Shanghai 2013: Auto-Delikatessen mit Stäbchen

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Das Reich der Mitte ist der neue Nabel der Autowelt. Der Mustermarkt, nicht nur für die deutschen Nobelmarken, öffnet zwischen dem 21. April und 29. April sein Schaufenster bei der „Shanghai Auto Show„. Mercedes, Porsche, BMW und Co. servieren automobile Delikatessen, die dem Geschmack der Chinesen huldigen. Doch auch andere europäische und asiatische Hersteller würdigen den Riesenmarkt mit zahlreichen Premieren.

Seit 1985 lädt Shanghai die Autowelt im zweijährigen Turnus zur Messe in die boomende Hafenmetropole mit aktuell rund 23 Millionen Einwohnern. Für die 15. Ausgabe stehen den 1 700 Ausstellern 250 000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Die Bedeutung, die die Schau in jüngster Zeit gewonnen hat, unterstreichen einige Zahlen. Im laufenden Jahr erwartet die Branche 20,65 Millionen Neuwagenkunden. Mit 19,6 Millionen Fahrzeugen aus heimischer Produktion hat China 2012 die gesamte europäische Branche mit ihren 18,3 Millionen gebauten Neuwagen abgehängt. Für deutsche Hersteller, und besonders die Premium-Marken, ist China längst das gelobte Autoland hinter dem heimischen Markt und den USA. Die Marke VW verkauft etwa jedes dritte seiner rund 4,5 Millionen produzierten Autos in China. Die Premium-Anbieter Mercedes, Audi und BMW steigerten ihren Absatz von 104 000 Einheiten in 2004 auf 959 000 Einheiten in 2012. Sie pilgern nun mit der Zuversicht an die Mündung des Huangpu-Flusses, 2013 die Marke von einer Million neuer Autos für China deutlich zu knacken. Mit 33 590 Autos exportierte Porsche 2012 praktisch jedes fünfte neu gebaute Fahrzeug – bei einer [foto id=“461853″ size=“small“ position=“left“]Gesamtproduktion von 151 999 Einheiten – ins Reich der Mitte. In Deutschland entschieden sich im selben Zeitraum 16 090 Kunden für einen neuen Porsche.

Der stetig überproportional wachsende weltweite Trend zu SUVs aller Größen hat auch die chinesischen Neuwagenkunden voll erfasst. Diesem Käuferverhalten widmen vor allem Mercedes und BMW ihre Neuheiten für Shanghai. Die Münchner stellen eine seriennahe Studie für den kommenden X4 vor. Nachdem BMW 2008 mit dem X6 als Mischung aus X5 und Coupé quasi eine neue Unterspezies der Geländewagen kreiert hatte, die unerwartet erfolgreich einschlug, folgt als logischer Schritt nun die Adaption des Konzepts auf die darunterliegende Klasse des X3. Dessen Version mit coupéhafter Dachlinie kommt folgerichtig als X4. Die Serienversion bringt BMW 2014 auf den Markt. Die viertürige Coupé-Studie ist mit einer Länge von 4,65 Meter genauso lang wie der X3. Zu den konkreten Antriebsvarianten hält sich BMW noch bedeckt. Aus den Regalen der 3er- und 4er-Reihen stehen Benzin- und Dieselmotoren als Vier- und Sechszylinder zwischen 135 kW/184 PS und 230 kW/313 PS bereit. Wie X5 und X6 wird auch der X4 im amerikanischen Spartanburg vom Band laufen und ab 40 000 Euro in Deutschland auf den Markt kommen.

Mercedes ist mit bislang vier Baureihen von Allradlern (G-Modell, M-Klasse, GL-Klasse, GLK-Klasse) im SUV-Bereich breit aufgestellt und sieht noch Raum für eine weitere Linie, die das SUV-Portfolio nach unten abrundet. Der GLA ist quasi der kleine Bruder des GLK. Als dritte Modellvariante der A-Klasse feiert der GLA in Shanghai seine Premiere. Mit dem GLA reagieren die Schwaben auf aktuelle Wettbewerber wie den BMW X1, den Audi Q3 oder den Mini „Countryman“. Mit einer langen Haube und coupéartiger Dachlinie setzt Mercedes beim GLA auf den kommenden Trend der kleinen SUV, die weniger über Stock und Stein kraxeln als sich dem diskreten Chic des Lifestyles zu unterwerfen. BMW arbeitet an einem entsprechenden Projekt in Form des X2, und Audi an einem Q2, der den A1 als Basis nutzt. In der Klasse der kleinen SUV reicht für die Basis-Modelle Frontantrieb. Auch der GLA folgt diesem Konzept. Allradantrieb spendieren die Schwaben den [foto id=“461854″ size=“small“ position=“right“]leistungsstärkeren Varianten. Anders lässt sich ein Einstiegspreis knapp unter 30 000 Euro nicht realisieren. Die Details zum GLA und seiner Einführung noch in diesem Jahr will Mercedes auf der Messe in Shanghai zeigen.

