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“Tiefgreifender Systemwechsel“: Audi-Experte Franciscus van Meel im auto.de-Gespräch

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Audis erstes e-tron-Modell 2009 in Frankfurt/Main. Bilder

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Mit Reichweiten-Verlängerer: Audis A1-e-tron beim Techniktag 2010 in Ingolstadt. Bilder

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Audis e-tron-Spyder-Konzeptauto 2010 in Paris. Bilder

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Leitet bei Audi den Bereich Elektromobilitätsstrategie: Franciscus van Meel. Bilder

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Ausblick auf (Stufenheck-)A3: Audi-e-tron-Studie 2011 in Shanghai. Fotos: Koch/Audi Bilder

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Super-Elektrosportwagen: Audi R8-e-tron beim Techniktag 2010 in Ingolstadt. Bilder

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Neckarsulm – Da ist sich Franciscus van Meel sicher: „An der Elektromobilität führt kein Weg vorbei“, sagt der Mann, der bei Audi für das Thema zuständig ist, jetzt vor einem Rundgang durch die Entwicklungsmanufaktur des R8 e-tron am Außenstandort des Werks Neckarsulm in Biberach. „Und das Elektroauto ist aus unserer Sicht weit mehr als eine weitere Produktvariante.“ Der breite Einsatz von Elektroautos sei einer der Erfolgsfaktoren, die Kohlendioxid-Emissionen langfristig und nachhaltig zu reduzieren und damit individuelle Mobilität auch für kommende Generationen zu ermöglichen.

Was zeigt die aktuelle Entwicklung?

Franciscus van Meel: Dass sich das Elektroauto schneller durchsetzt als anfangs gedacht. In zehn bis 15 Jahren werden E-Autos kein Nischenprodukt mehr sein und zum selbstverständlichen Angebot jedes Automobilherstellers zählen, so wie heute Diesel und Benziner.

Das heißt?

Franciscus van Meel: Nicht mehr und nicht weniger, als dass ein Automobilhersteller, der die E-Mobilität nicht beherrscht oder nicht die richtigen Autos anbieten kann, massiv an Bedeutung verliert oder über kurz oder lang vom Markt verschwindet.

Und Audi?

Franciscus van Meel: Bis 2020 wollen wir der führende Premiumhersteller von E-Fahrzeugen sein. Dabei steht für uns die Bezeichnung e-tron als Synonym für elektrisches Fahren.[foto id=“360201″ size=“small“ position=“left“]

Technisch gesehen sind darunter alle Fahrzeuge zu verstehen, die auch an einer Steckdose geladen werden können, oder?

Franciscus van Meel: Dazu gehören verschiedene Konzepte: reine Elektroautos, Elektroautos mit Reichweiten-Verlängerung durch einen kleinen Verbrennungsmotor und Plug-In-Hybride mit einer rein elektrischen Reichweite von bis zu 50 Kilometern. Was wir heute unter der Bezeichnung e-tron entwickeln, wird nach einigen Jahren rückblickend ein ähnlicher Innovationstreiber für die Marke sein, wie es heute quattro, Aluminium Space Frame oder TDI sind.

Wovon gehen Sie denn heute zahlenmäßig konkret aus?

Franciscus van Meel: Dass wir bis 2020 unseren Absatz von e-tron-Modellen auf sechsstellige Stückzahlen im Jahr steigern. Nach und nach werden wir unterschiedliche Hybridvarianten und Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen wie 2014 den ersten Plug-in-Hybriden.

Welchem Antrieb widmen Sie besonders große Aufmerksamkeit?

Franciscus van Meel: Dem Plug-in-Hybrid. Wir halten ihn für das Antriebskonzept mit dem größten Zukunftspotenzial in der Mittel- und Oberklasse. Er verbindet das beste aus beiden Welten und bietet alle Möglichkeiten zur optimalen Rückgewinnung von Energie, herkömmlichen Fahrweise, elektrischen Fahrweise und auch für die Kombination im Allradantrieb.

Neben Ihren e-tron-Automobilen planen Sie aber doch auch wie im Fall des Q5 hybrid quattro sogenannte Vollhybride, also Fahrzeuge, die in einer Größenordnung von bis zu drei Kilometern rein elektrisch fahren.

