Genfer Autosalon: Die Schnen fr die Reichen

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Copyright: auto.de

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Es ist traditionell eine der vornehmsten Aufgaben des Genfer Automobilsalons, den Studien der Designer, den Manufakturen, den Tunern und Träumern der Autowelt eine Bühne zu eröffnen. Hier können sich all diejenigen präsentieren, deren Fahrzeuge für Normalsterbliche preislich unerreichbar sind: die Schönen für die Reichen sozusagen.

Sie schätzen sich als einigermaßen sattelfester Kenner der Autoszene ein? Schon einmal etwas von den Manufakturen „Anadi“ oder „Spania“ gehört? Nein? – Kein Grund, sich zu schämen. Bei „Anadi“ handelt es sich um einen italienischen Kleinstserienhersteller, bei dem ein türkischer Designer aus Holland – zwei der bekanntlich ganz großen Autonationen – ein Cabrio gezeichnet hat, das eine Corvette mit 479 kW/651 PS zu einem denkbar fragwürdigten Auftritt verwurstet hat. Der Anbieter träumt davon, dass sich 300 Reiche dieser Welt finden, die bereit sind, 230 000 Euro in diese Verirrung zu investieren. Die Vermarktung seines „GTA“ geht der spanische Autobauer Spania da schon bescheidener an. Er sucht nur 99 Kunden, die Willens und in der Lage sind, einen nicht näher bezifferten hohen sechsstelligen Euro-Betrag in einen Karbon-[foto id=“457653″ size=“small“ position=“left“]Titan-Kevlar-Tiefstflieger zu investieren, den ein V10-Motor mit 8,3 Liter Hubraum und 603 kW/820 PS Leistung auf 350 km/h beschleunigen soll.

Was noch vor Jahren die Grundelemente eines Traumautos definierte – Leistung, Eleganz und Exklusivität – hat sich Genf nun ein wenig ins Albtraumhafte verloren. Das beweist aktuell Ferrari. Jahrzehntelang bestimmte Leistung und formale Schönheit im perfekten Gleichklang den Auftritt der Italiener und definierte die Begehrlichkeit ab dem Autoquartett-Alter. Die Leistung aber steigt exzessiv und die Formensprache leidet unter allerlei Flügeln, Diffusoren und schlundähnlichen Öffnungen, die um die letzte 500-Gramm-Packung Abtrieb ringen. Zwei Tage lang ist der F 150 von vielschichtigen Trauben Neugieriger derart hartnäckig umlagert, dass allenfalls für Sekundenbruchteile Blicke auf rotlackierte Details eines flunderflachen Kohlefasergebäcks möglich sind. Diese Kreation hat formale Ästhetik auf dem Altar welt- und alltagsfremder Leistungen jenseits der 900 PS geopfert. Keine Frage, die 399 Auserwählten für die begrenzte Auto-Serie wird Ferrari finden und jedem rund 1,2 Millionen Euro abknöpfen. Aber ein Traumauto ist der Ferrari F 150 nicht mehr; genauso wenig wie der Lamborghini Veneno. Drei Autos mit einer Leistung von 552 kW/750 PS für jeweils drei Millionen Euro haben die Italiener gebaut, doch ihre Form mit Ecken, Kanten, Spitzen und Spoilern kann allenfalls als Schönheitsideal für Panzerechsen aus der frühen Kreidezeit reüssieren.

Denn der ästhetische Wertekanon der alten Welt gilt in der Autobranche von heute nachweislich nicht mehr. Bei Mercedes zum Beispiel, aber auch bei Audi oder BMW werden die Formen einerseits zwar barocker, doch vermehren sich rund um die blechernen Hüllen die Hutzen, Sicken und Chromverzierungen im Rhythmus zeugungsfreudiger Nagetiere. Wer sich daran stört, erhält beim ältesten Autobauer der Welt den dezenten Hinweis, dass die Formschöpfer aktuell eher dem [foto id=“457654″ size=“small“ position=“right“]chinesischen Auto-Geschmack huldigen. Denn das Reich der Mitte saugt längst mehr Premium-Mobile auf, als die gute alte deutsche Heimat und das europäische Umland. Das erklärt vieles, versöhnt aber keineswegs.

