Kommentar: Je schwerer, desto sauberer – VDA Theorie einer sauberen Umwelt
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Von Ingo Koecher — Besonders häufig aus Kreisen deutscher Hersteller und deren Lobbyisten ist zu vernehmen, dass ihr Fahrzeug doch das sauberste seiner Klasse sei. Überraschenderweise sind derartige Formulierungen immer an Premiumfahrzeuge, vornehmlich an Dickschiffe deutscher Hersteller geknüpft. Ja und dann regt VDA-Chef Matthias Wissmann, ehemals selbst Bundesverkehrsminister (CDU), bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, dass Dickschiffe im Verhältnis zu ihrem Gewicht doch weitaus weniger CO2 ausstoßen, als etwa ein Klein- oder Kompaktwagen.

Und weil sich die Brummer so schön sauber rechnen lassen, macht sich der Verband der Automobilindustrie unter Federführung seines Vorsitzenden Matthias Wissmann stark, aus dieser tollkühnen Idee eine Gesetzesvorlage zu machen.

Ja dann kann es teuer werden VW Golf und Co. zu fahren. Der gewogene Autofahrer sollte sich besser ein SUV mit einem Durchschnittsverbrauch bei moderater Fahrweise von meinethalben 13 oder auch 14 l/100 km kaufen. Am Ende ist der Dicke dank seines Gewichts von zwei oder auch drei Tonnen weit weniger umweltbelastend, als ein Kompaktwagen, wie, bleiben wir doch im Bild, etwa ein VW Golf.

Vergleichsrechnung

Klarheit, wie sich das VDA-Modell auswirkt, zeigt eine kleine Vergleichsrechnung: Unser VW Golf ist motorisiert mit einem 1.6-Liter Common-Rail-Diesel und 77 kW/105 PS. Dabei soll der Wagen 3,8 l/100 km verbrauchen und 99 g/km CO2 an die Umwelt abgeben. Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass auch bei VW die Angaben des Verbrauchs im realen Betrieb nach oben korrigiert werden müssen. Aber selbst dann würde der VW Golf BlueMotion im ungünstigsten Fall vielleicht 4,8-5 l/100 Dieselkraftstoff verbrauchen. Dann läge der reale CO2 Ausstoß bei ungefähr 120 g/km.

Nun ein Kandidat des Segments „Sauberster seiner Klasse“: So verbraucht etwa die neue Mercedes-Benz M-Klasse, von auto.de in einem Kurztest Sprit sparend bewegt, als ML 250 BlueTec 4MATIC, mit einem 2-Liter Common-Rail-Diesel 9,3 l/100 km bei einem angegeben CO2 Ausstoß von 158-170 g/km. Richtig gestellt werden muss auch an dieser Stelle, dass die Angaben des CO2-Ausstoßes auf den Verbrauchsangaben des Herstellers basieren. Die liegen in unserem Fall bei 6,0-6,5 l/100 km Diesel. Auch das ist ein Wert, der zu erreichen im normalen Betrieb kaum möglich sein dürfte. Somit erhöht sich natürlich der reale CO2-Ausstoß auf von uns ermittelte 284 g/km. Als Berechnungsgrundlage beruft sich auto.de dabei auf das CO2-Berechnungsmodell des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.

VDA-Berechnungsmodell

Abschließend nun noch ein Blick auf das von Matthias Wissmann favorisierte neue Berechnungsmodell, das sich am Fahrzeuggewicht orientiert. Der VW Golf BlueMotion mit seinem 1.6-Liter Diesel bringt ein Leergewicht von 1.314 kg auf die Waage, der Mercedes-Benz ML 250 mit einem 2-Liter Diesel wiegt 2.175 kg, also 861 kg mehr als der Wolfsburger. Der VW Golf gibt etwa 120 g/km, die M-Klasse etwa 280 g/km ab. Auch unter Berücksichtigung der von Herrn Wissmann angedachten Berechnungsgrundlage über das Fahrzeugleergewicht, schneidet das Premium-SUV keinesfalls besser ab, als der Kompaktwagen.

Der Fairness halber sei darauf hingewiesen, dass sich diese Vergleichsrechnung mühelos auch auf andere als die hier genannten Hersteller und deren Schwergewichte übertragen lässt. Denn letztlich ist auch ein Verband der Automobilindustrie unter Herrn Wissmann nicht in der Lage, reale Verbräuche wie auch reale CO2 Ausstöße schön zu rechnen. Große Autos verbrauchen mehr Kraftstoff als kleine Fahrzeuge und geben zwangsläufig mehr CO2 ab, als kleine Modelle. Da hilft auch kein noch so tollkühnes Rechnungsmodell.

