Merkel bremst Automobilentwicklung
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Bundeskanzlerin Angela Merkel interveniert in Brüssel und es gibt keine verbindlichen CO2-Flottenziele für Pkw. Das nützt den Autoherstellern, die weniger Technik zukaufen müssen. Die eigentlichen Innovatoren – Zulieferer und Entwicklungsdienstleister – stehen auf dem Schlauch. Angesichts der Absatzkrise in Europa wissen sie derzeit nicht, wie sie Forschung und Entwicklung, den Aufbau neuer Werke in Asien und Südamerika und die Anpassung ihrer Werke in Europa finanzieren sollen. Es drohen Entlassungen qualifizierter Mitarbeiter

In Brüssel sollte im ständigen Ausschuss der Mitgliedstaaten der zuvor von EU-Parlament und Europarat ausgehandelte Kompromiss zur CO2-Regulierung von Pkw durchgewinkt werden. Neben dem CO2-Flottendurchschnitt von 95 g/km für alle im Jahr 2020[foto id=“473514″ size=“small“ position=“right“] in Europa verkauften Neuwagen war vereinbart, dass besonders emissionsarme Fahrzeuge mit CO2-Werten unter 50 g/km ab 2020 doppelt anzurechnen sind. Ein Jahr darauf sollte der „Supercredit“ auf Faktor 1,67 und ein Jahr weiter auf 1,33 sinken und schon 2023 abgeschafft zu werden.

Der maximale „CO2-Rabatt“ sollte bei 2,5 g pro Jahr und Hersteller liegen. Obendrein hatten Rat und Parlament ins Auge gefasst, die Auswirkungen einer weiteren Absenkung der CO2-Flottenwerte auf 68 g/km bis 78 g/km nach 2025 untersuchen zu lassen. Besonderes Augenmerk sollte auf den Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hersteller liegen.

Mit Merkels Intervention liegt der Kompromiss nun auf Eis. Sie sieht die Wettbewerbsfähigkeit schon durch die Beschlüsse für 2020 gefährdet. „Die Bundesregierung ist nicht nur für Klimaschutzziele, sondern auch für den Erhalt des Wirtschaftsstandorts Deutschland zuständig“, so der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. Merkel persönlich habe bei der irischen Ratspräsidentschaft auf Verschiebung gepocht, weil sie den Kompromiss so nicht mittragen wollte.

Der Knackpunkt am Kompromiss ist für die Bundesregierung die stärkere Stimulierung besonders emissionsarmer Fahrzeuge, um Elektrofahrzeugen zum Durchbruch zu verhelfen. Neben der sogenannten „Supercredit-Regelung“ dürfte Bundesregierung und Autoherstellern ein weiterer Punkt im vereinbarten Kompromiss übel aufgestoßen sein: Die darin für 2017 anvisierte Umstellung vom Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) auf die Worldwide Harmonized Test Procedures (WLTP) zur Ermittlung des Kraftstoffverbrauchs.

Während Vertreter der Automobilindustrie das CO2-Ziel 95 g/km für 2020 mit Messung gemäß NEFZ zuletzt auf Konferenzen stets für machbar erklärten, waren sie sich bei den realitätsnahen WLTP nicht so sicher

EU-Parlamentarier der CDU hatten sich im Vorfeld für die Umstellung starkgemacht: „Der NEFZ-Normverbrauch ist ein reiner Laborwert und in der Praxis kaum zu erreichen. Wir wollen schon ab 2017 einen neuen und realistischeren Testzyklus für die EU verbindlich machen“, so Thomas Ulmer. Das hat Merkels Intervention nun durchkreuzt.

Dabei käme der Kompromiss gerade der deutschen Autoindustrie entgegen, da sie ihre technologische Stärke hätte ausspielen und mehr Autos mit schadstoffarmen Motoren auf den Markt bringen können.

In das gleiche Horn stoßen Europas Automobilzulieferer. Ihr Verband „CLEPA“, dem Bosch, Continental, Schaeffler, ZF und über 100 weitere Zulieferer angehören, sieht in 95 g CO2/km für Pkw und 147 g CO2/km für leichte Nutzfahrzeuge einen guten Kompromiss zwischen Kosten und Klimaschutz. Laut Verbandschef Jean Marc Gales werden diese Ziele die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie verbessern.

Gerade für die Zulieferindustrie ist die Intervention Merkels ein Schlag ins Kontor, da ihnen große Teile der Wertschöpfung durch effiziente Antriebe zufallen. Demnach nutzt der „Nichtbeschluss“ vor allem den Autoherstellern, weil sie weniger Technik zukaufen müssen.

Dagegen stehen die eigentlichen Innovatoren – Zulieferer und Entwicklungsdienstleister – durch die nun verlängerte Ungewissheit auf dem Schlauch. Entlassungen qualifizierter Mitarbeiter drohen. Laut Gales ein Alarmsignal: „Wir müssen Forschung, Entwicklung und Innovation unbedingt in Europa halten, denn qualifizierte Mitarbeiter sind der Schüssel zum erfolgreichen Übergang in die dekarbonisierte Wirtschaft“.

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