Jean Todt im Interview: Die Chancen des Motorsports
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(motorsport-magazin.com) Warum möchten Sie Präsident werden?

Jean Todt: "Ich habe es während meiner gesamten Laufbahn genossen erfolgreich zu sein und mich in einem sehr konkurrenzbetonten Umfeld aufzuhalten. Ich habe mit sehr talentierten und engagierten Menschen zusammen gearbeitet. Zusammen mit meinem Team will ich all diese gesammelten Erfahrungen anwenden, um damit der FIA und deren Mitglieder zu helfen."

"In den letzten Wochen habe ich schon gut mit meinem Team Nick Craw, Brian Gibbons und Graham Stocker gearbeitet. Wir haben zusammen ein Programm für die FIA aufgestellt. Wir glauben es zeigt sehr gut auf, in welche Richtung sich die FIA zukünftig entwickeln sollte. Ich hoffe sehr, dass wir die Chance bekommen unsere Vorschläge durchzuführen. Es ist ein beeindruckender Gedanke, dass wir die Gelegenheit bekommen könnten, die Zukunft der FIA mitzugestalten."

"Ich hatte sehr viel Glück in meiner Laufbahn und war ganz erfolgreich im Motorsport, auch weil ich davon profitieren konnte, dass die früheren Führungspersonen der FIA eine Basis kreiert haben, auf der wir Wettstreiten konnten. Ich denke, es ist Zeit etwas davon zurück zu geben."

Welche positiven Aspekte hat Ihr Team und wenn Sie gewählt werden, welche Charakterzüge wird dann Ihre Amtszeit haben?

Jean Todt: "An oberster Stelle wird die Teamarbeit stehen, sie war bereits kennzeichnend in all meinen Jahren als Manager, mindestens seit 28 Jahren. Zusammen mit der Verschriebenheit zu Spitzenleistung und Innovation sollen die verschiedenen Clubs und Gruppen der FIA in einem Team für das neue Bild der FIA gemeinsam arbeiten."

Was sind die größten Herausforderungen für den Motorsport in der heutigen Zeit?

Jean Todt: "Wir müssen den Sport so sicher und umweltfreundlich wie möglich gestalten. Wir müssen den Motorsport in kommenden Regionen wie Asien, Afrika und Lateinamerika fördern und ermutigen. In den nächsten Jahren wird sich die Anzahl der Autofahrer mehr als verdoppeln, das wird natürlich auch das Interesse an unserem Sport erhöhen. Daher muss Motorsport für Wettbewerber und Offizielle auf jeder Ebene gut zugänglich sein, mit einem klaren Programm."

"Die Herausforderung beim Umweltschutz ist nicht nur für den Sport selbst wichtig, durch den Sport wird die Entwicklung von neuen Technologien und eine Änderung im Denken möglich sein, das ist von weltweiter Bedeutung. Vom Standpunkt der Ingenieure, der Technik, aber auch Marketing und Werbung – Motorsport kann ein Vorreiter für umweltfreundliche Technologien werden. Wir haben gerade erst begonnen und es kann noch so viel mehr erreicht werden."

"Wir alle wissen auch, dass Motorsport gefährlich ist. Bislang griffen die Maßnahmen der FIA für mehr Sicherheit gut. Die medizinische Versorgung zuletzt beim Unfall von Felipe Massa hat gut funktioniert und ich bin sicher, dass die Sicherheitsstandards der FIA für Helme geholfen haben Felipes Leben zu retten. Aber wir müssen das alles weiter verbessern, der tödliche Unfall von Henry Surtees hat es gezeigt."

Die Pläne des Gegenkandidaten

Ihr Gegner hat angekündigt das Wahlsystem der FIA ändern zu wollen, um mehr Stimmen für die größeren Clubs mit mehr Mitgliedern zu geben. Glauben Sie, dass das Wahlsystem der FIA dahingehend verändert werden sollte?

Jean Todt: "Ich bin überhaupt nicht damit einverstanden. Das würde die Macht der Entscheidungen innerhalb der FIA auf nur Wenige Clubs verteilen, weil sie eine größere Mitgliederzahl haben, nur weil sie in Ländern mit einer größeren Bevölkerungsanzahl ansässig sind. Das wäre unfair und undemokratisch."

"Wie auch in der UN hat jedes Mitglied der FIA das Recht eine Stimme abzugeben, egal wie groß. Ich vertrete diesen Grundsatz absolut, denn es sichert die demokratischen Rechte für jeden einzelnen Club."