Der Tuning-Trend zu matten Lacken generiert seine Schlagzahl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls nicht aus der europäischen Nachfrage. Auch wenn sich über Geschmack trefflich streiten lässt, hier erreicht die Geschmacklosigkeit neue Rekorde auf einer nach oben offenen Skala. Auf dem Stand des deutschen Tuners Hamann aus Laupheim darf eine in violett-metallic lackierte Verballhornung eines Range Rovers namens „Mystére“ den inoffiziellen Titel „König des schlechten Geschmacks“ für sich reklamieren. Da beginnt sogar ein Blindenhund aggressiv zu schnappen.

Die am meisten gestellte Frage unter Kollegen, „Welches Auto würdest du mit nachhause nehmen, wenn du dir eines auf der Messe aussuchen darfst?“ erntete in den meisten Fällen Schulterzucken. Ein „Hypercar“ wie den Ferrari F 150? Den McLaren P1 mit seinen weltfremden 674 kW/916 PS? Eher nicht. Von den matten leistungsmäßig aufgeblasenen Verirrungen der Krawalltuner und Manufakturen käme auch keines in Frage. Mit den 410 kW/558 PS des Aston Martin Rapide S würden sich dagegen wesentlich mehr Fachleute künftig durch ihren automobilen Alltag begleiten lassen, oder von einem Jaguar F-Type. Auch an eine offene Corvette mit ihrem reiz- und lustvoll bollernden 6,2-Liter V8, der 331 kW/450 PS mobilisiert, könnte sich der eine oder andere gewöhnen. Gleiches gilt für den Porsche GT3, der 350 kW/475 PS mit einem heiser kreischenden, frei drehenden Sechszylinder-Boxer mobilisiert.

Geht der Trend der Luxus- und Traumautos wirklich ausschließlich in Richtung Protz, Prunk und prolligem Hedonismus? Die bange Frage drängte sich beim Gang durch die Genfer Hallen durchaus auf. Doch bei näherem Hinsehen, konnten auch die Lichtblicke glänzen. Bei Lexus drehte sich beispielsweise die erstmals in Detroit gezeigte Studie eines sportlichen Coupés namens LF-LC, lackiert in einem leuchtenden dunklen Blau. Der Zweitürer auf der technischen Plattform des neuen Lexus GS ist ohne Wenn und Aber der schönste je kreierte Lexus. Den Japanern gelang das Kunststück, eine schnörkellose Form für ein sportlich-elegantes Coupé in der Tradition der großen GT (Gran Turismo) zu finden, und das ganz [foto id=“457655″ size=“small“ position=“left“]ohne Retrodesign. Von einem solchen Auto lässt sich trefflich träumen, verbunden mit der Hoffnung, dass der Weg zur Serie vorprogrammiert ist.

Bei Brabus aus Bottrop fand sich schließlich einer der heimlichen Autostars, den 99 von 100 Fachbesuchern sofort eingepackt und mitgenommen hätten. Ein Mercedes 280 SL „Pagode“ aus den späten Sechzigern. Brabus entwickelt den Geschäftszweig Restaurierung mit großem Elan und Erfolg weiter. Wenn es keine schönen neuen Autos für die Reichen mit Geschmack gibt, dann harren automobile Schönheiten vergangener Dekaden auf den Kuss der Könner, um zu neuem Leben zu erwachen. Das hat bei perfekter Ausführung auch seinen satten sechsstelligen Preis. Und somit stimmen die tradierten Werte der Traumautos wieder, und der Besucher kann beruhigt mit schmerzenden Füßen von den Genfer Messehallen in Richtung Heimat gehen. Wird sich bis 2014 die Autowelt grundlegend ändern? Schaun wir mal.

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