Chinesische Autokunden sind auch Trendsetter bei Limousinen in Form des klassischen Stufenhecks. Dieser Trend zieht sich durch alle Klassen. Audi begegnet der Vorliebe mit der Stufenheckvariante des A3, die in Shanghai Weltpremiere feiert. Nach Dreitürer und Kombi „Sportback“ folgt im Spätsommer die Limousine. Den Ingolstädter Designern ist ein knackiger Viertürer mit harmonischem Stummelheck gelungen, in das dennoch Gepäck mit maximal 425 Liter Volumen passen. „Wir schlagen die Brücke zwischen klassischem Three-Box-Design und Coupé“, erklärt Chefdesigner Wolfgang Egger. Die Überhänge sind kurz. Bei 2,64 Meter Radstand ist die A3-Limousine lediglich 4,46 Meter lang, acht Zentimeter kürzer als ein VW Jetta. Schließlich soll die A3-Limousine dem A4 nicht allzu dicht auf den Pelz rücken.

Porsche folgt bei der Limousine Panamera ebenfalls den Bedürfnissen des chinesischen Markts. Im Rahmen der Modellpflege des seit 2009 angebotenen Viertürers hat Porsche eine Langversion mit einem von 2,90 Meter auf 3,05 Meter verlängerten Radstand als „Executive-Version“ entwickelt. Diese Variante verfügt grundsätzlich über eine erweiterte Ausstattung und Luftfederung. Im neuen Motorenprogramm fehlt der V8-Saugmotor mit 4,8 Liter Hubraum als Einstiegsmotorisierung. Ihn ersetzt ein aufgeladener V6 mit drei Liter Hubraum, der 310 kW/420 PS leistet und nach Herstellerangaben 18 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht. Als weitere Antriebvariante kommt ein Hybrid mit 308 kW/416 PS Systemleistung zum Einsatz. Zur erweiterten Serienausstattung des optisch geglätteten Panameras gehören unter anderem Bi-Xenonscheinwerfer, Multifunktionslenkrad und eine automatische Heckklappe. Als Option sind neue Assistenzsysteme im Angebot wie Verkehrszeichenerkennung, Spurverlassenswarnung und ein optimierter Abstandsregel-Tempomat mit Notbremsfunktion. Porsche lässt sich ab Juli den überarbeiteten Panamera zwischen 2 000 Euro und 5 000 Euro besser bezahlen. Die Preisliste beginnt bei 81 849 Euro.

Hervorragend im Rennen um die Gunst chinesischer Kunden liegt auch die VW-Marke Skoda. Der tschechische Traditionshersteller stellt in Shanghai den überarbeiteten Superb vor. Technisch bleibt bei dem seit 2008 verkauften Top-Modell der Marke mit Motoren, die ein Leistungsspektrum von 77 kW/105 PS bis 191 kW/260 PS abdecken, alles beim Alten.[foto id=“461855″ size=“small“ position=“left“]

Den kleinen Bruder des Quattroporte stellt Maserati unter dem traditionsreichen Namen „Ghibli“ vor. Der potente Viertürer aus Italien zielt auf die E-Klasse von Mercedes, den 5er von BMW oder den Audi A6; dabei besonders auf die sportlichen Topmodelle des Haustuners „AMG“ (Mercedes), „M“ (BMW) oder „S“ (Quattro GmbH). 500 Liter Gepäckraum bietet der rund 1,7 Tonnen schwere Ghibli. Zum Start tritt der Maserati mit einem aufgeladenen V6 mit drei Liter Hubraum an, der in Zusammenarbeit mit Ferrari entstanden ist und 301 kW/410 PS leistet.

Japanische Hersteller wollen in Shanghai verstärkt Konzeptfahrzeuge enthüllen. Suzuki bringt eine Limousinen-Studie mit dem Namen „Authentics“, Hondas Premiumlabel „Acura“ hat die Studie für ein Crossover vorbereitet und Nissan hat in seinem chinesischen Design-Zentrum den „Friend-Me“ entwickelt, ein Viersitzer für junge urbane Chinesen, der Konnektivität mit Internet und anderen interaktiven Medien in den Mittelpunkt stellt.

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