Dreirad-Roadster Can-Am Spyder – Wenn aller guten Dinge drei sind
Dreirad-Roadster Can-Am Spyder - Wenn aller guten Dinge drei sind Bilder

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Der Schaltwippel am linken Handgriff gehört zur Sechsgang-Halbautomatik. Bilder

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Die Can-Am Spyder Familie von links ST; TR und RS. Bilder

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Dem Spyder RS sieht man schon im Stand seine Fahrdynamik an. Bilder

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Die drei Varianten vom Can-Am Spyder haben deutlich mehr zu bieten, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Bilder

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Den Tourer treibt ein neuer Dreizylinder-Rotax-Motor mit 115 PS an. Bilder

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„Sieben Automobiltechnologien sorgen dafür, dass sich beim Can-Am Spyder der Nervenkitzel unter freiem Himmel mit deutlich mehr Sicherheit vereint, als beim Motorrad.“ Der von Marketing-Leiterin Danielle de Lange betonte Vorteil der kanadischen Drei- gegenüber klassischen Zweirädern klingt im Detail durchaus imposant, denn unter anderem haben die ungewöhnlichen Frischluftfahrzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier ESP, Servolenkung, Rückwärtsgang und eine Feststellbremse an Bord. Und Knautschzonen wie das vordere Staufach bringen mehr Sicherheitsreserven als bei jedem Zweirad – alles Features, die zwar für bestimmte Zielgruppen angenehm, für eingefleischte Motorradfahrer jedoch eher abschreckend sein mögen.

Folgerichtig sind unter rund 5.000[foto id=“503381″ size=“small“ position=“right“] Can-Am-Fahrern in ganz Europa diejenigen in der Mehrheit, die keine Bike-Lizenz besitzen oder überhaupt nicht mehr Motorradfahren wollen. Ihnen bringt der Dreirad-Roadster für Preise zwischen 17.700 und 31.800 Euro einen ganz eigenen Fahrspaß, der in einem offenen Sportwagen noch deutlich teurer kommen könnte.

Kein Spielzeug

Vor allem der sportliche Can-Am Spyder RS ist nicht das dreirädrige Spielzeug, als das ihn überzeugte Biker von oben herab abkanzeln. Der null-auf-hundert-Sprint in weniger als 5 Sekunden liegt auf Augenhöhe mit einem Porsche 911 Carrera. Für schräglagenhungrige Biker kommt am ehesten der RS in Frage. Für die klassische Dreirad-Zielgruppe hingegen scheint besonders der komfort- und luxusbetonte RT als erste Wahl. Und der ST liegt für Unentschlossene dazwischen. [foto id=“503382″ size=“small“ position=“left“]Schräglage bietet keiner von ihnen, dennoch fällt die mögliche Kurvendynamik überraschend gut aus, da die Seitenführungskräfte an der Vorderachse sehr hoch sind.

Antrieb

Angetrieben wird der komfortabelste aller Dreirad-Roadster von einem neuen 1.330 ccm-Motor von Rotax. Der Dreizylinder leistet 85 kW/115 PS und schiebt die 459 kg-Fuhre mit 130 Nm Drehmoment kräftig voran. Der 26-Liter-Tank reicht bei konstant 100 km/h für gut 400 km.

Sowohl beim sportlichen Can-Am Spyder RS als auch beim vielseitigen ST dient ein 990 ccm-V2 von Rotax als Antrieb. Charaktervoll knatternd treibt er den Dreirad-Roadster übers Asphaltband. Er hinkt zwar mit 74 kW/100 PS sowie 108 Nm Drehmoment hinter dem Dreizylinder des RT her, wirkt aber gerade beim RS und mit Akrapovic-Auspuff aus dem Zubehörprogramm sehr stimmig fürs sportliche Freizeitgerät.

