Sant’Agata Bolognese: Im Zeichen des Lamborghini-Stiers in der Emilia
Sant'Agata Bolognese: Im Zeichen des Lamborghini-Stiers in der Emilia Bilder

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Schneller als die Polizei erlaubt: Polizei-Gallardo. Bilder

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In der Emilia geht es eher ländlich zu. Bilder

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Die Kirche der 7500-Seelen-Gemeinde. Bilder

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Typisch sind auch hier die Arkadengänge. Bilder

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Im Ortskern von Sant'Agata Bolognese. Bilder

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Bologna – Weit ist es nicht. Von Bologna aus mit dem Auto vielleicht eine gute halbe Stunde. Auf der „Sonnenstraßen“-Autobahn Strada del Sole A1 nach Nordwesten Richtung Mailand bis zur Ausfahrt Modena. Nur noch wenige Minuten – und man ist da. In Sant’Agata Bolognese.

Heilige Agata als Schutzpatronin[foto id=“517729″ size=“small“ position=“right“]

„Sie müssen aufpassen“, hat uns jemand am Abend zuvor beim Einchecken im Hotel i Portici in Bologna gesagt, „denn kaum sind sie drin, sind Sie auch schon wieder draußen.“ Bei Sant’Agata Bolognese, ein Ort, der sich die heilige Agata als Schutzpatronin auserkoren hat, handelt es sich um eine kleine 7500-Seelen-Gemeinde in der Provinz, die sich an einer Hauptstraße entwickelt, aber sonst nicht gerade viel Sehenswertes zu bieten hat. Bis auf eine Ausnahme, die das Herz von Autointeressierten jedoch höher schlagen lässt: Lamborghini. Schnelle Autos haben den Ort bekannt gemacht „Sant’Agata ist Lamborghini“, sagt uns jemand vor der kleinen Bar Centrale gegenüber der Kirche mit Blick auf den Glocken- und Uhrenturm am Ende der Straße, „und Lamborghini ist Sant’Agata.“ Und wer mit Mitarbeitern der Automobili Lamborghini spricht, hört ebenfalls immer wieder: „Lamborghini hat Sant’Agata bekannt gemacht.“

In der Welt des „Rasenden Bullen“

Mit über 700 Mitarbeitern ist der seit 1998 innerhalb des Volkswagen-Konzerns zu Audi gehörende italienische Sportwagenbauer der größte Arbeitgeber[foto id=“517730″ size=“small“ position=“left“] in der Gegend. Den gebürtigen Turiner Raffaello Porro hat es vom Piemont der königlichen Savoyer hierher in die eher ländliche Emilia verschlagen, von Fiat nach Lamborghini. Wenn er Gäste in den Räumen des Unternehmens an der Via Modena 12 begrüßt, sagt der Kommunikations-Chef der Marke mit dem wilden Stier im Emblem gern Sätze wie: „Willkommen in der Welt des ‚Rasenden Bullen'“.

Im Land der Motoren

Wir sind im Land der Motoren, der Terra di Motori. „Hier finden Sie im Umkreis von vielleicht 60 Kilometern neben uns noch andere italienische Kult-Sportwagenmarken wie Ferrari, Maserati, De Tomaso und Pagani, dazu“, zählt Porro auf, „Dallara, der einmal in der Formel-1 gefahren ist, und Motorradhersteller wie Ducati, Moto Morini und Bimota.“

Mit Traktoren fing alles an

Es war, erzählt Porro, gegen Ende der 1940er-Jahre. Ferruccio Lamborghini (1916-1993) gründet in Cento in der Provinz Ferrara ein Unternehmen zur Herstellung von Traktoren. Die Produktion wird erweitert. Brenner und Klimaanlagen kommen hinzu. Und Anfang der 1960er-Jahre dann die Autos. „Lamborghini wählt als Markensymbol den Murciélago“, verweist Porro auf jenen legendären spanischen Stier, der bei einem Kampf im Oktober 1879 in Córdoba mit 24 Lanzenstößen verwundet, aber vom Matador nicht getötet, sondern stattdessen von seinem Besitzer an Antonio Miura verkauft worden ist, [foto id=“517731″ size=“small“ position=“right“]aus dessen Zucht sich später die spanischen Miura-Kampfstiere entwickelten. Streit mit Enzo Ferrari wird zur Legende Der Stier als Symbol der Stärke. „Er war außerdem das Sternzeichen von Ferruccio“, darf in Porros Schilderungen über die Entstehung der Marke natürlich ebenfalls die mittlerweile wohl zur Legende gewordene Geschichte nicht fehlen, wie es bei Lamborghini eigentlich zur Entwicklung von Sportwagen kam. Danach geht im Grunde alles auf einen Streit zwischen dem Sportwagen-Liebhaber und Ferrari-Fahrer Lamborghini und Enzo Ferrari zurück. Lamborghini, damals erfolgreich beim Produzieren von Traktoren, soll mit seinem Ferrari unzufrieden gewesen sein und Enzo eine Konstruktionsänderung vorgeschlagen haben. „Ferrari“, erzählt Porro, „ließ Lamborghini erst einmal warten, um ihm dann mitzuteilen, dass er zwar Ahnung von Traktoren, aber nicht von Sportwagen habe.“ Der Grundstein für die Konkurrenz ist gelegt.

