Gastkommentar: Es lebe der Pessimismus – oder das verlorene Siegerlächeln!
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Wer letzte Woche die Rede von BMW-Chef Norbert Reithofer zur Bilanz gehört hat, muss Tränen in den Augen gehabt haben, so schwarz und pessimistisch malte er. Neue Sparmaßnahmen, erweiterte Kurzarbeit, einbrechende Gewinne und Absatzzahlen – Skepsis für die nahe Zukunft auf ganzer Linie. Nun war Reithofer noch nie jener fröhliche Strahlemann, der charismatisch Optimismus verbreiten kann. Seine nüchterne Art scheint so gar nicht zum optimistischen Winner-Image des Markenkerns von BMW zu passen.

Haben sich BMW-Fahrer bislang gern mit dem Nimbus des erfolgreichen Dynamikers geschmückt, müssten sie nach der aktuellen Reithofer-Bilanz und –Prognose jetzt eher in Sack und Asche gehen. Denn BMW hat das Siegerlächeln verloren, und Reithofers Rede lässt fast nur den Schluss zu, dass bei BMW demnächst die Lichter ausgehen, wenn der Markt nicht bald wieder anzieht. Natürlich hat er das nicht gesagt, und sein langfristiger Ausblick ließ vage Hoffnung erkennen.

Aber auch in dieser Hoffnung sieht Reithofer schon wieder etwas Negatives. Denn er rückt von seinem anvisierten Absatzziel 2012 ab. Statt 1,8 Millionen Fahrzeuge werden es wohl „nur“ 1,7 Millionen. Ist das ein Grund, zu dramatisieren? – Es gab Zeiten, da jubelte BMW, die 500 000 überschritten zu haben.

Auch BMW-Chef Reithofer klagt also auf ziemlich hohem Niveau. Aber die Schlagzeilen in der Presse, in denen die Wahrnehmung seiner Ausführungen verdichtet wird, kommen allesamt zu dem Schluss, dass alles nur noch schlimmer werden wird. Erwartet Herr Reithofer wirklich, dass nach einer solch pessimistischen Botschaft der Kunde am nächsten Tag fröhlich zum BMW-Händler geht und sich ein neues Auto kauft? Warum verstehen viele Wirtschaftsführer einfach nicht, dass ihre Unternehmen und ihre Reden eine Vorbildfunktion haben. Ich kann als Vorstandschef nicht ständig Sparmaßnahmen fordern und die Belegschaft darauf einschwören, wie schlecht die Welt um uns herum ist, aber vom Kunden erwarten, dass er zuversichtlich bleibt und sein Geld eben nicht (!) spart. Der lässt sich doch von solchem Untergangszenario anstecken und fährt seinen BMW ein paar Jahre länger.

Es ist noch nicht lange her, da kamen von BMW wöchentlich nur positive Rekordmeldungen, in denen die ständigen Verkaufserfolge an allen Fronten zelebriert wurden. Das war genau die richtige Strategie, das mediale Rover-Tief vergessen zu machen und die BMW-Kunden darin zu bestärken, sich mit dem Image einer positiv tickenden Erfolgsmarke identifizieren zu können. Dass Reithofer nun so pessimistisch erscheint, ist nicht ganz nachvollziehbar.

Selbst wenn alles so schlimm ist – BMW ist nicht ganz unschuldig in die Krise geraten. Heute wissen wir, dass die Markterfolge zum Beispiel in den USA auch mit fast schon unseriös berechneten Leasingkonditionen für BMW-Produkte erkauft worden sind, die heute finanziell voll durchschlagen. Auch die BMW-Strategen hätten wissen müssen, dass die Gebrauchtwagenpreise höchst volatil sind und ein Damoklesschwert für jeden Leasingvertrag bedeuten.

Wenn Norbert Reithofer davon spricht, auch weiterhin die führende Premiummarke bleiben zu wollen, klingt das wie das Pfeifen im Wald. Im BMW-Vierzylinder lacht man nicht mehr über den Konkurrenten aus Ingolstadt, weil der in Sachen Wahrnehmung längst zum führenden Premiumhersteller geworden ist. Diese Wahrnehmung im Markt hat nichts mit Absatzzahlen oder harten Fakten zu tun. Wenn heute auf der Straße querbeet Passanten befragt würden, welche Automarke toppremium sei, dürfte Audi ganz klar vorn liegen. Nicht BMW und auch nicht Mercedes-Benz.

Und weil Wahrnehmung Wirklichkeit ist, wissen alle Audi-Wettbewerber, dass sie sich sehr anstrengen müssen, um in der Oberliga mitspielen zu können. Und das macht wieder die Qualität der gesamten deutschen Autoindustrie aus: dass sie auf den Weltmärkten insgesamt als Produzent der besten Autos der Welt immer noch als Maßstab gilt. Und das gilt auch für die amerikanischen Marken Ford und Opel. Aber das ist eine andere Geschichte.

(Entnommen aus der aktuellen Ausgabe des Branchen-Informationsdienstes „PS-Automobilreport)

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Gast auto.de

März 24, 2009 um 4:48 pm Uhr

Zu den Pennsäcken:
Wir in Österreich hätten die Leichtfahrzeuge schon.(nicht nur Führerscheinfrei. sondern auch 4-sitzig mit Benzin-Motor), wendig, sicher und robust.
>Jahrelang gab es lt. Statistik-Austria keine Unfälle (der Anteil an Verkehrsunfällen belief sich im Promille-Bereich)
Und nun das AHA-Erlebnis wie man alles mögliche steuern und miesmachen kann:
Diese Fahrzeugklasse wurde mit den QUADS in eine Fahrzeugklasse gelegt-damit waren plötzlich Unfallzahlen mit Verletzten vorhanden- und siehe da, plötzlich waren die Fahrzeuge unsicher………….
Fazit: alles was wir wollen ist da, werden die richtigen Politiker beeinflusst, kann man aber vieles abwürgen

Gast auto.de

März 23, 2009 um 6:46 pm Uhr

Traurig wenn man von oberster Heeresleitung derartige Nachrichten dem breiten Volk aufs Brot schmiert.
Von einem serösen Techniker hätte man erwarten dürfen, reife Zukunftslösungen zur Überwindung der Negativschlagzeilen, beim gleichen Vortrag zu erfahren!
Wieder einmal hat man diese Chance vertan und lässt die Anhänger der Marke BMW im Ungewissen!

Gast auto.de

März 23, 2009 um 4:33 pm Uhr

Ein äußerst interessanter Kommentar!
Aber, auch in der Automobilbranche gibt es Manager unterschiedlichsten Kalibers. Herr Reithofer ist ein seriöser
Techniker und ansonst vielleicht als Buchhalter zu verwenden !
Wie konnte BMW auf ihn setzen, ohne seine Marketingfähigkeiten
richtig zu bewerten! Einseitige Bosse kann man auch kaum beraten.
Sie können in elementaren Entscheidungen fehlendes Wissen nie durch erfahrenen Geist ergänzen !
Aber Gott sei Dank: auch BMW-Wagen werden immer noch durch den Verkauf+Marketing abgesetz.
In meiner Familie fährt man auch weiterhin
75% BMW und 25% Audi/VW
Anton Schneider
Gablitz Österreich

Gast auto.de

März 23, 2009 um 2:49 pm Uhr

Die Autohersteller sind durch das Band Pennsäcke, der Markt hätte längst mit Plug-In Leichtfahrzeugen durchdrungen werden können.
Es sind eben Oil-Aersche!

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