Sonst noch was? – Der Fortschritt ist eine Pampe – und andere Probleme
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„Kaffee und Karin, Birgit und Bier“ sang die deutsche Band „Element of Crime“ einst. Wir sind versucht, den Text abzuändern in „Kaffee und Kraftstoff“ oder besser noch „Kaffee aus Kraftstoff“. Warum dies? Ja, in unserer wundersamen kleinen journalistischen Welt werden wir täglich mit dem Fortschritt konfrontiert. In diesem Fall war es mal wieder die besonders rührige Gruppe der „Forscher“, die herausgefunden haben, dass man aus 10 Kilogramm Kaffeesatz rund 2 Liter Bio-Kraftstoff herstellen kann. Nun wollen wir das als grundsätzlich naive Menschen einfach mal glauben. Aber was genau heißt das für uns? Führen wir künftig, ähnlich wie Hundebesitzer, stets einen genormten Plastikbeutel (mindestens 10 Liter Inhalt nach DIN) mit, in dem wir die Reste unserer Koffeinsucht aufbewahren? Und wo können wir den Beutel abgeben? Vielleicht direkt an der Tankstelle, wo wir die feuchte Pampe gleich gegen 2 Liter reines Bio-Benzin eintauschen? Sie merken schon, da ist noch einiges ungeklärt. Vielleicht geht die Idee aber auch den Weg der allermeisten theoretisch ganz tollen Ideen. Das wäre dann übrigens ironischerweise der gleiche, den die Kaffeesatzreste heute noch gehen müssen: auf den Müll.

Nicht gleich auf den Müll, aber immerhin häufiger denn je müssen unsere Autos unfreiwillig in die Werkstatt. In dieser Woche kam aus den USA die Nachricht, dass im ersten Halbjahr bereits 31,4 Millionen Fahrzeuge einen Rückruf erhielten. 2013 waren es in etwa genauso viel – allerdings im ganzen Jahr. Als Autofahrer fragt man sich da unwillkürlich: Schaffen es die Hersteller wirklich noch, das zugegeben hohe Tempo ihrer Innovationen mit dem Qualitätsniveau des Endprodukts in Einklang zu bringen? So ganz sicher sind wir uns da ehrlich gesagt nicht, denn Qualitätsprobleme und Rückrufe sind beileibe nicht nur ein US-Problem. Auch in Deutschland gibt es sie zuhauf und treffen hier durchaus auch gerne Fahrzeuge, die in den Tests einschlägiger Magazine besonders gut abschneiden. Hier gilt es aufzupassen, sonst endet man ganz schnell dort, wo der Kaffeesatz zumindest heute noch landet. Sie wissen schon: auf dem Müll, in diesem Fall dem der automobilen Geschichte.

Apropos Innovation: Nach Hybrid, Plug-in-Hybrid und Elektroauto dürfen wir Autofahrer uns bereits mit dem nächsten Fort-Schritt auseinandersetzen. Hybrid-Pionier Toyota lässt die E-Mobilität einfach mal rechts liegen und setzt auf Wasserstoff. Das erste Serienmodell soll schon im nächsten Jahr zu kaufen sein. Wir schätzen den Preis für das Auto auf mindestens 80.000 Euro. Das allein wäre kein Problem, ein E-Auto von Tesla ist schließlich noch teurer – aber längst nicht so hipp. Wir sehen da eher ein Nachschub-Problem, kennen wir doch keine einzige Tankstelle in unserer Nähe, wo wir dem Fahrzeug einfach mal schnell Wasserstoff zuführen könnten.

Aber auch dafür, da sind wir uns sicher, wird es Lösungen geben. Zumindest, sobald die Probleme mit dem E-Auto keine mehr sind. Wir als Experten hätten da schon mal eine Idee: Wie wäre es, wenn wir aus Kaffeesatz Wasserstoff herstellen würden? Nach unserer groben Erstberechnung reicht der jährliche Kaffeekonsum einer mittleren Großfamilie schon aus, um Wasserstoff in einer Größenordnung herzustellen, die wiederum rund 100 Kilometer Fahrleistung ermöglicht. Wem das nicht ausreicht, der muss entweder weniger fahren oder mehr Kaffee trinken. Oder beides.

Da diese Kolumne sich ja als Wochenrückblick definiert, sei an dieser Stelle auch ein Wort des Abschieds erlaubt. Wir meldeten vor einigen Tagen den Produktionsstopp des großen Peugeot-Vans 807, dessen Schwestermodelle von Citroen, Lancia und Fiat schon längst nicht mehr angeboten werden. VW wird dem Sharan wohl keine neue Chance geben und der nächste Renault Espace ist in kommender Generation alles andere als der alte Raum-Gleiter. Der große Van, dieser Inbegriff von Familienfreundlichkeit und Luxus durch Luftigkeit, stirbt also offensichtlich aus. Denn alle, alle wollen ja jetzt sportlich sein und ein SUV fahren. SUV, das steht für „Super unnützes Vehikel“ oder so ähnlich, weil es in der Praxis viel Sprit verbraucht, im Vergleich zum Van auf großer Fläche weniger Platz bietet und entgegen landläufiger Meinung auch nicht sicherer ist. Im Gegenteil: Die mit weit aufgerissenen Augen und verkrampften Händen das Lenkrad ihres Cayenne umklammernde, mit dem Auto völlig überforderte Hausfrau auf dem Weg zur Schule ist ja inzwischen schon fast ein gängiges Klischee geworden. Und wie so manches Klischee auch leider nicht ganz falsch.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Menschen offensichtlich kein Gefühl mehr dafür haben, wie albern es ist, zum Beispiel im praktisch völlig schnee- und eisfreien Rheinland ein Auto zu fahren, dessen technische Fertigkeiten eher auf die Bewältigung der kompletten Panamericana ausgelegt sind. Und was ist mit den Legionen rückengeschädigter Unsportler, die ein albernes SUV als Ausrede für leichteren Ein- und Ausstieg hernehmen? Liebe Leute, ihr könntet ja auch ganz locker zum Van greifen. Zum VW Sportsvan zum Beispiel, das ist dann wenigstens das Sport-Wort wieder mit im Spiel. So wir wieder beim 807 wären und ein allerletztes „Adieu“ nach Frankreich schluchzen.

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