Rallye Japan: Verpasste Chance
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(adrivo.com) Es war alles gerichtet für den Weltmeister: doch Sebastien Loeb vergab die Chance.

Ein Wechselbad der Gefühle für die Protagonisten der Rallye-Weltmeisterschaft: Beim drittletzten WM-Lauf, der Rallye Japan, leistete sich erst WM-Spitzenreiter Marcus Grönholm einen Ausritt, der zum Ausfall führte. Die Freude von Verfolger Sébastien Loeb währte nicht lange. Der Elsässer setzte seinen Citroën C4 WRC bei schwierigen Verhältnissen ebenfalls neben die Piste und blieb punktelos. Die Patzer der Topstars nutzte BP Ford-Werkspilot Mikko Hirvonen eiskalt aus und siegte vor Loeb-Adjutant Dani Sordo im zweiten Citroën. Während sich das Kopf-an-Kopf-Rennen in der Fahrerwertung damit fortsetzt, sorgte Hirvonens Sieg in der Marken-WM für eine Vorentscheidung zugunsten von BP Ford.

Die in Obihiro auf der japanischen Nordinsel Hokkaido stationierte Rallye war gekennzeichnet von frühwinterlicher Witterung: Nebel und vereiste Straßen erwarteten die Piloten am Freitag, in der Nacht zum Samstag verwandelte starker Regen die Wertungsprüfungen in Rutschbahnen. Erst auf der dritten Etappe ließ sich die sprichwörtliche japanische Sonne tatsächlich sehen.

Die ganz großen Favoriten jedoch erlebten die besseren Streckenverhältnisse nur noch als Zuschauer. Die Rallye war gerade mal dreieinhalb Wertungsprüfungen alt, da stand Marcus Grönholm bereits fahl und fassungslos neben seinem havarierten Ford Focus RS WRC. Gerade erst hatte der Finne die Führung von seinem Landsmann Jari-Matti Latvala und vor seinem Teamkollegen Mikko Hirvonen übernommen, da rollte er seinen Allradler auf der 2,73 Kilometer kurzen WP 4 ab. „Ich hatte bei der Recce eine bestimmte Rechtskurve überschätzt“, rekapitulierte der 39-Jährige kleinlaut. „Dort waren einige Bäume gefällt worden, und ich war sicher, dass sie schneller gehen würde als 2006. Doch es war leider sehr rutschig.“ Zudem lauerten zwar weniger Bäume, aber entsprechend mehr Baumstümpfe an dieser Stelle. Einen davon traf der Finne so hart, dass der Überrollkäfig des Ford Focus beschädigt wurde und die Technischen Kommissare das Auto an Ort und Stelle stilllegten.

Loeb verpasst die Gunst der Stunde

Damit hatte Sébastien Loeb alle Trümpfe in der Hand, aus vier Punkten Rückstand in der Fahrerwertung einen Vorsprung zu machen. Als Gesamtdritter hielt er Tuchfühlung zu Mikko Hirvonen, dem Spitzenreiter ab WP 6. Während Loeb Freitagabend mit dieser beruhigenden Aussicht schlafen ging, öffnete der Himmel über Obihiro seine Schleusen. Die zweite Etappe geriet zur Rutschpartie – auch für den dreifachen Champion. Auf WP 13 entglitt ihm der C4 WRC in einer schnellen Rechtskurve und wurde erst von dichtem Buschwerk gestoppt. Die herbeigerufene Citroën-Crew konnte den roten Renner nicht sofort flottkriegen, so dass Loeb erst am Schlusstag unter Super Rally-Bedingungen weiterfahren konnte. Insgesamt sechs WP-Bestzeiten entschädigten den Weltmeister nicht für den Nuller.

Vom ärgsten Verfolger befreit, blieb Mikko Hirvonen so eiskalt wie die aus Sibirien über Japan strömenden Winde und fuhr die Rallye souverän nach Hause. Im Ford Focus RS WRC holte er nach Norwegen seinen zweiten Saisonsieg und seinen dritten WRC-Triumph insgesamt. Auch die Attacken des zweiten Citroën-Werksfahrers Dani Sordo konnten den 27-jährigen Finnen nicht mehr erschüttern.

Auf den teils extrem rutschigen Prüfungen verloren nicht nur Grönholm und Loeb die Richtung, auch der glänzend aufgelegte Jari-Matti Latvala, Xavier Pons und Chris Atkinson fanden sich zwischenzeitlich neben der Piste wieder. Die fehlerfreien Leistungen von Dani Sordo und Henning Solberg (Ford) wurden folgerichtig mit den Plätzen zwei und drei belohnt.

Reifengeneralprobe

„War das ein Tag“, schnaufte der glückliche Sieger Mikko Hirvonen. „Wir hatten uns auf einen harten Kampf mit Loeb eingestellt. Als ich sein Auto im Graben liegen sah, nahm ich Tempo raus. Als dann etwas weiter auch noch Latvala parkte, machte ich noch langsamer. Die Bedingungen waren schwierig – so matschig, dass sie jeden auf dem falschen Fuß erwischen konnten. Aber meine extraweichen BFGoodrich g-Force Gravel-Reifen verschafften mir exzellenten Grip.“

Für den Reifenhersteller diente Japan als gute Generalprobe für die Wales-Rallye Großbritannien. Die Partnerteams setzten entweder die weiche oder superweiche Variante des g-Force Profiler ein, die zusätzlich mit nachgeschnittenen Profilrillen versehen wurden, um besser mit dem Massen von Wasser, Matsch oder losem Schotter fertig zu werden.

Das BP Ford-Werksduo setzt am Freitagvormittag auf die extraweichen Pneus und wechselte für den Nachmittag auf die weiche Variante. Am Samstag blieb Hirvonen den ganzen Tag über auf den superweichen Reifen. Dieselbe Entscheidung trafen die Subaru-Piloten. Bei Citroën wählten beide Fahrer am Freitag den weniger weichen g-Force Gravel-Pneu, am Samstag war auch für sie die superweiche Version die beste Wahl.

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