Dietmar Otte – Dieselringträger 2010: Verkehrssicherheit braucht exakte Daten
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Sichere Autos und die niedrigste Anzahl von Verkehrstoten in der neueren Geschichte sind kein Zufall. Ingenieure und Mediziner, Forscher und Verbandspräsidenten, Fach­minister und Automobilkonstrukteure, Versicherungsfachleute und Elektroniker, Entwickler von Assistenz- und Stauwarnsystemen,  Psychologen und Juristen haben die Straßen sicherer gemacht. Viele von ihnen sind Träger des Goldenen Dieselrings des Verbands der Motorjournalisten e.V.

2010 zeichnete der VdM Professor Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Ing. (TU) Dietmar Otte aus. Er ist Leiter der Verkehrsunfallforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover und Begründer der Unfalldatenbank, die heute Basis ist für jede Konstruktion von passiver Sicherheit in Straßenfahrzeugen.

Seine derzeitige Aufgabe und seine Position hängen ursächlich mit der Arbeit von Professor Hermann Appel, TU Berlin, zusammen. Dietmar Otte, der 28 Jahre junge Ingenieur, sammelte in den 1970er Jahren für dessen Institut Daten zum Thema Fußgängersicherheit und ging hierzu nach Hannover an die Medizinische Hochschule Hannover. Er wies auf scharfe Kanten an Pkw und das teils gefährliche Design von Stoßstangen hin. Er trat für die Entschärfung der Fahrzeugfronten an Pkw und Lkw ein, wobei die Aerodynamik hilfreich wirkte, weil sie eher glatte Formen braucht. Die Diskussion über Safari-Gitter und Bullenfänger brachte Otte ins Rollen und die Motorradfahrer hatten in ihm einen aktiven Vertreter ihrer Interessen.

Motorrad

Bei steigenden Motorradunfällen in den Boom-Zeiten dieser Fahrzeuge war das bitter nötig. Die Vollvisierhelme wurden Standard. Hier bewirkten Ottes Unfalluntersuchungen eine Verlängerung des Schutzbereiches im Nacken und eine Integration des Kinnschutzes durch die verbesserten unfallkonformen Testregularien nach ECE. Die BMW C 1 mit ihrem revolutionären Design hatte leider nicht den Markterfolg, den sie verdiente. Denn Crashversuche bewiesen die für ein Zweirad überragende Sicherheit. Vor allem war der Kopf relativ sicher vor heftigen Berührungen mit der Straße. Auch hier begleitete er die hierzu von der Bundesanstalt für Straßenwesen BASt durchgeführten Prüfversuche wissenschaftlich und belegte durch Unfalluntersuchungen deren Schutz.

Die Motorradbekleidung wurde aufgrund von Ottes Untersuchungen europaweit sicher ausgebaut trotz einer gewissen Zurückhaltung der deutschen Zweiradindustrie gegenüber Sicherheitsprotektoren in der Kleidung und an Motorrädern. Besonders die Protektoren in der Kleidung haben viele schwere Verletzungen verhindert, so Otte. Diesem Thema hat sich auch Dr. Dieter Lebrecht Koch, der Weimarer Europaabgeordnete und Dieselringträger 2008, gewidmet.

Fahrrad & Nutzfahrzeuge

Bei Radfahrern bewirkte Otte, dass der Radfahrerschutzhelm heute bereits viel genutzt wird. Seit 1985 motiviert er öffentlich Radfahrer, diesen Helm zu tragen. Zudem wirkt Otte im Arbeitskreis zur europäischen Normung CEN, um diesen Schutz fortlaufend zu optimieren. Auch vor den Nutzfahrzeugen machten die Untersuchungen des Ringträgers 2010 nicht halt. Seit 1985 ist ABS bei neuen Lastkraftwagen Pflicht.

Unfallforschung

Die Untersuchung von Fahrzeugen unmittelbar nach dem Unfall begann in Hannover im Jahre 1973 und fünf Jahre später nahm mit Otte das heute bestehende Institut seine Formen an. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), Fachabteilung Unfallchirurgie, benötigte für die Behandlung von Unfallopfern genauere Informationen über Verletzungen, und der Gesetzgeber benötigte Informationen zur Unfallentstehung und zu den Verletzungsmechanismen. Diese Daten möglichst schnell nach dem Unfall aufzunehmen, ist heute die Hauptaufgabe der Unfallforscher am Unfallort. Die Methode, Daten zu sammeln, hat Otte wesentlich entwickelt. Sie ist heute weltweit anerkannt, viele andere Erhebungen sind am Beispiel der deutschen Erhebungen orientiert. Seit 1999 besteht eine Kooperation mit der deutschen Automobilindustrie im Projekt GIDAS (German-In-Depth-Accident Study), eine Zusammenarbeit mit der TU Dresden, an der wie in Hannover Unfallforschung auf der Basis von Ottes Erfahrungen und Methodik betrieben wird.

Der Weg nach Hannover führte für Dietmar Otte über Berlin, wo er am Institut KfZ-Technik der TU Assistent bei Professor Appel wurde. An der Medizinischen Hochschule Hannover arbeitete er eng mit dem namhaften Unfallchirurgen Prof. Tscherne zusammen und erlernte das Fachgebiet Biomechanik. Seine Forschungen in Berlin ließen allmählich auch die Autoindustrie aufmerksam werden. Immer mehr Hersteller nutzten die am Unfallort gesammelten Informationen für die Verbesserung der aktiven und passiven Eigenschaften ihrer Fahrzeuge; später stellte Otte ein Konzept zur Nutzung von Daten der Deutschen Automobilindustrie vor. Von 1985 bis 1999 hat es gedauert, bis dies im Kooperationsprojekt GIDAS-Daten (Ger­man in depth accident study) von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) und allen Kfz-Herstellern genutzt wurden. In diesem Ko-Projekt ist heute neben der MHH auch ein zweites Team in Dresden tätig.

Erhebungen am Unfallort sind aus der wissenschaftlichen Verkehrsunfallforschung nicht mehr wegzudenken. Heute sind auch alle Hersteller aktiv. Sie verfügen über eigene Teams und nutzen die Daten aus GIDAS. Der zukünftige Schwerpunkt in der Technik liegt auf der aktiven Sicherheit. Auch hier hat Otte die Weichen für sein Team für die Zukunft gestellt. Derzeit wird ein neues Bewertungssystem ACASS (accident causation system mit seven steps) bei den Interviews mit den Unfallopfern angewandt. Im Fokus stehen die Möglichkeiten, durch menschliches Agieren Unfälle zu vermeiden, u.a. durch die Fahrerassistenzsysteme, die künftig vermehrt auch aktiv eingreifen können. Nach Ansicht von Dietmar Otte ist das eine Neuorientierung der Unfallforschung weltweit.

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