Es gab einige Kritik, da Max Mosley Ihre Kandidatur öffentlich befürwortet hat. Was sagen Sie dazu?

Jean Todt: "Wie jedem in der FIA sollte es Max erlaubt sein, seine Meinung zu bekunden. Ich fühle mich sehr geehrt, aber Max und ich wissen, dass nur die Mitglieder, alle Mitglieder, der FIA über den kommenden FIA-Präsidenten entscheiden werden. Max hat in seinen Jahren fantastisches geleistet. Ich werde seine Arbeit würdigen, aber auch wichtige und notwendige Änderungen durchsetzten."

Sollten Sie gewählt werden, welche Änderungen werden Sie dann im kulturellen Bereich und bei der Regierungsgewalt vornehmen?

Jean Todt: "Ich würde den regionalen Fokus der FIA gern verstärken. Wir können so viel mehr tun, um den Motorsport und das mobile Leben zu bewerben. Ich möchte auch die Zusammenarbeit zwischen den Events des Motorsports und der Mobilität innerhalb der FIA verstärken. Viele unserer Mitglieder sind in beiden Bereichen engagiert wir können das Zusammenwirken beider weiter fördern."

"Im Bereich der Regierungsgewalt wird mein Führungsteam einige wichtige Vorschläge unterbreiten. Für den Sport soll Meisterschaft-Beauftragte geben, eine neue Gewalt für disziplinarische Angelegenheiten und eine Überprüfung des bisherigen Steward-Systems. Einige dieser Vorschläge werden noch ein wenig verbessert werden müssen, um zum FIA Status zu passen und auch zum International Sports Council. Wir müssen die Gelegenheit wahrnehmen und die Regeln der FIA überprüfen, sowie unser gesamtes Führungssystem und die Strukturen."

Fokus Formel 1

Die FIA kritisiert, dass sich zu sehr auf die Formel 1 konzentriert wird. Stimmen Sie dieser Kritik zu?

Jean Todt: "Kommerziell gesehen ist sie am Erfolgreichsten, sie ist technisch herausfordernd, sie wird eng in Verbindung mit der FIA gesehen, weshalb sie auch oft mit der FIA identifiziert wird."

"Wenn man sich einmal die Zeit nimmt und hinter die Schlagzeilen von Zeitungen und TV schaut, dann muss man schon von der Arbeit beeindruckt sein, die die FIA außerhalb der Formel 1 leistet. Neben den Rennserien wie GT, Torenwagen, Kart und so weiter fungiert sie auch als Vertretung für alles was mit Autofahren zu tun hat. Sie hat Preise gewonnen was die Sicherheit betrifft und engagiert sich stark bei der medizinischen Forschung und noch vieles mehr."

"Ich hoffe ich kann für die Zukunft ein noch größeres Engagement fördern. Wir können auf dem bereits geleisteten Beiträgen von Vertretern wie Michael Schumacher, Lewis Hamilton, Felipe Massa, Pedro de la Rosa, Sebastien Loeb und Alex Wurz aufbauen."

Einige in der F1 haben hinterfragt ob Ihr Engagement mit Ferrari nicht ihre Neutralität als FIA Präsident beeinflussen würde.

Jean Todt: "Das vermuteten einige natürlich gleich, dann hieß es Ferrari will mich keinesfalls als Präsident und am Ende wurde offiziell von der Scuderia gesagt, dass sie neutral dazu steht. Ich stimme dem zu. Ferrari sollte genauso neutral sein, wie ich es auch sein werde."

"Es ist eine Frage der Professionalität. Die Erfolge die ich mit den Teams hatte mit denen ich zusammengearbeitet habe, waren auf Professionalität und Verschriebenheit aufgebaut. Meine Aufgabe als FIA Präsident werde ich genau so angehen."

Werden Sie sich mit Teams und Fahrern treffen?

Jean Todt: "Die GPDA hat mich zu einem Treffen eingeladen und ich bin dafür sehr dankbar und nehme diese Einladung an. Ich freue mich auf unsere Gespräche."

"Ich bin zuversichtlich, dass alle Fahrer in allen Motorsport-Disziplinen die von mir befürwortete Teamarbeit begrüßen werden und das wir auf dem bisher Erreichten aufbauen können. Egal ob auf der Rennstrecke oder auf der Straße."

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