Miura sorgt für richtig Wirbel

Den Erzählungen zufolge will Lamborghini es Ferrari beweisen, stellt 1964 die ersten Exemplare seines 350 GT her. „Die Leistung des Zwölfzylinders“, ist dazu etwa auch im Internet nachzulesen, „übertraf die des Erzrivalen deutlich.“ Richtig Wirbel habe Lamborghini dann 1966 mit dem Miura gemacht, der laut Wikipedia mit seinen 385 PS in der stärksten Version schon an der 300-Stundenkilometer-Mauer kratzte. (Fast) alle nach berühmten Kampfstieren benannt Bis auf den „Donnerwetter“-Countach sind alle Modelle bis zum aktuellen Gallardo und Murciélago nach berühmten Kampfstieren benannt. Anfang der 1970er-Jahre fängt Lamborghini an, Motoren für Rennboote zu fertigen. Sogar einen großen Geländewagen stellen die Italiener auf die Räder, bauen Formel-1-Motoren. Doch zwischenzeitlich gerät das Unternehmen in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Traktoren-Sparte wird verkauft, die mit den Sportwagen wechselt ab 1972 mehrmals den Besitzer. Der Firmengründer zieht sich auf sein Weingut in Umbrien zurück, stirbt Jahre vor der Übernahme durch Audi.

Mit Blaulicht im Polizei-Gallardo[foto id=“517732″ size=“small“ position=“left“]

„Mit Audi und Volkswagen“, sagt Raffaello Porro, „haben wir die Chance, bei den Supersportwagen in Sachen Zukunftstechnologien ganz vorn zu sein, Stichwort etwa Leichtbau.“ Aus diesem Grund auch hat uns der Weg nach Sant’Agata Bolognese in die neuen Fertigungsstätten geführt. Draußen, vor dem Museum des Centro Eccelenza Lamborghini, haben Mitarbeiter des Unternehmens für eine Ausfahrt gleich eine ganze Armada von Gallardos und Murciélagos aufgefahren. Fabio Ferretti führt zusammen mit seinem Kollegen den Konvoi an – mit Blaulicht am Steuer eines blauweiß-gestreiften Polizei-Gallardo. Nur wenige Meter – und wir sind draußen aus Sant’Agata Bolognese. Einmündungen und Kreuzungen sind teilweise gesperrt. Schilder weisen auf Modena und Maranello hin.

Im Feindesland unterwegs

Wir sind, zumindest vorübergehend, im Feindesland unterwegs. Wo der kämpferische (Lamborghini-)Stier auf das springende (Ferrari-)Pferd trifft. Wenn das nicht sehenswert in der Emilia ist!

Info Emilia/Sant’Agata Bolognese

Die Emilia, zu der Sant’Agata Bolognese gehört, ist Teil der fast 4,5 Millionen Einwohner zählenden Region Emilia-Romagna in Norditalien, die sich in der Po-Ebene Richtung Westen ausbreitet. Hauptstadt ist das fast 400 000 Einwohner zählende Bologna. Die Sommer in der Ebene sind schwül und heiß, in den Apennin-Ausläufern ist es kühler. Beste Reisezeiten sind Frühling und Herbst. Wir waren in Bologna im Hotel i Portici (vier Sterne, 86 Zimmer, Altstadt-Palazzo, Restaurant als Theater, www.iporticihotel.com) untergebracht. Kulinarisch gilt die Emilia-Romagna als Feinschmecker-Land vom Prosciutto-di-Parma-Schinken über Mortadella-Wurst, Fleischsaucen-Tortellini Bolognese mit Parmigiano-Reibekäse und Zampone-Schweinshaxe bis zum in grüner Kapernsauce servierten Bollito-Misto-Mix. Der Lambrusco kommt aus der Region; an den Hängen des Apennin wächst zudem der rote Sangiovese. Information: Italienische Zentrale für Tourismus Enit, Barckhausstraße 10, 60325 Frankfurt/Main, Telefon 069-237434, www.enit.de.

Service Auto

Von Deutschland aus reist man mit dem Auto am besten entweder durch die Schweiz über Mailand an oder über Südtirol am Gardasee vorbei Richtung Bologna. Von München sind es über Innsbruck, Bozen, Trient und Verona noch etwa 565 Kilometer bis Bologna. Modena liegt direkt an der Strecke. In Italien gilt Tempo 50 in geschlossenen Ortschaften, 90 außerhalb und auf den blau ausgeschilderten Staatsstraßen sowie 130 auf Autobahnen, für die die grünen Hinweisschilder gelten. Mautmäßig zur Kasse gebeten wird man an fast jeder Autobahnausfahrt. Die Promillegrenze liegt bei 0,5. Bologna ist der nächstgrößte Flughafen. /Fotos: Koch

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