Hintergrund: Neues von Ford Deutschland, Europa und USA
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In den vergangenen Monaten machte Ford in Deutschland vor allem mit guten Absatzzahlen Schlagzeilen, die der Marke die Abwrackprämie einbrachte. Das Thema überlagerte gewissermaßen alles andere, was in Sachen Ford beschäftigt.

Doch so manches kommt einem zu Ohren, über Ford und Ford of Europe, was offizielle Erklärungen nicht einmal andeuten. Möglicherweise ist manches letzte Wort dazu nicht gesprochen, oder die Zeit für öffentliche Statements ist noch nicht reif.

Da dringt ans Ohr, intern gebe es Anzeichen dafür, dass Entwicklungsarbeiten von Köln nach den USA verlagert werden sollen. Die Rede ist vom nächsten Kuga, auch vom Mondeo. Und in einem Werk in den USA wird künftig gar eine Produktionsstätte für den Fiesta eröffnet werden. Auslaufen wird dafür die Produktion einer Ford-Legende. Und das Vorhaben ist weit fortgeschritten: Längst sind Teamführer aus den USA bei Ford in Köln zur Schulung und studieren die Fiesta-Fertigung.

Fragen lässt dieses Vorhaben: Kommt der Fiesta, von dem in den vergangenen 30 Jahren mehr als fünf Millionen Fahrzeuge in Köln-Niehl vom Band liefen, demnächst auch aus Amerika? In welcher Qualität? Zu welchem Preis? – Es wäre nicht das erste Mal, dass sich auswärts gefertigte Fahrzeuge einfach besser rechnen. Auch solche für den deutschen Markt. Dabei gilt das Kölner Fiesta-Werk als Vorzeigeobjekt effizienter Fertigung.

Ford will sparsamere Autos bauen. Die US-Regierung hat dem Unternehmen speziell dafür einen zweckgebundenen 5,9-Milliarden-Kredit eingeräumt. Bedeuten könnte das, dass auch gezielte Entwicklungsarbeiten ausschließlich in den USA erledigt werden. Dazu passt im Grunde Fords Orientierung, „nicht mehr so viel Geld für externe Partner auszugeben“, um Kosten zu sparen. Was wird aus dem deutschen Entwicklungsstandort Merkenich?

Auch in Europa sei Ford in den letzten Jahren nicht besonders wirtschaftlich gewesen, heißt es. Ab 2011, wenn die Bestandgarantie abgelaufen ist, würden sicher auch die Beschäftigungszahlen in Europa nach unten korrigiert. Da erinnert man sich: Der Personalbestand bei Ford wurde in den letzten Jahren weltweit bereits um mehr als 100 000 Beschäftigte zusammengestrichen. Um Europa werden Beschlüsse der Ford-Zentrale keinen Bogen machen.

Worüber man noch redet: Gewinnzuwächse bei Ford Europa seien hauptsächlich der Abwrackprämie zuzuschreiben. Das räumt Ford ein, führt jedoch intern Klage darüber, dass die „Modelle über den Fiesta hinaus“ aber eben – anders als bei Volkswagen – keine festen Zielgruppen rekrutierten. Der Autokäufer erkenne nicht die Wertschätzung der Ford-Modelle, sondern er wähle die Marke, weil das einfach finanziell günstiger sei, als einen VW zu kaufen. Der derzeitige Ford-Käufer sei nicht unbedingt die Zielgruppe der Marke, gesteht man bei Ford of Europe.

Viel dreht sich um den Fiesta. Da fragt man sich, was machen eigentlich Focus, Mondeo, Kuga & Co.? – Aktuell gebe es Absatzrückgänge im Bereich Focus und Kuga, die sich aber zum Ende des Jahres – so hofft Ford – relativieren sollen.

Manche Dinge sind bei Ford hausgemacht. Gesprächsweise – vermutlich Folge persönlicher leidvoller Erfahrung – wird kein Hehl daraus gemacht, dass es immer dann, wenn irgendwelche „Beschaffungsrunden“ anstünden, „bis zu sieben Wochen dauern“ könne, ehe die entsprechende Genehmigung für die Investition auch von 100 Euro (!) die „üblichen fünf bis sieben Instanzen“ durchlaufen habe. Und sollte – was offenbar auch vorkommt – „einer der Manager etwas dagegen haben“, müsse man sich eben irgendwie „behelfen“. Dumme Rederei? – Betroffene erzählen kaum Märchen.

Das allgemeine Stimmungsbarometer bei Ford of Europe scheint nicht gerade auf „schön“ zu stehen. Eigentlich könnte eine aktuelle Meldung aus den USA dazu beitragen, positive Impulse zu vermitteln. Immerhin lautet die Botschaft der Agenturen, im Juli seien die Verkaufszahlen von Ford in Amerika erstmals seit zwei Jahren wieder „beträchtlich angestiegen“. Ins Plus katapultiert habe Fords Autoabsatz auch in den USA die Abwrackprämie.

Aber Tatsache ist auch: Die Ford-Mutter hat immerhin 26 Milliarden US-Dollar Bankschulden. Dazu kommen elf Milliarden, die das Unternehmen dem US-Gesundheitsfonds schuldet. Offen bleibt, wie Ford diese Last zu stemmen vermag. Über den Berg ist der Konzern noch lange nicht. Bei Ford sieht man das offenbar anders.

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