Michelin will Gegner in den Tropen ins Schwitzen bringen

Kaum ein anderer Kurs wirkt aus der Vogelperspektive so symmetrisch – doch kaum einer bietet eine solche Vielzahl verschiedenartiger Kurven. Der Sepang International Circuit hält praktisch an jeder Kehre eine neue Herausforderung bereit. In Turn 9 ist es zum Beispiel schwierig, den richtigen Bremspunkt zu finden. Als anspruchsvollste Passage erweist sich Turn 14: An dieser Schlüsselstelle entscheidet sich maßgeblich die Rundenzeit. Außerdem kommt es am Kurvenausgang darauf an, sauber zu beschleunigen und eine gute Höchstgeschwindigkeit zu erzielen, um vor der Kurve am Ende der Geraden einen Gegner zu überholen. Der Eingang dieser Kehre führt bergab und fällt zudem nach außen ab. Die Fahrer wählen hier eine Linie mit doppeltem Scheitelpunkt.

Trotz der zwei langen Geraden setzen die Teams auf eine Abstimmung mit viel Abtrieb – was unter dem Gesichtspunkt der jederzeit möglichen Regenfälle noch sinnvoller erscheint. Da die Rennställe und ihr gesamtes Equipment direkt von Melbourne nach Kuala Lumpur flogen, fand naturgemäß kaum technische Weiterentwicklung statt. Stattdessen konzentrierten sich die Piloten auf ihre körperliche Fitness. Das tropische Malaysia stellt mit seiner feuchtheißen Luft die denkbar ungünstigste Umgebung für Leistungssport dar. Im Rennen verlieren die Grand Prix-Stars rund 1,5 Liter Flüssigkeit – mehr, als sie während des Grand Prix trinken können.

Das Grand Prix-Wochenende aus Sicht von Michelin
2mal.jpgAuch wenn zwischen den beiden Grands Prix am anderen Ende der Welt keine Entwicklungstests stattfanden – Michelin hat seine Hausaufgaben für Malaysia bereits während der Wintertests erledigt. Das häufige starke Beschleunigen stellt die Hinterreifen auf dieser Strecke auf eine harte Probe. Die hohen Temperaturen und der aggressive Fahrbahnbelag erhöhen die Belastung der Pneus noch. Zudem hält das kaum vorhersagbare Wetter von feuchtheißer Luft bis zu tropischen Wolkenbrüchen viele Varianten bereit.

Diese Parameter – in Verbindung mit dem erhöhten Tempolimit in der Boxengasse – sprechen eher für drei als für die bisher üblichen zwei Reifenwechsel. Die Charakteristik der Michelin-Pneus jedoch könnte die Teams umstimmen: In Melbourne arbeiteten sie auch auf jenen Autos sehr konstant, die auf einen Stopp weniger ausgelegt waren. „Dass wir dort nicht gewonnen haben, bedeutet nichts“, erklärt Michelin-Motorsportchef Pierre Dupasquier. „Wichtig sind jetzt die kommenden Stationen. Wir werden gemeinsam mit unseren Partnerteams wie immer hart an der nie endenden Weiterentwicklung der Reifen arbeiten.“
Das erwarten die Michelin-Partnerteams
BMW WilliamsF1 hat gleich doppelten Anlass zur Zuversicht: „Unser neuer Motor bestand seine Feuertaufe mit Bravour“, freut sich BMW Motorsport Direktor Dr. Mario Theissen. Außerdem hatten sich im Vorjahr die Kraftverhältnisse nach durchwachsenem Start schnell zugunsten der Weiß-Blauen verschoben. „Warum sollte dies nicht auch in der laufenden Saison geschehen?“, so Theissen, der zugleich mehrere Entwicklungspakete ankündigt – wenn auch noch nicht für Sepang.

Michelin-Partner Renault F1 will laut Chefingenieur Pat Symonds den Erfolg in Australien mehr als nur bestätigen: „Wir treten zu jedem Grand Prix mit dem Ziel an zu gewinnen“, gibt der Brite die Losung aus. „Ob wir in Malaysia besser abschneiden werden als in Australien? Ja, das ist gut möglich. Ich bin sicher, dass wir den Ferrari ein gutes Stück näher rücken werden. Sie zu besiegen, wird nicht einfach, aber es muss unser Ziel sein.“
3mal.jpgBAR-Honda strotzt vor Selbstbewusstsein: Wie sehr die Erwartungen des britisch-japanischen Werkstems nach dem Wechsel zu Michelin gestiegen sind, belegt die Wertung von Technikchef Geoff Willis, der den erfreulichen sechsten Platz von Jenson Button lediglich als „soliden Start“ wertete. Schon in Malaysia soll der junge Brite – der noch auf seinen ersten Podestplatz wartet – diese Lücke in seiner Karriere schließen.
Im Team von McLaren-Mercedes weicht die Enttäuschung über den mageren Saisonauftakt dem bekannten Kampfgeist der Mannschaft aus Woking und Untertürkheim: „Wir wissen, dass wir uns verbessern müssen, und wir werden es auch schaffen“, kündigt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug an. Die aktuellen Testzeiten sprechen für den Aufschwung: Pedro de la Rosa, Testpilot der Silbernen, markierte an zwei von drei Tagen in Valencia die Bestzeit. .
Bei Jaguar widmete sich Formel 1-Neuling Christian Klien vor allem dem Fitness-Training unter tropischen Bedingungen. „Nach einer Woche Rudern, Kajakfahren, Jogging und Krafttraining hoffe ich, diesen körperlichen härtesten Grand Prix gut zu bewältigen“, erklärt der junge Österreicher. Teamkollege Mark Webber – ohnehin einer der trainiertesten Piloten – macht sich mehr Gedanken um die Fitness seines R5: „Unter tropischen Bedingungen weiß man nie, was einen erwartet. Wir werden sicher noch Verbesserungsansätze finden – aber hoffentlich nicht erst im Rennen.“
Toyota bewahrt nach dem ernüchternden Saisonauftakt Ruhe: „Wir haben viele Änderungen geplant, fast für jedes Rennen“, weiß der Technische Direktor Mike Gascoyne um die Stärken des Werksteams. „In Malaysia werden wir zum Beispiel einen neuen Frontflügel und einige neue Abweiser verwenden.“ Die Charakteristik des beschleunigungsintensiven Sepang Circuit könnte den Japanern entgegenkommen, denn ihren V10-Motor stuft Gascoyne als „absolut weltmeistertauglich“ ein.

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