Kampf der Konzerne: Fiat plus Chrysler sind im Ring
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Zwei Konzerne sind im Umbruch. Die aus europäischer Automobil-Kultur entstandene Fiat-Gruppe ist seit sechs Wochen mit dem amerikanisch geprägten Chrysler-Trust unter einem Dach. Jetzt werden die Grundzüge der künftigen Modell-Strategien sichtbar. Konzernchef Sergio Marchionne stellt sie in etwa drei Wochen in einer Konferenz mit Analysten, Branchenexperten und Börsentechnikern in New York vor. Daraus ergeben sich auch für den deutschen Automarkt Konsequenzen, in deren Mittelpunkt die Kernmarken Fiat, Alfa Romeo und Jeep fahren.

Allen gemeinsam ist die Bündelung ihrer Technik- und Attraktivitätsinhalte in der neuen FCA-Organisation. Darin werden weltweit mehr als 225 000 Mitarbeiter auf ein übergeordnetes Ziel eingeschworen: Fiat Chrysler Automobiles wird mittelfristig im Kampf der Konzerne gegen Volkswagen antreten und mit seinen Markeninhalten gegen VW Golf und Co. positioniert. Für diese Konfrontation rüsten sich die Italo-Amerikaner mit nun bewährten Methoden: Eine ausgeklügelte Plattformstrategie, technische Gleichteile-Produktion und eine sogenannte „Eigenschafts-Bibel“ mit den charakterlichen Stärken der jeweiligen Marken sollen Kosten verringern, den Profit erhöhen und die Eigenständigkeit der Fiat-, Alfa- und Chrysler-Modelle sichern. Angestrebt wird ein Auto-Konzern, der vom Minimodell über pfiffige SUVs und Geländewagen bis zur Luxuslimousine und dem Hyper-Sportwagen alle automobilen Spielarten unter einem Dach vereinigt.

Wem diese Konstruktion bekannt vorkommt, der ist schon auf dem richtigen Weg: Denn exakt nach diesen Mustern haben Ferdinand Piech und Martin Winterkorn als Chef- Persönlichkeiten des Aufsichtsrats und der Vorstandsriege mit dem Techniker Ulrich Hackenberg und dem Designer Walter de Silva im Gleichschritt den globalen VW-Konzern geschmiedet. Die Mehrmarken-Strategie wurde zwar in Amerika erfunden, aber perfektioniert hat sie Volkswagen. Vom Up! bis zum Bugatti. Für den FCA-Konzern gilt: Vom Cinquecento über den Jeep Grand Cherokee bis zum Ferrari. Nach dem VW-Vorbild werden Fiat und Chrysler mit ihren jeweiligen Marken gemeinsame Techniken enthalten und über Motor- sowie Fahrwerkabstimmungen und vor allem über unterschiedliche Designbotschaften getrennt fahren und gemeinsam ihre Kunden finden.

Für Fiat und Chrysler folgt daraus: Es wird zwei global antretende, mehrere lokal und zum Teil auch international operierende Groß-Marken geben. Alfa Romeo bleibt im FCA-Konzern. Die Traditionsmarke mit dem nobel-sportlichen Kern wird mit neuen Modellen auf Erfolg getrimmt: eine Version des neuen, mit Mazda entwickelten Spiders wird auch unter dem Mailänder-Label fahren, und nicht nur als Abarth sportlich unterwegs sein. In der Pkw-Riege für höhere Ansprüche übernimmt Alfa Romeo künftig die Großserien-Führungsposition, auch mit einer Top-Limousine, die wiederum mit der Maserati-Limousine verwandtschaftliche Beziehungen pflegt. Die Kompaktmodelle Mito und Giulietta werden mit Facelifts und frischen Motor- und Getriebeeinheiten hochgerüstet und könnten global, vor allem auch auf dem südamerikanischen Fiat-Erbhof eingesetzt werden.

Nicht ohne Hintergedanken hatte Ferdinand Piech (der Listenreiche) mehrmals die Offerte in die Welt gesetzt, für VW gerne Alfa Romeo übernehmen zu wollen. Seine Absicht: nicht um VW zu stärken, sondern um die Fiat-Gruppe zu schwächen. Daraus hat sich zwischen Piech und Marchionne (der Lässige) keine wirkliche Freundschaft entwickelt. Eher das Gegenteil ist der Fall. So kann der Kampf der Konzerne auch unter einem persönlichen Aspekt geführt werden: Marchionne als Herausforderer und Piech als Champion aller Klassen.

Vielleicht noch höher als der Glanz von Alfa Romeo lässt sich für die FCA-Aktivitäten der Glorienschein der Marke Jeep einschätzen und nutzen. Schon für das Jahr 2014 rechnen Branchenkenner mit einer Produktion von einer Million Jeep, 2013 waren es noch gut 700 000 Exemplare. Die Präsenz von Jeep soll ausgebaut werden und in Teilen als Basis für Versionen anderer Marken dienen. Gleichzeitig kann sie aber auch Plattformen und Antriebsaggregate von Fiat nutzen. Schon der erste Blick auf den kompakten Fun- und Fitness-Geländewagen Renegade auf dem Genfer Salon sorgte für Schlagzeilen. Deshalb wird Jeep neben Alfa Romeo eine der beiden tragenden Säulen für die internationale Ausrichtung des Konzerns sein. Für Schmuck und Anbindung an die High-Society der Autowelt sorgen Maserati und Ferrari, mit High-Tech und in absehbarer Zeit auch mit Hybrid-Versionen.

Für den deutschen Markt haben die Turiner-Modellspezialisten in Zusammenarbeit mit Fiat Deutschland eine besondere Strategie entwickelt: Unter „Two Souls One Heart“ Laufen Vorbereitungen und Pläne zum Aufbau von zwei Modellfamilien, die unterschiedlich sind, aber verbunden bleiben. Dafür stehen mit allen ihren Eigenschaften einerseits der Panda und andererseits der 500: aber sie sind quasi nur Platzhalter für ihre Botschaften, denn unter diesen sollen sich sehr individuelle, größere und kleinere, mildere und schärfere Versionen wie Sportderivate, SUVs oder Kompakt-Vans tummeln. Gemeinsam sind ihnen Frontantrieb, aber auch 4×4-Technik, Motoren und Getriebe und eine atmende Plattform: mit relativ geringem Aufwand lassen sich Radstand, Innenraum-Dimensionen und Spurweiten der jeweiligen Variante anpassen. Und das Design-Team setzt dann den richtigen Hut darauf. Die Panda-Säule wird mit charmanter Nützlichkeit und rationalen Werten aufwarten und die 500-Familie wird sich gleichzeitig bei urbanem Lebensgefühl und anspruchsvolleren Transportaufgaben für zuständig erklären.

Die dritte Säule soll von allen anderen Techniken profitieren: Fiat Professional wird (wie Volkswagen) kleine, mittlere und größere Nutzfahrzeuge für alle gewerblichen Zwecke bereit halten. Dass Fiat auch hier mithalten kann, könnten Doblo und Ducato auch auf dem amerikanischen Markt demonstrieren.

So werden Fiat in seinem hundertfünfzehnten und Chrysler in seinem neunzigsten Jahr seit der Gründung alle Zeichen auf Zukunft stellen: im Kampf der Konzerne bleibt es spannend und weder Marchionne noch Piech und Winterkorn vergessen dabei die jüngsten Wettbewerber. Sie sind jung und kommen aus China.

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