Franciscus van Meel: Mit dem Q5 hybrid quattro starten wir sogar schon in diesem Jahr. Das Prinzip eines Vollhybriden mit parallelem Antriebsstrang setzen wir aber auch im neuen Audi A6 um. Und ab Ende 2011 können unsere Kunden zudem den Audi A8 hybrid bestellen.

Weiter auf Seite 2: Audi-Experte Franciscus van Meel im auto.de-Gespräch – Teil II

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Was ist Ihr Ziel?

Franciscus van Meel: Zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt anbieten zu können – die jeweils beste Lösung für unsere Kunden. Auch das Elektroauto ist zuerst ein Automobil und darf keine rollende Verzichtserklärung werden. Das heißt: Faszination, Fahrdynamik, Fahrsicherheit, Komfort und Design, Leichtbau und Assistenzsysteme, um nur einige zentrale Aspekte zu nennen, werden die entscheidenden Faktoren bleiben, die auch einen E-Audi im Kern ausmachen.

Und der Quattro-Antrieb?

Franciscus van Meel: Bei ihm werden sich im Zuge der Elektrifizierung ganz neue Möglichkeiten eröffnen. Der e-tron quattro demonstriert die logische Weiterentwicklung des Allradantriebes, der durch die Elektrifizierung weiter optimiert und perfektioniert werden kann.

Neue Antriebsarten, Elektro-, Hybridantrieb: Sie sprechen von einem „tiefgreifenden Systemwechsel für die Automobilindustrie“. Was meinen Sie damit?

Franciscus van Meel: Elektromobilität stellt uns vor ganz neue Herausforderungen, was unser Selbstverständnis betrifft. Nicht nur in der technischen Entwicklung müssen wir auf die neuen Anforderungen eingehen. Wir müssen über die ganze Wertschöpfungskette nachdenken, bereit sein, bestehende Konzepte über alle Geschäftsbereiche hinweg zu hinterfragen – von der Entwicklung über den Vertrieb bis hin zur Serviceorganisation. Und daran arbeiten wir gerade mit Hochdruck.[foto id=“360203″ size=“small“ position=“left“]

Auch für Ihre Mitarbeiter müssten sich dadurch doch eigentlich völlig neue Anforderungen ergeben.

Franciscus van Meel: Hochqualifizierte Mitarbeiter sind bei diesem Übergang in ein neues Zeitalter der Mobilität unverzichtbar. Auch hier verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Wir stellen nicht nur neue Mitarbeiter ein, sondern qualifizieren auch unser vorhandenes Personal kontinuierlich weiter, und zwar vom Ingenieur in der technischen Entwicklung über den Arbeiter am Band bis hin zum Servicepersonal in unseren Handelsbetrieben. Inzwischen arbeiten etwa 400 Kollegen ausschließlich an den E-Themen, weit mehr sind zu einem Teil ihrer Arbeitszeit mit diesen Fragestellungen beschäftigt. An unserem „Qualifizierungssprogramm Elektromobilität“ haben bisher rund 7300 Mitarbeiter teilgenommen.

Gibt es inzwischen den Königsweg für Elektromobilität?

Franciscus van Meel: Nein. Deshalb arbeiten wir an den unterschiedlichsten Lösungen und Konzepten. Auch scheinbar einfache Dinge müssen noch geklärt werden. Denken Sie nur an Ihr Handy: Sie können es lediglich mit dem geeigneten Ladegerät laden. Ihren Audi e-tron wollen Sie in Zukunft aber möglichst unkompliziert und sicher überall laden können. Eine globale Standardisierung der Ladeschnittstelle ist also beispielsweise unabdingbar.

Müssten Sie sich als Automobilhersteller nicht auch der Frage stellen, woher die Energie für Ihre Fahrzeuge kommt?

Franciscus van Meel: Das tun wir. So setzen wir etwa durch unsere Beteiligung an der Desertec-Industrie-Initiative ein klares Signal für die nachhaltige Energieerzeugung. Denn nur mit Strom aus regenerativen Energiequellen macht Elektromobilität wirklich Sinn.

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