Kommentar: Die IAA aus der Zukunft oder: Strom ist nicht gelb, sondern grün
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Wer dieses Jahr über die IAA geht, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, dass wir Verbrennungsmotoren eigentlich vergessen können und die Zukunft nicht nur grün, grüner, am grünsten ist, sondern vor allem elektrisch. Und der oberflächliche Beobachter kann den Eindruck gewinnen, dass er schon nächste Woche bei seinem Händler auf ein Elektrofahrzeug umsteigen kann.

Es ist zweifellos richtig, dass die Autoindustrie deutlich macht, wie intensiv sie an der Zukunft des Automobils arbeitet, aber irgendwie hat man schon das Gefühl, dass hier mächtig übertrieben wird und die aktuellen sparsamen Verbrennungsmotoren kommunikativ ins Hintertreffen geraten sind. Zwar haben die Autohersteller auf der IAA auf fast alle ihre Shuttle-Fahrzeuge schreiben lassen, wie viel – besser: wie wenig – Kraftstoff sie verbrauchen, auf ihren Ständen aber standen nicht nur die Manager unter Strom, sondern viele Exponate. Und die kamen eher aus einer ferneren Zukunft als aus der Gegenwart. Gewiss ist es ein Spagat, darstellen zu müssen, dass man einerseits keinen Trend mehr vernachlässigen will und willens ist, dem Druck der medialen Öffentlichkeit nachzugeben, dass man andererseits aber im Heute lebt und Verantwortung auch in den aktuellen Modellen darzustellen in der Lage ist.

Da tut es gut, wenn man so kompetente Stimmen vernimmt wie jene von VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, der die Erwartungen sachlich auf den nüchternen Nenner bringt, dass selbst nach einer Markteinführung des Elektroautos von VW im Jahr 2013 diese Technik noch mindestens 15 Jahre ein Nischendasein führen werde. Mir scheint, dass die in Summe auf der IAA vermittelte Elektro-Euphorie also doch etwas übertrieben ist und wir uns wieder darauf besinnen sollten, dass die heutige Automobiltechnik mit konventionellen Verbrennungsmotoren nicht von gestern, sondern Hightech pur geworden ist mit Verbräuchen, die vor 20 Jahren noch unvorstellbar erschienen sind.

Es ist zweifellos faszinierend, wenn Mercedes eine S-Klasse mit Plug-in-Technologie und einem für ein Luxusmobil dieser Kategorie unvorstellbar niedrigen Verbrauch von 3,2 Litern präsentiert, aber der Kunde enttäuscht ist, wenn er hört, dass er darauf noch mehrere Jahre warten muss. Die Autoindustrie hat sich in einen Darstellungswettbewerb ferner Technologien drängen lassen, der der Korrektur nach unten bedarf. Was wir in Frankfurt sehen, ist eine IAA aus der Zukunft. Deshalb sollte bald wieder Nüchternheit einkehren und die Erkenntnis, dass der Ehrgeiz, nach dem elektrischsten aller elektrischen Automobile zu streben, übertrieben ist.

Wie viel Unsinn man in den Medien lesen kann, ist auch dieser übertriebenen Elektro-Kommunikation zu verdanken. Die Autohersteller, natürlich vor allem die deutschen, würden am Markt vorbei produzieren und Autos bauen, die die Kunden nicht wollten, tönt es von Seiten der Autokritiker. Und viele Medien beten es nach. Was für ein Unsinn.

Warum haben die Autoindustrie bis vor einem Jahr denn soll erfolgreich Autos verkauft, wenn die Kunden diese Autos nicht haben wollten? Frau Künasts Mantra, die Hersteller sollten endlich Autos kaufen, die der Markt verlangt, ist an Borniertheit nicht zu übertreffen. Das Fatale daran ist nur, dass solche Behauptungen in der Öffentlichkeit auf fruchtbaren Boden fallen. Die Automanager werden quasi über diesen Weg moralisch unter Druck gesetzt, dieser Aufforderung zu folgen. Diese Bereitschaft wird stellenweise weiter übertrieben.

Deshalb ist es an der Zeit, dass die Autoindustrie ihr Selbstbewusstsein stärkt, deutlich macht, was bereits erreicht worden ist auf dem Weg zur emissionsfreien bzw. emissionsarmen Mobilität. Und eine wirklich langfristige Initiative wie jene zum Bau einer Wasserstoff-Infrastruktur, wie sie jüngst von führenden deutschen Unternehmen gegründet wurde, hat mehr Nachhaltigkeit zu bieten als die Darstellung eines Concept-Cars, das nie kommen wird. Die deutschen Autohersteller machen in diesen Tagen vieles richtig, aber sie liegen falsch, wenn sie den Autokritikern nach dem Munde reden. Und manchmal hat man wirklich den Eindruck, dass sie das tun.

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