Weltgrößte Automesse

In wenigen Tagen beginnt die 64. Internationale Automobilausstellung IAA in Frankfurt (15.-25.09.2011). Dort wird es wieder eine Reihe interessanter Modelle und Studien geben. Allerdings dürften auch auf der weltgrößten Automobilmesse noch keine Serienfahrzeuge von Elektroautos deutscher Hersteller zu sehen sein. Denn die deutsche Automobilindustrie, so Matthias Wissmann gegenüber Frontal 21, arbeite noch -schwer subventioniert – an alltagstauglichen Lösungen. Jetzige Modelle ausländischer Hersteller gebe es zwar bereits, die seien jedoch, so Wissmann weiter, wenig praktikabel. Wirkliche Innovation kämen aus Deutschland. Nur wann das der Fall seinen würde, lies Wissmann offen.

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Gast auto.de

September 11, 2011 um 4:56 pm Uhr

Tja, rechnen und analysieren …. da happert’s halt doch immer wieder.
Ich entwickle Auswertungsverfahren für Mobilfunkdaten und weiss
daher schon ein wenig über die Problematik von Kennzahlen.

Wenn man schon die Umweltfreundlichkeit eines Autos ‚berechnen‘ möchte
dann doch bitte in der Art:
CO2-Ausstoss * (!) Gewicht / Leistung

Beispiel VW: 120g/km * 1314kg / 77KW = 2047,8 Vr (Verbrauch nach Reustle)
Beispiel MB: 284g/km * 2175kg / 150KW = 4118 Vr

Und dass kommt der Sache doch näher, oder ?

Nur so als kleine Anregung für ALLE !

Jörg Reustle

Gast auto.de

September 9, 2011 um 10:56 am Uhr

Muß ich noch hinzufügen. Legt die CO2-Steuer doch einfach über den Verbrauch fest. Dann erst wird gerecht versteuert. Dann zahlt die Bläsergruppe mehrt als der Eco-Spezialist.
Gruß
Udo Wollenhaupt

Gast auto.de

September 9, 2011 um 10:52 am Uhr

Charlie: Frau Merkel wird ja wohl rechnen können, wenn sie nicht gerade diese Aufgabe wieder an die Lobby weiter gibt. Was Herr Wissmann kann, hat er ja bereits bewiesen. Er heißt ja auch "Wissmann" und da muß man eben so etwas wissen. Verarschen können wir uns alle selbst, nur das die Führungskräfte glauben, wir sind alle viel dümmer als die, zeigt sich hier sehr deutlich!

Gast auto.de

September 9, 2011 um 10:51 am Uhr

Bei Ihnen verbrauchen die Automobile immer Kraftstoff. Das ist falsch. Ein Automobil ist passiv und es verbraucht nichtsoff. Nur in Verbindung mit dem Menschen verbraucht die Regeleinheit Automobil/Mensch Kraftstoff und der schwankt um mindesten Faktor 2 bis 3. Nicht was gefahren wird ist auschlaggebend, sondern von wem. Von einigen Fachjournalisten wurde ich Mister50Prozent genannt. Nicht etwa, weil ich mit 50 % Krafstoff auskomme, sondern weil bei mehr als 5.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Workshops er Verbrauch zwischen einer Eingangs- und Abschlußmessfahrt über 60 km Strecke mehr als halbiert wird. Das allerdings nicht mit der selben Fahrzeitz, sondern sogar schneller.
Jetzt sagen Sie der spinnt. Sie dürfen sich überzeugen, das das keine Sprüche sind. Auch bin ich kein Sonderwesen vom anderen Stern. Ganau dem hab ich das auch schon bewiesen. Auch AMS und Aoto-Bild konnten sich überzeugen, um nur einige zu nennen. Auch im Fahrschulbetrieb haben sich einige Klasse-B.-Aspirantinnen und -Aspiranten zu der 3-l-Gruppe gesellen können.
Gruß
Udo Wollenhaupt

Gast auto.de

September 9, 2011 um 10:38 am Uhr

Die Abhilfe ist einfach, entwerft das folgende Etikett :
ein SUV(Suff) mit Kopf und Schwanz eines Dinos und integriert folgendem Text

Ein begabterer Designer als ich setzt es zum Download ins Internet . Die Verteilung wird ein Selbstgänger, wenn das Etikett erst mal auf Autos gesehen wird..

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