Fiat und Chrysler – Italienisch-amerikanische Freundschaft
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Wer in der Automobilbranche zu klein ist, hat langfristig keine guten Karten. Das hat auch Fiat-Konzernchef Sergio Marchionne erkannt; er ergriff 2009 die günstige Gelegenheit und ließ Fiat peu à peu die Aktienmehrheit des damals wirtschaftlich angeschlagenen Unternehmens Chrysler übernehmen. Anfang diesen Jahres konnten die Italiener den vollzogenen Zusammenschluss von Fiat und Chrysler vermelden: Fiat Chrysler Automobiles (FCA) heißt das Unternehmen nun.

Der neue Konzern bringt die italienischen Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Maserati und Ferrari sowie die amerikanischen Chrysler, Ram, Dodge, Jeep und den Teile- und Servicespezialisten Mopar zusammen. In 158 Werken sowie 77 Forschungs- und Entwicklungszentren sind bei FCA damit nun 225.000 Mitarbeiter beschäftigt, europäische und amerikanische Traditionen in neue Modelle zu formen.

Anfang Mai wird Konzernchef Sergio Marchionne seine weiteren Pläne mit FCA konkretisieren. Man kann davon ausgehen, dass er die gemeinsamen Entwicklungs- und Fertigungstechniken innerhalb des Konzerns verstärkt, wie es bereits bei der Zusammenarbeit von Jeep und Fiat mit den Mini-SUV Jeep Renegade und Fiat 500X, bei dem Maserati-SUV mit Jeep-Allradtechnik oder dem Jeep Cherokee auf Alfa Romeo Giulietta-Plattform umgesetzt ist. Außerdem wird er die Neuausrichtung der einzelnen Marken forcieren. Boten besonders die Fiat-Kernmarken bislang eine breite Modellpalette, werden sich diese zukünftig eher spezialisieren.

Alfa Romeo wird sportlicher und wertiger. Der Sportwagen Alfa Romeo 4C sowie der in Kooperation mit Mazda entwickelte und 2015 auf den Markt kommende Spider sollen Alfa Romeo mit Leben füllen und schick für den US-Markt machen. Die Marke hat auch für Amerikaner hohe Strahlkraft, wenngleich die aktuellen Modelle, mit Ausnahme des 4C, diese nur bedingt wiedergeben. Die sportliche Ausrichtung geht einher mit einer Höherpositionierung der Marke. Sie dürfte sich künftig näher an die noble Schwester Maserati heranwagen.

Auch Maserati profitiert vom neuen Konzern. Mit dem Ghibli hat man bereits seit dem vergangenen Jahr ein Angebot für die Business-Class im Portfolio und leistet sich sogar für den europäischen Markt erstmals einen Dieselmotor. Zudem kommt im nächsten Jahr das erste SUV der Edel-Marke in den Handel und schließt damit eine empfindliche Lücke im Wettbewerb zu Herstellern wie Porsche oder dem britischen Konglomerat von Jaguar und Land Rover.

Fiat muss sich noch ein wenig gedulden, bis die Angebotspalette, die vom Kleinwagen bis zum Familientransporter reicht, erneuert wird. Zunächst fokussiert sich das Unternehmen auf den Ausbau der erfolgreichen Kleinwagenmodelle 500 und Panda, die als eigene Sub-Marke betrachtet werden. Auf dem diesjährigen Genfer Autosalon wurden bereits Spezifikationen wie Fiat 500 Cult, Panda Cross oder 500L Beat Edition vorgestellt. Der auf Wunsch auch geländetaugliche 500X kommt in den Genuss der Jeep-Allradkompetenz.

Zurzeit verdient das Unternehmen vor allen Dingen in Nordamerika Geld; im vergangenen Jahr erwirtschaften die Chrysler-Marken mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes von 87 Euro Milliarden Euro. Als Sympathieträger trug der Fiat 500 seit 2012 mit gut 50.000 Einheiten pro Jahr zur nordamerikanischen Erfolgsstatistik ein wenig bei. Das gute Abschneiden in den USA und Kanada sorgt dafür, dass das Unternehmen trotz der schwierigen Absatzlage in Europa noch Geld hat, um auch hier in neue Modelle und Fabriken zu investieren.

Im vergangenen Jahr lieferten die FCA-Marken gemeinsam 4,4 Millionen Fahrzeuge aus; 2,6 Millionen davon entfielen auf die Chrysler-Gruppe. In der Rangliste der weltweit größten Fahrzeugproduzenten belegt FCA Platz sieben. Im Vergleich zu den Top-Drei (Toyota, Volkswagen, General Motors) mit jeweils fast zehn Millionen ausgelieferten Fahrzeugen ist FCA vergleichsweise klein. Ziel ist es, die sechs Millionen-Marke und mehr zu erreichen.

Dass der Konzernchef auf dem Weg zur wirtschaftlichen Konsolidierung seines Unternehmens nicht vor unpopulären Entscheidungen zurückschreckt, hat er schon mehrfach bewiesen. Er zog bei der defizitären Traditionsmarke Lancia die Reißleine. Sie tritt vorerst ab 2016 nur noch im Heimatland und nur noch mit dem Kleinwagen Ypsilon an. Auch die Verlegung des rechtlichen sowie fiskalischen Sitzes von FCA in die Niederlande beziehungsweise nach Großbritannien sorgte für viel Unmut in Italien.

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