Pick-ups – Die Autolieblinge der Amis
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Pick-ups - Die Autolieblinge der Amis - ©  Michael Specht/mid Bilder

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Wer heute auf den amerikanischen Highways unterwegs ist, kommt mit jeder zurückgelegten Meile mehr und mehr zu der Überzeugung, Ressourcenschonung und CO2-Ausstoß zählen nicht zu den dringlichsten Themen des Landes. Der Blick durch die Windschutzscheibe zeigt: Big country, big cars. Straßen und Parkplätze werden mehrheitlich von dicken SUV und mächtigen Pick-ups bevölkert.

Pritschen-Laster[foto id=“496167″ size=“small“ position=“right“]

Besonders Letztere sind die absoluten Lieblinge der Nation; und das seit Jahrzehnten. Am besten lässt sich dieses scheinbar uramerikanische Phänomen am F150 von Ford ablesen. Der Pritschen-Laster ist der Bestseller, unangefochten und ununterbrochen seit über 30 Jahren. Es ist ein Auto, das in Deutschland in kein Parkhaus fahren könnte. Doch drüben in der Neuen Welt führt der F150 nicht nur sein Pickup-Segment an, sondern übertrifft auch alle anderen Fahrzeuggattungen. Mit anderen Worten: Kein anderes Auto, kein SUV, keine Kompakt- oder Mittelklasse-Limousine, kein Kleinwagen wird in Amerika häufiger neu zugelassen als die Modelle der F-Serie von Ford. Jeden Tag sind es rund 2 000 Stück. Damit verkauft Ford doppelt so viele Pick-ups wie Pkw. Ähnlich sieht es bei den anderen beiden der „Großen Drei“, der „Big Three“ mit General Motors und Chrysler aus Detroit aus. Bei ihnen heißen die Verkaufsschlager Chevrolet Silverado und GMC Sierra sowie Ram. Alle drei Autobauer feiern Rekordabsätze, bringen jährlich die unvorstellbare Menge von rund 2,5 Millionen Pick-ups auf die Straße.

Im Pick-up steckt ein Stück Cowboy

Wer den Grund dafür sucht, muss bis weit in den Wilden Westen mit seinen Siedlertrecks und Planwagen zurück. „In jedem Pick-up steckt noch immer ein Stück Cowboy“, glaubt Ford-Manager Mark Truby, „diese Art von Auto verkörpert Freiheit und Männlichkeit“. Außerdem gehören Pick-ups seiner Meinung nach zu den nützlichsten Fahrzeugen überhaupt. Transportiert wird so gut wie alles. Wo in alten Lassie-Filmen noch Heuballen und Holzfässer auf der Pritsche lagen, fahren heute auch Jetski, Quads und Cross-Motorräder mit. Auch Bill Ford, Executive Chairman der Ford Motor Company und Urenkel des Firmengründers Henry Ford, sieht in der Vielseitigkeit des Pick-ups den wesentlichsten Kaufgrund. Hinzu kommt die üppige Zugkraft dieser von den Amis kurz „Trucks“ genannten Fahrzeuge. Je nach Größe und Motorisierung sind selbst mehrere Tonnen schwere Hänger kein Problem.

Ford leutet neue Generation ein

Wenn die wichtigste Automesse der USA, die Detroit Motor Show (NAIAS) ihre Türen öffnet, wird Ford seinen Bestseller in neuester Generation präsentieren und versuchen, Silverado und Sierra noch weiter hinter sich zu lassen.

Auch wenn eine große Anzahl der Pick-ups in Amerika mehr als Arbeits- denn als Freizeitgerät dient, rollende Verzichtserklärungen sind diese Autos damit noch lange nicht. Im Gegenteil. Im Innenraum geht es mitunter gediegener zu als in manchen Oberklassen-Limousinen. Leder, Holz, Chrom, Klimaautomatik, Soundsystem, Touchscreen, Sitzheizung und -kühlung sind teils ebenso serienmäßig an Bord wie elektronische [foto id=“496168″ size=“small“ position=“left“]Assistenzsysteme, Abstandsradar oder Rückfahrkamera.