Gewöhnungsbedürftig[foto id=“503383″ size=“small“ position=“right“]

Egal, ob RS, ST oder RT: Jeder Can-Am Spyder verlangt dem Dreirad-Neuling eine Eingewöhnungszeit ab, um sich auf die eigentümlich Fahrdynamik einzustellen. Anfangs zerrt man vehement am Lenkrad, um die gewünschten Richtungsänderungen durchzusetzen. Das fühlt sich mühevoll bis ganz schön anstrengend an. Nach und nach kommt man aber darauf, wie genüssliches Spyder-Fahren funktioniert: Kurvenäußeren Arm ausstrecken, Oberkörper zum Kurveninneren hin und etwas nach vorne verlagern, fertig ist der Fahrspaß á la Can-Am Spyder. Beim beschleunigten Ritt über die Kartbahn von Portimao mit einem Spyder RS lernten wir, dass das Verlagern des Po im Hang Off-Stil neben die Sitzbank zusätzliche Dynamik bringt – vor allem beim schnellen Überfahren der Curbs. Übertreibt der Fahrer die Jagd nach Rundenzeiten, bremsen ihn ein Bosch-ESP sowie eine Traktionskontrolle abrupt ein. Deshalb ist viel Gefühl gefragt, um den darunter liegenden Grenzbereich möglichst gut auszuschöpfen. Wer das schafft, genießt beim RS sogar leichte Driftwinkel, ehe die Sicherheitssysteme eingreifen.

Motorrad und Auto in einem

Die Sitzposition gleicht der eines Motorrads: Gesäß auf einer Sitzbank, Hände am Lenker, die Füße angewinkelt. Bei der neuen Sechsgang-Halbautomatik mit hydraulischer Kupplung wählt der Pilot die Gangstufe über eine Schaltwippe am linken Handgriff. Hebel am Lenker fehlen gänzlich, denn gebremst wird per Pedal mit dem rechten Fuß. Mit Fünfgang-Handschaltung zieht man wie beim Motorrad links den Kupplungshebel und schaltet mit dem linken Fuß. Beide Füße liegen auf Rasten, gebremst wird auch hier rechts. Gerade bei dieser Art der Bedienung müssen sich Biker auf die reine Fußbremse umgewöhnen. Reine Dreiradfahrer dagegen tun sich mit beiden Getrieben relativ leicht, bevorzugen aber sicherlich die gut abgestufte Semi-Automatik mit sechstem Overdrive-Gang. Die Halbautomatik verlangt lediglich wie ein Smart nach durchgängigem Gasgeben, damit die Gangwechsel ruckfrei ausfallen.[foto id=“503384″ size=“small“ position=“left“]

Fazit

Wer mit dem Spitzenmodell RT Limited für 31.800 Euro in die Vollen greift, genießt die Langstrecke zu zweit mit Annehmlichkeiten wie Navigationssystem, LED-Leuchten vorne und Hartschalen-Reisetaschen für die vier Staufächer vorne und am Heck. Eine Audioanlage, Tempomat und verstellbarer Windschutz gehören ohnehin zum Lieferumfang. Der Beifahrer genießt Wohnzimmersessel-Komfort wie bei zweirädrigen Supertourern vom Schlage Honda Goldwing oder Harley-Davidson Electra Glide.

Der Can-Am Spyder RT ist auch mit Pkw-Führerschein eine reizvolle Gelegenheit, um komplett im Fahrtwind sitzen zu können. In Deutschland muss man die Pkw-Lizenz vor dem 19. Januar 2013 erworben haben, seither ist ein Motorradführerschein nötig.

Can-Am Spyder RT – Technische Daten

Motor: Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Motor mit vier Ventilen pro Zylinder
Hubraum: 1.330 ccm
Leistung: 85,6 kW/115 PS bei 7.250/min
max. Drehmoment: 130,1 Nm bei 5.000/min
Getriebe: Sechsgang-Halbautomatik oder Fünfgang-Schaltgetriebe
Fahrwerk: Vorn Doppel-A-Arm mit Querstabilisator und Sachs-Stoßdämpfern, hinten Schwenkarm mit preload Federbein von Sachs; vorn Doppelscheibenbremse 270 mm, hinten Einscheibenbremse 270 mm, Hydraulisches Verteilersystem über Dreischeiben-Fußbremse, ABS
Maße und Gewichte: Radstand 1,71 Meter, Sitzhöhe 0,772 Meter, Trockengewicht 459 kg, Tankinhalt 26 Liter
Preis: 23.399 bis 31.799 Euro (RT Limited)

Kurzcharakteristik

Alternative zu: Trikes, Honda Goldwing, Harley-Davidson Electra Glide, KTM X-Bow
Passt zu: Nicht-Biker, der noch mehr Frischluft genießen will als im Cabrio
Sieht gut aus: Entspannt cruisend auf der Landstraße (RT), wieselflink auf der Kartbahn

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