatz zum Vorgänger hat der "neue" XJ vor allem im Fond mehr Platz, hier sitzt man endlich vergleichbar gut wie bei der deutschen Konkurrenz. Wer noch mehr Platz braucht, kann zur Langversion greifen, die mit 12,5 Zentimetern mehr Radstand aufwartet und im Fond für fürstlichen Sitzkomfort sorgt. Eine separate Klimatisierung hinten sorgt für angenehme Temperaturen (1500 Euro Aufpreis), auch vorn können sich Fahrer und Beifahrer unterschiedlich temperierte Luft um die Nase wehen lassen. Die Qualität der Kunststoffe am Armaturenträger ist befriedigend, das kann Audi besser. Keinen Grund zur Klage bieten die sehr bequemen und vielfach elektrisch verstellbaren Sitze, die in Verbindung mit der elektrisch justierbaren Lenksäule für hohen Komfort sorgen. Ebenfalls absolut problemlos ist die Bedienung. Aufgrund der sehr breiten Mittelkonsole sind die Platzverhältnisse vorn allerdings eher dürftig, kräftige Fahrer stoßen hier schnell an ihre Grenzen und auch gelegentlich mit dem Knie an den Zündschlüssel.
Inzwischen verdient der Kofferraum seinen Namen auch, er wuchs um 75 auf 470 Liter. Das ist immer noch weniger als bei der deutschen Konkurrenz (500 Liter), aber ein Schritt in die richtige Richtung. Die flache Form setzt der Beladung allerdings Grenzen.
Der Motor des Basis-XJ leistet 238 PS, das langt in Verbindung mit der guten serienmäßigen Sechsgangautomatik für 225 km/h Endgeschwindigkeit und einen Spurt auf Tempo 100 in 8,1 Sekunden. Das ist in dieser Klasse eher bescheiden, reicht im Alltag aber mehr als aus. Zumal das Drehmoment von 293 Newtonmetern bei 4100 Touren auch für schnelle Zwischenspurts geeignet ist. Die linke Spur muss auch der kleinste XJ selten frei machen. Das Geräuschniveau ist bis Tempo 180 erfreulich gering, ab 200 km/h wird es recht laut. Aber der Jaguar ist kein Rennwagen, sondern ein gemütlicher Gleiter, der mit Holz und Leder umschmeichelt. Die helle Innenausstattung des noch neuen Testwagens war allerdings extrem schmutzempfindlich, schnelle Abnutzungserscheinungen sind hier vorprogrammiert.
Zum Preis: Der XJ ist ab 59 900 Euro zu haben. Darin enthalten sind Holz und Leder, fast sämtliche gängigen Sicherheitsfeatures wie ESP, DSC oder acht Airbags, Tempomat und vieles mehr. Kleinigkeiten wie Xenon-Licht (960 Euro), Schiebedach (1470 Euro), Metalliclack (960 Euro) oder zuverlässige Navigationssystem mit Touchscreen (2820 Euro) treiben den Preis leicht über 70 000 Euro, sind aber fast schon ein Muss für den Wiederverkauf. Dennoch ist der XJ unter den Großen beim Preis einer der Kleinen. Und er gibt dem Besitzer einfach dieses spezielle Gefühl, einen Jaguar zu pilotieren. (ar/sb)
Die wichtigsten Daten:
Länge/Breite/Höhe 5090/ 2108/ 1448 mm, Radstand 3034 mm, Wendekreis 11,7 m, Leergewicht (mit Fahrer) 1545 kg, Zuladung 435 kg, Kofferraum 475 l, Tank 85 l, V6-Motor mit 6 Zylindern, Hubraum 2967 Kubikzentimeter, Leistung 1175 kW (228 PS), maximales Drehmoment 293 Nm bei 4100 U/min, Beschleunigung auf 100 km/h 8,1 Sekunden, Vmax 225 km/h, EU-Normverbrauch im Mittel 10,5 l Super, Testverbrauch 11,6 Liter, Abgasnorm Euro 4, Preis ab 59 900 Euro in der Einstiegs-Ausstattung, Testwagen über 70 000 Euro.
Von Stephan Bähnisch
6. Mai 2005. Quelle: Auto-Reporter

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