Garant für Erfolg

Ein weiterer Punkt für den Erfolg dieser Fahrzeuggattung ist ihr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Der Käufer bekommt viel Auto und viel Nutzwert für sein Geld. Der Ford F150 beispielsweise startet bei unter 25 000 Dollar, umgerechnet etwas mehr als 18 000 Euro. Selbst das Top-Modell der Baureihe mit 302 kW/411 PS ist für weniger als 40 000 Euro zu haben. Nahezu identisch sieht es bei Chevrolet und Chrysler aus. Hinzu kommen vergleichsweise niedrige Unterhaltskosten, bedingt durch den aus deutscher Sicht günstigen Spritpreis. Eine [ no Image matched ]Gallone (3,78 Liter) Benzin kostet derzeit knapp 3,45 Dollar. In Euro sind das 67 Cent pro Liter.

Da darf es auch gern ein mächtiger Motor sein. So arbeiten unter den meisten Pick-ups noch immer riesige Achtzylinder-Benziner, teils mit Hubräumen von über sechs Litern. Schließlich wollen drei Tonnen Gewicht und mehr souverän bewegt werden. Ein cW-Wert, vergleichbar einer Schrankwand, soll munter gegen den Fahrtwind gedrückt werden. Ein Verbrauch von 20 Litern bis 25 Liter auf 100 Kilometer nehmen die US-Amerikaner als unabwendbares Schicksal klaglos hin. Chevrolet rühmt sich auf seiner Internetseite, für den Silverado den „sparsamsten Achtzylinder zu haben, der jemals in einen Pick-up eingebaut wurde“, ein 5,3-Liter-Small-Block. Verbrauch im entspannten Highway-Modus: 23 Meilen pro Gallone. Heißt: 10,3 Liter pro 100 Kilometer. Drehmomentstarke und effiziente Dieselmotoren tauchen im Silverado-Programm nicht auf. Einzig Ram hat ein Selbstzündermodell im Programm. Und Ford bemüht sich immerhin um klimatische Schadensbegrenzung und bietet den F150 auch mit Erd- und Flüssiggasantrieb an.

Die „Big Four“

Wie sehr der Pickup-Markt von den vier amerikanischen Marken Ford, Chevrolet, GMC und Dodge dominiert wird, zeigen die Zulassungszahlen der Importeure. Toyota kommt mit seinem nicht minder mächtigen Tundra-Truck gegenüber Ford auf weniger als ein Sechstel. Ganz nach hinten durchgereicht wird Nissans Titan, der es auf mickrige zwei Prozent Marktanteil im Vergleich zur F-Serie bringt.

Autoexperten sehen den Grund in der überdurchschnittlich konservativen Klientel. Besonders in den zentralen US-Bundesstaaten stehen Viele den Importmarken wenig aufgeschlossen gegenüber. „Buy American“ gehört dort zur unerschütterlichen Lebensphilosophie. Dies registriert auch VW und hält sich daher vorsorglich zurück, den Amarok in Amerika anzubieten. Nicht nur weil der VW-Laster von der Größe her – immerhin 5,25 Meter lang – eine Klasse tiefer angesiedelt ist und im sogenannten „Midsize“-Truck-Segment fährt, sondern auch weil die Verkaufskurve der kompakten Pick-ups in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach unten zeigt.

General Motors versucht nun, diese Klasse wiederzubeleben und zeigte vor wenigen Wochen auf der Los Angeles Auto Show den „all-new 2015“ Chevrolet Colorado, modellpolitisch so etwas wie der kleine Bruder des Silverado. Der Colorado kommt im Herbst 2014 erstmals auch mit Dieselmotor zu den Händlern. Bei Erfolg könnten andere nachziehen; vielleicht auch Volkswagen.

 

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